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Kriegstote, Parteifeinde und zu viel Alkohol

Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 01.09.2010 7 Kommentare

Mit dem Buch «A Journey» legt der britische Ex-Premier Tony Blair seine Memoiren vor – ein Blick in die Dunkelheit und Verzweiflung am Schalthebel der Macht.

1/10 Werbetour für die Memoiren: Tony Blair bei der ersten Buchpräsentation, die in Irland stattfand.
Bild: Keystone

   

In Grossbritannien schon ein Verkaufsschlager: Das Buch des ehemaligen Regierungschefs. (Bild: Keystone )

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«Bambi» hatten sie Tony Blair genannt, als er wie ein strahlender Stern über der Labour Party aufging: jung, frisch und irgendwie unschuldig wirkte er auf Karikaturisten und die britische Öffentlichkeit. Im Jahr 1997 wurde Blair nach einem klaren Wahlsieg Premierminister, gewann anschliessend weitere Wahlen und trat erst 2007 von der Spitze der britischen Politik zurück.

Diesmal mit einem anderen Spitznamen: «Bliar» – eine Wortschöpfung aus seinem Namen und dem Wort «Liar», das Lügner bedeutet. Was zwischen seinem Aufstieg und Fall geschah, beschreibt das politische Naturtalent in seinem Buch «A Journey»: eine Reise durch die Aufs und Abs der Politik, mit einem ständigen Begleiter, auf den Blair lieber verzichtet hätte: Gordon Brown.

Ein Skandal um Geld und Adelstitel

Brown, langjähriger Schatzkanzler der Labour-Regierung und später selbst als Premier gescheitert, kommt in den Berichten seines ehemaligen Vorgesetzten miserabel weg. Blair beschreibt ihn laut Berichten in der Zeitung «The Telegraph» und anderen Blättern nicht nur als einen Mann, der ihn fast zum Wahnsinn getrieben hätte, sondern auch als hinterhältigen Strippenzieher, der vor Erpressungen nicht halt machte.

Zum Beispiel bei jenem Skandal um «Cash for Honour», der Blair in den Jahren 2006 und 2007 massiv zusetzte. Im März 2006 wurden mehrere Männer, die Tony Blair für die Erhebung in den Adelsstand vorgeschlagen hatte, von der zuständigen Kommission des Oberhauses abgelehnt – und bald kam heraus, dass sie der Labour-Partei des Premiers grosse Geldsummen geliehen hatten.

Kein Schuldspruch – aus Mangel an Beweisen

Der Verdacht, dass es sich bei den Adelstiteln um Gegenleistungen handelte, veranlasste einen schottischen Abgeordneten des Unterhauses, die Polizei einzuschalten. In der Folge wurden prominente Politiker der Konservativen, der Liberaldemokraten und der Labour-Partei verhört.

Am Ende hiess es im Abschlussbericht, dass die Auszeichnungen im Gegenzug für Darlehen verliehen worden sein «könnten» – doch weil kein Beweis für eine direkte Abmachung vorlag, kam es schliesslich nicht zu einer Strafverfolgung. Die Geldsummen musste Labour freilich zurückzahlen und kam laut Fachleuten damit in Geldnot.

Diese Schmach hatte Blair nach eigenen Darstellungen auch seinem Schatzkanzler zu verdanken. Um eine tiefgreifende Reform des Rentensystems zu verhindern, drohte Brown dem Premier laut den Berichten bei einer vertraulichen Unterredung damit, eine Untersuchung zum «Cash for Honour» zu ermöglichen. Blair lehnte ab – und innerhalb von zwei Stunden gab Brown ein TV-Interview, das den Beginn der Untersuchungen förderte.

Zu viel Druck, zu viel Whiskey, zu viel Wein

Der Druck auf Blair wurde durch das Mobbing der Brown-Getreuen so gewaltig, dass er begann, tagtäglich und zu viel zu trinken. Er habe die «Unterstützung» durch den Alkohol gebraucht, in Form von Whiskey oder Gin Tonic vor dem Abendessen und hinterher. Mit der Zeit werde das Trinken leicht zu einer täglichen Gewohnheit, die der Körper zur Entspannung brauche – «um den Druck auszugleichen» und «zum Stimulieren», wie der «Telegraph» zitiert.

Dass Blair seinen Widersacher nicht schlicht aus der Regierung warf, lag laut seinen Memoiren daran, dass er zunächst nicht in der Lage war, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Und auch daran, dass er schliesslich zur Einsicht kam, es sei besser, Brown einzubinden und zu kontrollieren als ihn als Gegner ausserhalb der Regierung zu haben.

Für dessen bereits beendetes Wirken als Premier und Nachfolger hat Blair allerdings wenig warme Worte parat. Der ehemalige Schatzkanzler sei nicht in der Lage, moderne Politik umzusetzen. Er hätte aus der jüngsten Wirtschaftskrise mehr Kapital schlagen müssen. Wenn Brown die Ideale der «New Labour politics» treu geblieben wäre, so Blair, dann wäre er vielleicht noch im Amt.

Belastet durch die Gewalt im Irak

Wie sehr Blair seine Verantwortung bis heute belastet, zeigt der blutige und lange Krieg im Irak, bei dem zahllose Zivilisten und auch rund 200 britische Soldaten starben. Obwohl er die Entscheidung für den Krieg verteidigt, leidet der Ex-Premier bis heute daran, wie er in seinem Buch schreibt. Und gesteht, dass auch er den «Albtraum», die endlose Gewaltspirale nach dem Ende des eigentlichen Kriegs, nicht vorhergesehen hat.

Wegen des Irakkriegs und seiner Folgen musste Blair auch vor einem britischen Untersuchungsausschuss erscheinen und wurde von Demonstranten als Massenmörder beschimpft. In seinen Memoiren verspricht er, dass er sich für den Rest seines Lebens um Wiedergutmachung bemühen werde – zum Beispiel mit seiner Tätigkeit als Gesandter des Nahostquartetts und auch mit dem Honorar, das er für sein Buch bekommt. Die 4,6 Millionen Pfund will er zugunsten von verwundeten Kriegsveteranen spenden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.09.2010, 13:31 Uhr

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7 Kommentare

Rolf Schumacher

01.09.2010, 14:31 Uhr
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Hoffen wir doch für den so geplagten Tony, dass er den besseren Whiskey trinken konnte als sein Ueberseependant G. W. Bush. Doch es ist anzunehmen, dass weder die Schotten noch die Iren freiwillig ihren besten Whiskey an die Downig Street 10 gesandt haben. Blair taugt wahrlich als Schnapsbuchautor und Publikumsmagnet für Economic Foren im Herzen Europas, als Politiker hat er total versagt. Antworten


Anselm-Gilbert Karlen

01.09.2010, 15:24 Uhr
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Es ist gut, wenn sich das Gewissen ab und zu meldet. Mit seinem unverantworlichem Handeln ( Irak-Krieg) hat er sich an sich gute Regierungstätigkeit total kaputt gemacht und geht in die Geschichte mit eben diesem Schlagwort ein. Er hat seine Wähler die ihm solange vertraut haben unverfroren mehrmals angelogen. Das schien bei Blair fast unmöglich zu sein. Aber Politiker sind so, eigenutz geht vor. Antworten



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