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Missbrauch durch Priester stellt rigide katholische Sexualmoral infrage

Von Michael Meier. Aktualisiert am 24.02.2010 8 Kommentare

Wegen der Missbrauchsfälle wächst die Kritik am Zölibat. Nicht ganz freiwillig haben Deutschlands Bischöfe nun reagiert.

Die Kritik an der katholischen Sexualmoral wächst: Eine kontroverse Debatte nimmt ihren Lauf.

Die Kritik an der katholischen Sexualmoral wächst: Eine kontroverse Debatte nimmt ihren Lauf.
Bild: Keystone

Bisher haben die deutschen Bischöfe zu den Missbrauchsfällen, die Deutschland seit Wochen erschüttern, geschwiegen oder diese mit absurden Schuldzuweisungen abgetan. Am Montag nun hat sich Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bei den Missbrauchsopfern entschuldigt. Er sei zutiefst erschüttert; es dürfe keinen Missbrauch geben, schon gar nicht im Raum der Kirche.

Es ist dies Zollitschs erste Stellungnahme zum Missbrauchsskandal, geäussert zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Freiburg. Zu deren Abschluss von morgen Donnerstag stellte er eine gemeinsame Erklärung der Bischöfe in Aussicht. Zudem werde er das Thema bei seinem für März geplanten Besuch bei Papst Benedikt erörtern.

Reaktion ist nicht ganz freiwillig

Auslöser war der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg, der in die Siebziger- und Achtzigerjahre zurückgeht, den staatlichen Behörden aber erst jetzt gemeldet wurde. Bis Mitte Woche hatten sich 120 Opfer gemeldet. Angeblich kam es auch in Göttingen, Hildesheim und Hannover zum Missbrauch.

Die späte Reaktion der Bischöfe erfolgt nicht ganz freiwillig. Kurz vor der Vollversammlung sah sich die deutsche Regierung genötigt, die Bischöfe zum Handeln aufzurufen. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte: «Ich erwarte von der katholischen Kirche konkrete Festlegungen, welche Massnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden.» Die Ministerin warf am Montag im «Tagesthemen»-Interview der Kirche vor, nicht mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten, was Zollitsch zu einem scharfen Protest veranlasste: Er forderte die Ministerin auf, ihre Aussagen innert 24 Stunden zu korrigieren, und wandte sich in der Angelegenheit auch an Kanzlerin Angela Merkel.

Emotionale Unreife

Die Bundesjustizministerin übte auch scharfe Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa, der die «sogenannte sexuelle Revolution» der 68er-Generation für den Skandal mitverantwortlich gemacht hatte. Gemäss Mixa haben die Medien eine Sexualisierung der Öffentlichkeit vorangetrieben, «die abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt». Er wirft gewissen Medien vor, sie würden Kindsmissbrauch zu einem kirchlichen Problem machen. Dabei liege die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen im Promillebereich. Mit dem Zölibat habe der Missbrauch «überhaupt nichts zu tun», so Mixa.

Damit hat der Bischof eine kontroverse Debatte lanciert, inwiefern die rigide katholische Sexualmoral und das Zölibat den Missbrauch durch Priester fördere. Selbst für den Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, ist ein Zusammenhang klar gegeben. In der Jesuiten-Zeitschrift «Stimmen der Zeit» meint zwar der Theologe und Therapeut Wunibald Müller, das Zölibat sei nicht unmittelbar die Ursache für den Missbrauch. Dennoch sei das eigentliche Problem bei Priestern eine emotionale – und auch sexuelle – Unreife, die sich in der Unfähigkeit zu echten Beziehungen und zur Intimität manifestiere.

Der Papst schweigt

Auch für Helmut Schüller von der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche ist die Gefahr gross, dass die Pflicht zur Ehelosigkeit das Priesteramt für Männer attraktiv mache, «die mit ihrer Sexualität nicht zurechtkommen und sich schwertun, echte Bindungen zu anderen Menschen einzugehen».

Der Papst hat einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie nie zugegeben und sich zum Skandal in seinem Heimatland ausgeschwiegen. Dabei wird er stets von neuem mit Missbrauchsfällen konfrontiert. Mitte Februar hat er 24 irische Bischöfe in den Vatikan geladen, um über die Konsequenzen des Missbrauchs Tausender Kinder durch Priester zu beraten.

Klage in Millionenhöhe

Eine Untersuchungskommission des irischen Justizministeriums ist zum Schluss gekommen, dass die katholische Kirche jahrzehntelang den Missbrauch von Kindern durch Priester der Erzdiözese Dublin vertuscht habe. Ähnliches förderten Untersuchungen der zahlreichen Missbrauchsfälle in den USA zutage: Nicht nur die fehlbaren Priester sind das Problem, sondern auch das System, das sie deckt.

Diese Woche wurde bekannt, dass die Provinz der Jesuiten in Oregon Insolvenz beantragen musste, weil bei ihr Schmerzensgeldklagen in Millionenhöhe eingegangen sind.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2010, 06:30 Uhr

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8 Kommentare

Roland Vetsch

24.02.2010, 11:53 Uhr
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Super, die katholische Kirche und der Papst sind wie die drei Affen - sie sehen, hören und sagen nichts! Schweigen und aussitzen. Wie mich dieser verlogene Haufen anwidert. Wasser predigen und selber Wein trinken. Die zehn Gebote runterrattern und schon bei der Nächstenliebe daran scheitern! Jeder mit gesundem Menschenverstand sollte aus dieser Kirche austreten - und wer bleibt. ist selber schuld. Antworten


Ernst Bucher

24.02.2010, 09:25 Uhr
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Diese Fälle von Kindsmisshandlungen stehen für mich klar im Zusammanhang mit der extremen Körperfeindlichkeit und Dämonisierung der Sexualität der kath. Kirche. Die katastrophale Kasuistik und Rigidität der damaligen Moraltheologie mit der permanenten Schuldverstrickung im 6. Gebot stellt ebenfalls eine Form der Misshandlung dar , unter der Generationen gelitten haben und noch noch immer leiden Antworten



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