Medwedew-Partei mit überraschend grossen Verlusten

Aktualisiert am 15.03.2010

Die Partei des russischen Präsidenten hat bei den Regionalwahlen einen Fünftel ihrer Anhänger verloren. Und sie geriet noch zusätzlich unter Druck.

Seine Partei verliert im Volk an Rückhalt: Dimitri Medwedew.

Seine Partei verliert im Volk an Rückhalt: Dimitri Medwedew.
Bild: Keystone

Vereintes Russland unter Führung von Regierungschef Wladimir Putin lag zwar in allen acht Wahlgebieten in Front, büsste aber deutlich Stimmen ein. Am Ural erreichte sie der Nachrichtenagentur RIA zufolge am Sonntag noch knapp 40 Prozent und damit gut 24 Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl 2007, in Kurgansk blieb sie um 21 Prozentpunkte hinter dem damaligen Ergebnis zurück.

In der Region Kaluga ging ihr Anteil um 19 Prozentpunkte zurück, in Altai 15 Prozentpunkte. Lediglich in zwei Regionen konnte sie ihr Ergebnis halten. Am Ural waren den Angaben zufolge am späten Abend bereits 82 Prozent der Stimmen ausgezählt, in Woronesch erst zwei Prozent.

Vorwürfe der Wahlmanipulation

Auch bei den Bürgermeisterwahlen musste die Regierungspartei Rückschläge hinnehmen. Im sibirischen Irkutsk erhielt der Kandidat der kommunistischen Partei mehr als doppelt so viel Stimmen wie sein Konkurrent vom Vereinten Russland. «Vereintes Russland hat seine Ziele weit verfehlt», sagte Nikolai Lewitschew von der oppositionellen Partei Faires Russland.

Die Kommunisten warfen der Regierungspartei Wahlmanipulation vor. Es habe sich nichts gegenüber der scharf kritisierten Stadtratswahl in Moskau im Oktober geändert, sagte der Abgeordnete Sergej Obuchow. Die Zahl der Verstösse steige, weil Vereintes Russland an Unterstützung verliere. Die übrigen Oppositionsparteien wollen am Montag nach Auszählung aller Stimmen eine Erklärung zum Wahlverlauf abgeben.

Stimmungstest für Medwedew

Für die Abstimmung über die acht Regionalparlamente, fünf Oberbürgermeister und dutzende von Gemeinderäten waren rund 32 Millionen Russen wahlberechtigt. Das ist etwa ein Drittel aller in Russland registrierten Wähler.

Der Urnengang galt als Stimmungstest für Medwedew, der die Hälfte seiner ersten Amtszeit hinter sich hat. Der Nachfolger Putins hat Reformen und einen weniger autoritären Führungsstil versprochen. Experten zufolge steht der Nachweis echter Veränderungen aber noch aus. (cpm/sda)

Erstellt: 15.03.2010, 09:39 Uhr

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