Kosovo verlangt Beweise von Dick Marty

Der Rechtsausschuss des Europarats fordert die Aufklärung der Mafiavorwürfe an die Regierung Kosovos. Dessen Ministerpräsident Hashim Thaci prüft derweil eine Klage gegen Dick Marty.

Stellt sich nach der Präsentation den Medien: Dick Marty, Europaratsabgeordnete.

Stellt sich nach der Präsentation den Medien: Dick Marty, Europaratsabgeordnete. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der kosovarische Regierungschef Hashim Thaci hat am Donnerstagabend erstmals Stellung genommen zu den Vorwürfen, die der Europaratsabgeordnete Dick Marty in seinem Bericht über den mutmasslichen Organhandel erhoben hatte. Der ehemalige Guerillaführer bezeichnete den Report als skandalös und gespickt mit Lügen und Erfindungen.

Offen für neue Ermittlungen

Die Beschuldigungen seien von der UNO-Justiz und von der EU-Rechtsstaatsmission Eulex bereits überprüft worden. Man sei zum Schluss gekommen, dass die Vorwürfe, wonach die Befreiungsarmee Kosovos (UCK) mit Organen entführter Serben gehandelt habe, unhaltbar seien. Er prüfe rechtliche Schritte, um den Bericht zurückzuweisen. Laut einem Gewährsmann der kosovarischen Regierung kontaktierte Thaci bereits Anwälte, um gegen Marty vorzugehen.

Thaci zeigte sich gleichzeitig offen für neue Ermittlungen: «Die Regierung Kosovos verlangt, dass so schnell wie möglich ein Verfahren zu den Vorwürfen eingeleitet wird, damit die Wahrheit ans Licht kommt.» Er forderte Marty auf, «alle Beweise» den zuständigen Justizbehörden zu übergeben.

Auf kurzfristige Stabilität fixiert

Dick Marty präsentierte seinen Bericht am Donnerstag vor dem Rechtsausschuss des Europarats in Paris. Darin kritisiert er auch die internationale Gemeinschaft scharf. Diese sei auf die kurzfristige Stabilität fixiert und habe wichtige Grundsätze der Gerechtigkeit geopfert. In der einstimmig verabschiedeten Resolution verlangt der Ausschuss die Aufklärung der Vorwürfe. Die EU-Staaten sollten die EU-Rechtsstaatsmission Eulex unterstützen, damit die Untersuchungen beharrlich fortgesetzt würden.

Bei der Veröffentlichung des Berichts war auch der Vertreter Kosovos, Xhavit Haliti, anwesend. Haliti sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», er habe den Europarat aufgefordert, eine internationale Untersuchung zu veranlassen. Leider, so Haliti, habe Marty nicht die Frage beantwortet, weshalb er bei seinen Nachforschungen in Kosovo nie die ehemaligen UCK-Führer kontaktiert habe.

Verdacht auf Wahlbetrug

Auf Thaci kommen noch weitere Probleme zu: In Kosovo müssen in fünf Gemeinden die Parlamentswahlen vom Sonntag wegen Unregelmässigkeiten wiederholt werden. Das teilte die Wahlkommission spät am Abend mit. Die Wiederholung soll hauptsächlich in den Hochburgen Thacis, des vermeintlichen Wahlsiegers, stattfinden. Experten halten es für möglich, dass die Wiederholung die Ergebnisse sogar kippen könnte. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.12.2010, 08:38 Uhr)

Artikel zum Thema

«Bei den Kriegsverbrechen der UCK ein Auge zugedrückt»

Heute Nachmittag stellt der Europaratsbeauftragte Dick Marty den Bericht über die «unmenschliche Behandlung von Menschen und den illegalen Organhandel in Kosovo» vor. Tagesanzeiger.ch/Newsnet bringt Auszüge. Mehr...

Die EU muss Klarheit schaffen

Trotz der grossen Schwierigkeiten im Kosovo hat die Unabhängigkeit die Region insgesamt stabilisiert. Mehr...

Schweiz ruft Kosovo zum Handeln auf

Das Schweizer Aussendepartement hat den Kosovo mit deutlichen Worten aufgefordert, zur Klärung der Organhandel-Vorwürfe beizutragen. Derweil geht Serbien von 500 Opfern der Organ-Mafia aus. Mehr...

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Werbung

Blogs

Blog Mag Lasst den Anzug an!

Sweet Home Das süsse Nichtstun

Weiterbildung

Mobil, personalisiert, emotional

Adaptives Lernen ist einer der Trends im Bildungsbereich.

Die Welt in Bildern

Wie ein Gemälde: Luftaufnahme von Abu Dhabi, Arabische Emirate. (26. Juli 2016)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...