Lesbische Prostituierte an Berlusconis Party
Sie habe auf einer Party mit Berlusconi zu Frank Sinatras «My Way» getanzt und die Nacht vom 4. November 2008 mit ihm verbracht, wird sie von der Zeitung «La Repubblica» zitiert. Am nächsten Morgen habe sie Berlusconi zum gemeinsamen Frühstück eingeladen. Auf die Frage, ob das Frühstück im gleichen Raum wie das Abendessen am Vorabend serviert worden sei, antwortete sie: «Nein. Es war an einem intimeren Ort.» Berlusconi hat die Berichte als «Müll und Lügen» zurückgewiesen.
Das Luxus-Callgirl gab an, insgesamt zwei Partys bei Berlusconi besucht zu haben. Bei einer Feier seien rund 20 junge Frauen gewesen, darunter zwei bekannte lesbische Prostituierte. Die Frauen hätten den Premier umschwärmt wie in einem «Harem». Sie habe ihre Begegnung mit Berlusconi aufgenommen und die Aufzeichnung der Staatsanwaltschaft in Bari übergeben. Die Staatsanwälte haben bislang nicht zu den Berichten Stellung genommen.
Die Prostituierte wies Anschuldigungen Berlusconis zurück, sie sei bezahlt worden, um ihn blosszustellen. Nach ihren Angaben erhielt sie von dem Geschäftsmann Giampaolo Tarantini 1000 Euro dafür, dass sie am 15. Oktober zu einer Party Berlusconis ging. Für ihre Begegnung am 4. November habe sie kein Geld erhalten, dafür aber Berlusconis Versprechen, sie in einem Immobilienstreit zu unterstützen.
Der 72-Jährige hatte kürzlich in dem Boulevardmagazin «Chi», das zu seinem Medienimperium gehört, erklärt, er habe nie eine Frau bezahlt. «Es gibt nichts in meinem Privatleben, wofür ich mich entschuldigen müsste», sagte er.
Tarantini hat erklärt, Berlusconi habe nichts davon gewusst, dass Frauen für einen Besuch seiner Partys bezahlt wurden. Er selbst habe den Frauen das Geld gegeben, aber nur, um ihnen die Kosten für die Anreise und andere Ausgaben zu ersetze. Er habe die Frauen zu den Partys eingeladen, um bei Berlusconi, den er erst kurz vorher kennengelernt habe, einen guten Eindruck zu machen.
Die Serie von Schmuddelgeschichten über den Ministerpräsidenten stösst inzwischen auch in konservativen Kreisen auf wachsenden Unwillen. «Es muss Grenzen geben», schrieb kürzlich das einflussreiche katholische Magazin «Famiglia Cristiana», das in Kirchen im ganzen Land verteilt wird. «Diese Grenzen des Anstands sind überschritten worden.» Die Inhaber politischer Macht könnten nicht beanspruchen, «sich in einem ethik-freien Territorium zu befinden».
Der Skandal setzte bereits Ende Januar ein, als Berlusconis Frau Veronica Lario öffentlich eine Entschuldigung von ihrem Mann verlangte und danach auch ihre Absicht ankündigte, sich scheiden zu lassen. Damals ging es vor allem um die Teilnahme Berlusconis an einer Geburtstagsparty für ein 18-jähriges Mädchen. (pwy/ap)
Erstellt: 26.06.2009, 08:52 Uhr
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