Ausland

«Keine Idee, kein Plan, keine Initiative»

Aktualisiert am 09.03.2011 30 Kommentare

Ex-Aussenminister Joschka Fischer kritisiert den Umgang der EU mit den Revolutionen in den arabischen Ländern. «In der Stunde der grössten Herausforderung versagt Europa», sagt der Deutsche in einem Interview.

«Wenn die Demokratie nicht in den Kochtöpfen ankommt, wird sie scheitern»: Der ehemalige Aussenminister Joschka Fischer.

«Wenn die Demokratie nicht in den Kochtöpfen ankommt, wird sie scheitern»: Der ehemalige Aussenminister Joschka Fischer.
Bild: Reuters

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die aktuelle Reaktion Europas verschlage ihm fast den Atem, sagte der frühere Grünen-Politiker der «Stuttgarter Zeitung». «Es ist atemberaubend, wie wir uns nicht um die strategischen Herausforderungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft kümmern.»

Joschka Fischer forderte den Westen auf, Massnahmen zum Sturz des libyschen Machthabers Muammar Ghadhafi zu ergreifen. «Ghadhafi darf nicht an der Macht bleiben. Wenn ihm das gelingt, gibt es eine Radikalisierung der libyschen Jugend.» Noch blickten diese jungen Leute auf den Westen. «Und ich denke, darauf muss Amerika - Europa ist ja kaum dazu in der Lage - entsprechend reagieren.» Ob die Amerikaner und Europäer selbst militärisch eingreifen sollten, wollte Fischer nicht abschliessend beantworten.

«Demokratie muss in den Kochtöpfen ankommen»

Der Ex-Aussenminister regte ein umfassendes Hilfs- und Aufbauprogramm für die arabischen Staaten an, die im Umbruch sind. «Wenn die Demokratie nicht in den Kochtöpfen ankommt, wird sie scheitern.» Aus den Erfahrungen in Ost-Europa wisse man, dass solche Transformationsprozesse länger dauern und teurer seien als zunächst vermutet. «Auch diese Hilfe wird sehr teuer sein und sehr lange anhalten müssen.»

Dazu gehörten «Wirtschafts- und Finanzhilfen, Öffnung der Märkte der Europäischen Union und der USA, strategische Energieprojekte, Reisefreiheit, Hilfe beim Aufbau demokratischer Institutionen, Zusammenarbeit der Universitäten und vermehrt Studienplätze - all das wird der Westen liefern müssen», sagte Fischer der Zeitung.

Die Angst vor einem grossen Albtraum

Fischer warnte, wenn die Revolutionen scheiterten, könne dies dramatische Folgen haben. «Von Libyen über den Sudan bis zum Horn von Afrika und zum Jemen, dem Südwesten der arabischen Halbinsel, kann sich ein grosses schwarzes Loch von gescheiterten Staaten entwickeln», sagte Fischer.

«Hier sind bereits gescheiterte Staaten wie Somalia und Staaten wie Sudan, die sich jetzt auflösen und in denen grosse Gewaltpotenziale jederzeit wieder aufleben können. Wenn Libyen dazu kommt - und das kann niemand ausschliessen - kann sich das zu einem Albtraum entwickeln.»

(pbe/dapd)

Erstellt: 08.03.2011, 21:51 Uhr

30

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

30 Kommentare

Marc Kuhn

08.03.2011, 21:36 Uhr
Melden

Was Fischer sagt, hat einiges fuer sich. Ich glaube allerdings kaum, dass Gaddafi am Schluss obsiegen wird.
Dies waere ja geradezu himmelschreiend ! Diese Option darf auf keinen Fall eintreffen ! Marc Kuhn
Antworten


Kurt Bucher

08.03.2011, 21:50 Uhr
Melden

Einige der aktuellen Probleme bahnten sich schon an, als Herr Fischer seine Zeit zum Handeln hatte. Jetzt handeln andere und ihm würde es gut anstehen zu schweigen. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.