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Kommt die legendäre BBC in Bedrängnis?

Von Peter Nonnenmacher, London. Aktualisiert am 06.09.2010 1 Kommentar

Mehr Kontrolle, weniger Geld: Die britischen Tories knüpfen sich die BBC vor. Das ist Wasser auf Rupert Murdochs Mühlen.

Sie ist eine Institution, die weltweit einen einzigartigen Ruf geniesst – und auf die im eigenen Land Umfragen zufolge 77 Prozent der Bevölkerung «stolz» sind. Doch diese Popularität schützt die BBC, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Grossbritanniens, nicht vor Attacken. Schon vor den Wahlen vom Mai schossen sich kommerzielle Rivalen und konservative Politiker zunehmend auf die «alte Tante» der Insel-Medienlandschaft ein.

Nun, im Gemenge um Haushaltskürzungen und den schrittweisen Abbau «des Staates», fühlt sich die Anstalt immer mehr bedrängt. Einige BBC-Grössen, wie der aussenpolitische Chef der Anstalt, John Simpson, zeigen sich sogar schon «äusserst pessimistisch, was die Zukunft der BBC betrifft».

BBC verteidigt Unabhängigkeit

Die Absicht des neuen Tory-Kulturministers Jeremy Hunt, die BBC-Bosse schärferer Aufsicht zu unterwerfen und die Ausgaben der Anstalt künftig von einem Unterhaus-Ausschuss kontrollieren zu lassen, hat bereits zu Klagen über drohende Politisierung geführt. Nichts verteidigt die BBC so entschlossen wie ihre Unabhängigkeit, speziell vom jeweiligen Regierungslager. Sollte die konservativ geführte Regierung ihren Plan durchsetzen, warnt etwa der prominente Fernseh-Veteran Steve Hewlitt, würde die BBC «von denselben Leuten kontrolliert werden, die zu kontrollieren ihre Aufgabe ist» – was «eine offene und geradezu unwiderstehliche Einladung an die Politiker wäre, sich in die BBC einzumischen».

Dass das ein Ziel massgeblicher Tory-Politiker sein könnte, vermuten auch Journalisten in der Anstalt selbst. An Einschüchterungsversuche beider Seiten haben sich die BBC-Leute ja gewöhnt. Tony Blairs Labour-Administration zum Beispiel, nach der Irak-Invasion von der BBC scharf unter die Lupe genommen, wusste einen ganz schön harschen Ton anzuschlagen.

Versteckte Drohungen

Die jüngsten Angriffe aber hätten «eine neue Qualität», ist aus den BBC-Studios zu hören. Noch keine hundert Tage im Amt, haben einige der neuen «Herren Whitehalls» schon alle Höflichkeit abgelegt. Bildungsminister Michael Gove etwa warf der BBC jüngst üble Voreingenommenheit vor. Zu einer der erfahrensten Journalistinnen der BBC, der «Newsnight»-Moderatorin Kirsty Walk, sagte er: «Wir werden euch im Auge behalten, Kirsty.»

Kulturminister Hunt seinerseits hat sich mit Drohungen fürs Erste zurückgehalten. Hunt versichert der BBC stattdessen gern, dass er sie für «ein nationales Juwel» hält – und dass es «keinerlei Pläne zur Privatisierung oder zum heimlichen Abbau» der Anstalt gebe. Freilich könne die BBC von einer Finanzkrise, wie sie das Königreich zurzeit erlebe, nicht unbetroffen bleiben. An eine Gebührensenkung müsse schon mal gedacht werden. Und überhaupt sei die Anstalt in der Vergangenheit «zu imperial», «zu expansionistisch» gewesen. Wo sie «den Privatsektor zu sehr eingeschränkt» habe, müsse man das korrigieren. Wenn im nächsten Jahr der Lizenzvertrag für die BBC neu auszuhandeln ist, will Hunt also offenbar auf einige Bremsen treten.

Vorsorgliche Entlassungen

Ganz unvertraut sind den BBC-Leuten solche Töne nicht. Mehrfach hat Rupert Murdochs Londoner «Times» der Anstalt vorgeworfen, «gross, aufgebläht und verschlagen» ihre dominante Stellung im Lande zum eigenen Vorteil zu nutzen. Allein schon im Onlinebereich habe die BBC sich «Terrain frech unter den Nagel gerissen», klagte voriges Jahr Murdochs Sohn James. Es sei Zeit, sich die Anstalt einmal «vorzuknöpfen».

Auf ein solches Vorknöpfen wollten die BBC-Verantwortlichen lieber nicht warten. Im März, in Erwartung eines Tory-Wahlsiegs, leitete BBC-Intendant Mark Thompson vorsorglich eine Verschlankungskur für die Anstalt ein. Dem BBC-Reformprogramm zufolge sollen ein paar Kanäle aufgegeben werden, soll weniger Geld in US-Shows fliessen und das Onlineprogramm auf die Hälfte gekürzt werden – mit einem Verlust von 25 Prozent der Onlinestellen. Insgesamt, verkündete Thompson, werde die BBC nach der Entlassung von insgesamt 7000 Mitarbeitern in den letzten fünf Jahren noch einmal 600 ihrer 23'000 Stellen streichen.

Top-Gehälter kürzen

Zugleich sollen Top-Gehälter im Managementbereich heruntergefahren werden. Das entsprach allgemeiner Erwartung, nachdem Murdochs Zeitungen herausgefunden hatten, dass zuletzt «382 BBC-Mitarbeiter Jahresgehälter von über 100 000 Pfund» bezogen. Auch im progressiven Lager wurde diese Massnahme für nötig gehalten. Die selbst auferlegten Programm- und Onlinekürzungen allerdings betrachteten viele Beobachter als ein eher politisches Opfer. Thompson habe sich offenbar entschieden, «lieber aus einem Fenster im zweiten Stock zu springen, als sich nach den Wahlen von einer Tory-Regierung vom Dach werfen zu lassen», spottete Jonathan Freedland vom linksliberalen «Guardian».

Ob sich «Murdochs Rottweiler» indes von ein paar «hingeworfenen Knochen» besänftigen liessen, sei doch sehr die Frage, meinen andere Medienexperten. Freedland ist jedenfalls der Überzeugung, dass eine starke BBC schlicht «ein Hindernis für die kommerziellen Ambitionen» Murdochs und anderer Verleger sei. Unbehaglich beginnt es auch den liberalen Koalitionspartnern der Konservativen zu werden, die – wie die Labour-Opposition – eine erstaunliche Identität zwischen der Medienpolitik der Tories und den Forderungen der Murdochs erkennen.

«Kostbare Institution»

Am Ende müsse man äusserst wachsam sein, um sich kein amerikanisches System aufzwingen zu lassen, in dem die BBC ihre Legitimität und ihren Wert verliere, meint der Chef der Stiftung Work Foundation, Will Hutton: «Wir haben es hier schliesslich mit einer sehr kostbaren Institution zu tun. Es wird Zeit, dass man das auch mal etwas deutlicher ausspricht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2010, 11:46 Uhr

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1 Kommentar

Regina Jucker

06.09.2010, 12:23 Uhr
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Ausgerechnet dieser Murdoch-Clan beschwert sich über Gehälter und so, dabei gehts denen ausschliesslich um den Profit und nicht um gute Informationen in den Medien. Noch mehr Werbung und billige Eigensoaps wären die Folge, alles berappt von den hintergangenen Konsumenten. Getrimmt auf Konsumidiotie pur. Nein danke, auf diese Murdoch-Berlusconi-usw. verzichten wir gerne. Antworten



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