Minarett-Streit in der Stadt der Hochofen-Türme
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Stadt der Türme
Das Stadtchen Völklingen ist für allem für seine Stahlproduktion bekannt. Das Eisenwerk «Völklinger Hütte» produzierte einst die meisten Eisenträger in ganz Deutschland. Mittlerweile hat die Stadt ihre goldenen Jahre aber längst hinter sich. Die Nachkommen der Gastarbeiter aus den 60er und 70er Jahren sind aber geblieben. Fünf Prozent von ihnen sind Muslime.
Die Geschichte erinnert an die Schweizer Minarett-Debatte. Doch sie spielt sich in der Kleinstadt Völklingen im Saarland ab. In der einstigen Stahlwerkstadt wollte die muslimische Gemeinde ihr altes Kino, das vor Jahren umgebaut wurde und seitdem als Moschee genutzt wird, auch als solche kennzeichnen. Ein acht Meter hohes Minarett und drei goldene Kuppeln sollten schon von Weitem zeigen, dass es sich bei dem Gebäude um ein muslimisches Gotteshaus handelt. Eine rein symbolische Geste, denn von dem kleinen Ziertürmchen sollte nie ein Muezzin rufen. Und neben all den Hochofen-Türmen der Stadt würde so ein kleines Minarett auch kaum auffallen.
Und dennoch war die Reaktion in der Kleinstadt mit rund 40'000 Einwohnern frappant. Die Bevölkerung stemmte sich mit allen Mitteln gegen den geplanten Bau. Die Rechtsparteien, allen voran die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), offenbar beflügelt vom Erfolg der Minarettinitiative in der Schweiz, wehrten sich gegen das «Bajonett des Islam». Und die Bevölkerung stand ihnen in nichts nach.
Mit Protestbriefen überhäuft
Der Oberbürgermeister wurde mit Protestbriefen überschwemmt. Von «fortschreitender Islamisierung in Völklingen» war die Rede, von «schleichender Unterwanderung durch den Islam». Die Völklinger fürchteten sich vor Gebetsrufen, vor dem Niedergang des Christentums und der westlichen Werte.
Eine Deeskalation schien kaum mehr möglich. Wenn die muslimische Gemeinde nicht vom Bau absehe, warnte der Bürgermeister, drohe eine regelrechte Schlacht.
Eklat abgewandt
Doch so weit kam es nicht. Zwar berichteten zahlreiche Medien und beschwörten gar einen Krawall der Kulturen. Doch die muslimische Gemeinde wandte den Eklat ab. Sie beschloss, den Bau des symbolischen Minaretts aufzuschieben. Stattdessen öffnete sie die Tore der Moschee und suchte den Dialog. «Ob wir das Minarett bauen oder nicht – wir haben den Dialog gestartet und werden ihn fortführen», sagt Anen Atakli, Vorsitzender der muslimischen Gemeinde gegenüber der «New York Times».
Doch der Friede ist trügerisch: «Ich habe Angst, dass unsere integrativen Bemühungen in Gefahr geraten könnten, wenn die Muslime auf den Bau des Minaretts bestehen», so Bürgermeister Klaus Lorig. (reh)
Erstellt: 24.03.2010, 16:03 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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