Ausland

«Ich hasse mein Buch von ganzem Herzen»

Aktualisiert am 12.08.2009

Mit seinem Enthüllungsbuch «Gomorrha» über die neapolitanische Mafia erlangte er Weltruhm. Jetzt zieht Roberto Saviano ein bitteres Fazit: «Ich habe ein Scheissleben.»

1/22 Er zahlt einen hohen Preis für den Erfolg seines Buches: Roberto Saviano, Autor von «Gomorrha».
Bild: Keystone

   

Das Buch «Gomorrha» des italienischen Journalisten Roberto Saviano erschien vor drei Jahren und entwickelte sich rasch zu einer sensationellen Erfolgsgeschichte. Der dokumentarische Roman über das Innenleben der Camorra in der Region Neapel verkaufte sich über zwei Millionen Mal, er wurde in über 30 Sprachen übersetzt und in mehr als 40 Ländern veröffentlicht. Auch in der Verfilmung des Regisseurs Matteo Garrone wurde «Gomorrha» ein Erfolg.

Das Buch machte den 29-jährigen Saviano reich und berühmt, aber auch unglücklich. «Ich hasse ‹Gomorrha›, ich verabscheue dieses Buch von ganzem Herzen», schreibt der Süditaliener in einem Artikel, der in der britischen Zeitung «The Times» veröffentlicht wurde. «Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich dieses Buch nie geschrieben», so Saviano. «Aber ich habe es geschrieben, und ich bezahle einen hohen Preis dafür – jeden Tag meines Lebens». Bislang drückte sich Saviano vor solch klaren Aussagen, weil er seine Bewunderer nicht enttäuschen wollte.

Nach Todesdrohungen im Exil

Saviano verliess im letzten Jahr seine Heimat. Mit seinem Buch war er über Nacht zu einem Feind der mächtigen Camorra geworden. Morddrohungen der Mafia und anonyme Anrufe waren während Monaten an der Tagesordnung, der Autor musste aus Sicherheitsgründen immer wieder seinen Wohnort wechseln. Er lebte unter Polizeischutz. Die Camorra wollte ihn vor Weihnachten 2008 töten. Schliesslich blieb ihm nichts anderes übrig, als sich ins Ausland abzusetzen.

Aber auch ausserhalb Italiens fühlt sich Saviano nicht wohl. Der Erfolgsautor hat seine Freiheit verloren. Saviano führt im Untergrund ein massiv eingeschränktes Leben. Ausserhalb der streng bewachten Wohnung kann er sich nur in gepanzerten Autos und in Begleitung von Bodyguards bewegen. Immer wieder muss er seinen Aufenthaltsort wechseln. Saviano vermisst die alltäglichen Dinge, das Meer und den Schnee, ein normales Haus, oder Pizza essen mit Freunden. «Ein Scheissleben», schreibt Saviano in der «Times».

«In Italien stirbt die Wahrheit»

«Seit drei Jahren lebe ich aus dem Koffer, ich habe nur eine Tasche mit Büchern und einen Laptop», erzählt Saviano. Über seine Heimat fällt er ein hartes Urteil. «Italien ist ein Land, wo die Wahrheit aufgehört hat zu existieren.» Mehr als seinen Tod fürchtet er die Macht der kriminellen Organisationen. Laut Saviano wird die Camorra in seinem geliebten Neapel immer mächtiger.

In seinem Buch «Gomorrha» gibt Saviano einen tiefen Einblick in die Organisation der Camorra in Neapel und ihre Einflussnahme auf praktisch alle Lebensbereiche der süditalienischen Metropole. Dabei nannte er Namen mehrerer Camorra-Clans und berichtete im Detail über ihre Verstrickungen in den Handel mit Drogen und Waffen. (vin)

Erstellt: 12.08.2009, 17:41 Uhr


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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