«Medwedew traut nur seiner Swetlana»

Die Moskauer Politologin Ekaterina Egorova hat ein Psychogramm ihres Präsidenten erstellt. Sie hält ihn für noch misstrauischer als seinen Vorgänger Wladimir Putin.

Die beiden Präsidenten bei ihrem ersten Treffen im April.

Die beiden Präsidenten bei ihrem ersten Treffen im April.

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Die Erwartungen an das heutige Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und Dmitri Medwedew sind gross. Es ist ihr zweites nach dem kurzen Gespräch am Rande des Londoner G-20-Gipfels Anfang April. Westliche Beobachter sind optimistisch. Sie wollen sowohl bei Medwedew als auch bei Obama «eine Tendenz zu aussenpolitischem Realismus» erkannt haben. Beide Spitzenpolitiker seien rationaler und weniger «hormongetrieben» als ihre jeweiligen Vorgänger Wladimir Putin und George W. Bush. Doch die Moskauer Politologin Ekaterina Egorova ist skeptisch. Sie hat ein eigenes Konzept zur psychologischen Beurteilung von politischen Spitzenpolitikern entwickelt.

Aufschlussreiche Gestik

Egorova glaubt, auf den Fotos des ersten Treffens Medwedew/Obama in London, erkennen zu können, wie es tatsächlich um das Verhältnis der beiden Präsidenten steht: Betrachte man die Oberkörper, gewinne man den Eindruck von gegenseitiger Zuwendung und Öffnung. Doch die Hände – Medwedew sucht Halt an Stuhl und Tisch, Obama hält seine verschränkt – und die Stellung der Beine zeigten, wie distanziert und verschlossen sich die beiden Männer begegnen.

Egorova hat Anfang Mai auf Einladung der Stöhlker AG am Treffen der führenden europäischen Politberatungsfirmen (EAPC) in Zürich teilgenommen und dabei ihre Einschätzung über Medwedew präsentiert. Sie ist überzeugt, dass er inzwischen die Verantwortung für den aussenpolitischen Kurs Russlands trägt. Er spreche sich zwar mit Putin ab, die Aussenpolitik falle aber klar in seinen Kompetenzbereich. Allerdings, so Egorova, habe Medwedew wie sein Vorgänger keine aussenpolitische Strategie. Wie Putin reagiere er in erster Linie auf Impulse von aussen.

Land und Person sind eins

Das bestätigen auch jene, die herausfinden wollten, was sich Russland genau unter der «neuen europäischen Sicherheitsarchitektur» vorstellt, die es mit Nachdruck fordert. Viele vermuten, Moskau wisse es selbst nicht. Was feststeht, sind lediglich die eigenen, nationalen Ziele. So möchte Moskau die Nato-Erweiterung stoppen, die Stationierung eines US-Raketenabwehrschirms verhindern und eine «eigene Einflusszone» schaffen.

Egorova warnt vor übertriebenen Erwartungen. Medwedew sei «sehr paranoid». Er sei misstrauischer als der frühere Geheimdienstmitarbeiter Putin. «Medwedew traut nur seiner Frau Swetlana, und sonst niemandem», sagt die Politologin. Wie Putin verbinde auch Medwedew Ansehen und Status des Landes mit seinem eigenen. Wer Russland gering schätze, beleidige auch seine Person. Die Identifizierung mit dem Staat sei stark.

Mangelndes Selbstwertgefühl

Wie alle politischen Leader, so Egorova, habe auch Medwedew ein «Problem mit dem Selbstbewusstsein. Das ist aber normal.» Egorova hat in Moskau das renommierte PR-Büro Niccolo M Group gegründet, benannt nach dem italienischen Theoretiker der Machtpolitik Niccolò Machiavelli. Sie kennt die russischen Machthaber aus nächster Nähe. 1996, während der entscheidenden Wahl für die zweite Amtsperiode, war sie persönliche Politberaterin des damaligen Präsidenten Boris Jelzin. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.07.2009, 23:01 Uhr)

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