«Je mehr Wohlstand, desto grüner wurde gewählt»
Von David Nauer. Aktualisiert am 29.03.2011 3 Kommentare
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Die Grünen haben von der Atomdebatte profitiert. Gibt es auch tiefer liegende Gründe, warum sie derzeit so erfolgreich sind?
Gesundheit, Klima, Nachhaltigkeit – das sind Themen, welche die mittleren Schichten der Republik seit Jahren ziemlich wichtig nehmen. Und da nahezu chronisch irgendwo ein Lebensmittelskandal oder ein Umweltdrama zu vermelden ist, nähren sich die ökologischen Parteien geradezu automatisch. Aber übertreiben sollte man es nicht. Im Herbst 2010 erlebten die Grünen eine enorme Hausse. Seither ging es bis Anfang März ebenso atemberaubend wieder bergab, ohne dass sich an den objektiven Problemen Grundlegendes verändert hätte. Da ist viel fluide Stimmung, die den Grünen jetzt nutzt, ihnen demnächst aber auch wieder Schaden bereitet.
Wer hat diesmal grün gewählt?
Im Grunde haben sich die Trends der letzten Jahre nur fortentwickelt. Die Grünen haben in den Universitätsstädten gepunktet. Sie sind Parteien der Urbanität, der Bürger mit Hochschulabschluss, von denen etliche als Beamte beschäftigt sind. Je mehr Wohlstand eine Region aufweist, desto grüner ging es am Wahlsonntag zu. Bemerkenswert ist, dass die Grünen auch in den jahrzehntelang katholisch-konservativen und ländlichen Stammquartieren der CDU beträchtliche Zuwächse verzeichnen konnten.
Wird der Höhenflug von Dauer sein?
Automatisch weiter nach oben geht es nicht. In qualitativen Interviews unserer Forschergruppe wurde immer deutlich, dass die neuen Anhänger der Grünen mit dieser Partei Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit verbinden. Das sind hohe Erwartungen, die in Regierungszeiten ebenso stark enttäuscht werden können.
Ist die Partei in der Lage, die Regierungsverantwortung in einem so grossen Land wie Baden-Württemberg zu übernehmen?
Die Grünen hatten bereits Regierungsverantwortung im Bund übernommen. Sie waren dort keineswegs eine Chaostruppe. Auch in den grossen Flächenländern Hessen und Nordrhein-Westfalen waren sie in der Exekutive dabei, ohne dass diese kollabiert wären. Gerade in Baden-Württemberg verfügen Grüne über exzellent ausgebildete, organisationserfahrene Kader. Sie sind dort in der Kommunalpolitik seit langem verankert.
Verliert die SPD ihren Status als Volkspartei an die Grünen?
Eine Volkspartei sind die Grünen noch nicht, werden sie auch nicht. Und die Sozialdemokraten sind längst keine Volkspartei mehr. Das hat auch mit den Grünen zu tun, aber keineswegs allein. Arbeiter etwa können mittlerweile weder mit der einen noch mit der anderen Partei viel anfangen.
Derzeit scheinen die klassischen Lager gefragt: Rot-Grün gegen Schwarz-Gelb. Was sind die Gründe?
Die Wahlen in Hamburg waren eine Zäsur. Da hat das Stadtestablishment in den klassisch bürgerlichen Quartieren die Krallen ausgefahren und Schwarz-Grün unter den Tisch gedrückt. Hauptopfer: die CDU. Seither glaubte man im Umfeld von Merkel, die alten Lagerkonfrontationen reaktivieren zu müssen. Aber Lagerwahlkämpfe gehen längst nicht mehr gut aus für CDU und FDP, da das alte konservativ-liberale Lager enorm ausgedünnt ist, seine Werte einen rasanten Schwund an Zustimmung erfahren haben.
Was bedeutet die Niederlage der CDU in Baden-Württemberg für Kanzlerin Angela Merkel?
Es wird einige bissige Kommentare geben. Man wird raunen und grummeln. Das ist es dann aber. Hätte sich der fränkische Baron (Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg, die Red.) mit einer einfachen, aber ehrlichen Cum-laude-Promotion zufriedengegeben, wäre er jetzt der Mann der Woche. Und die Kanzlerin hätte ein Problem. So hat sie es nicht.
Wird sich Merkel bis zu den nächsten Bundestagswahlen 2013 im Amt halten können?
Ja.
Was passiert mit der FDP?
Vor 18 Monaten war sie noch die Partei der Stunde wie jetzt die Grünen. Im Grunde besitzt sie Potenzial. Doch das kann sie erst wieder nutzen, wenn sie einige Dinge, personell und thematisch, grundlegend neu sortiert. Da hat sie übrigens mehr Spielraum als die CDU.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.03.2011, 22:31 Uhr
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3 Kommentare
Wer den Bauch voll hat, wählt entweder nicht oder aber idealistische Träumer. Erst wenn dank deren Treiben Benzin- und Strompreise stark steigen, tritt Ernüchterung ein und der Realitätsbezug wird wieder hergestellt. Analog wie bei der Obamania in USA. Antworten
Dieser blödsinn.Das hat nichts mit Wohlstand zutun.Viele Studenten wählen Grün und stehen nicht im Wohlstand.Es sind meistens die kleinen,bescheidenen Menschen welche Grün-wählen.Und Reichtum hat nichts damit zutun wie man wählt.Sondern es kommt auf die politische Einstellung draufan,wenn man nun mal für Mensch,Tier und Natur steht dann wählt man am ehesten Grün.Hat nichts mit Wohlstand zutun. Antworten
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