«Geheimdienst war an Attentaten beteiligt» – sagt Mafia-Boss

Aktualisiert am 20.07.2009

17 Jahre nach den Mafia-Anschlägen, bei denen die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ums Leben kamen, sind die Ermittlungen neu aufgenommen worden.

Die brutale Handschrift der Mafia: Das Auto von Richter Giovanni Falcone nach dem Bombenattentat bei Palermo am 23. Mai 1992.

Die brutale Handschrift der Mafia: Das Auto von Richter Giovanni Falcone nach dem Bombenattentat bei Palermo am 23. Mai 1992.
Bild: Keystone

Fragwürdiger Informant der Justiz: Salvatore Riina.

Fragwürdiger Informant der Justiz: Salvatore Riina. (Bild: Keystone)

Die neuen Untersuchungen kreisen um die rätselhaften Kontakte zwischen Geheimdienstagenten und Mafia-Bossen, die gegenseitig Informationen ausgetauscht haben sollen. Die Geheimdienste könnten eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit den im Sommer 1992 verübten Attentaten gespielt haben, vermuten die sizilianischen Justizbehörden.

Die Ermittler Nicolò Marino und Stefano Luciani aus Palermo haben diesbezüglich bereits den Christdemokraten Vincenzo Scotti befragt, der zwischen 1990 und 1992 den Posten des Innenministers bekleidet hatte, sowie den 1992 amtierenden Premierminister Giuliano Amato. Befragt wurden diese insbesondere über einen Geheimdienstagenten, der bei beiden Anschlägen am Ort des Attentats gesehen wurde.

Aussagen von Cosa-Nostra-Boss

Für Aufsehen sorgen auch die Aussagen der langjährigen Nummer Eins der sizilianischen Cosa Nostra, Salvatore Riina, der sich seit 1993 hinter Gittern befindet und wegen Mafia-Morden lebenslänglich verurteilt worden ist. Riina erklärte nach Angaben der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» (Sonntagsausgabe), dass die Geheimdienste bei den Anschlägen auf Falcone und Borsellino die Finger mit im Spiel hatten - ohne allerdings mehr Details über den Fall zu enthüllen.

13 prominente Mafia-Bosse waren vor zwei Jahren vom Berufungsgericht der sizilianischen Stadt Catania wegen den Anschlägen auf Falcone und Borsellino zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Sie waren beschuldigt worden, die Auftraggeber des Mordes an Borsellino gewesen zu sein. Zu den verurteilten Paten zählen bekannte Bosse wie Nitto Santapaolo und Giuseppe Madonia.

Borsellino und sein ebenfalls 1992 ermordeter sizilianischer Kollege Falcone hatten sich bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielten sie beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er Jahre grosse Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen verzeichnen konnten. (vin/sda)

Erstellt: 20.07.2009, 11:29 Uhr

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