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Mit der Impfung beginnt das Chaos

Bald beginnt in der Schweiz das flächendeckende Impfen gegen die Schweinegrippe. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen: Damit geht die grosse Debatte erst los.

Mittel gegen Schweinegrippe: In diesen Tagen begeinnen die Staaten weltweit mit Impfkampagnen.

Mittel gegen Schweinegrippe: In diesen Tagen begeinnen die Staaten weltweit mit Impfkampagnen.
Bild: Reuters

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Schweiz ändert ihre Impfstrategie

In der Schweiz startet das landesweite Impfen gegen die Schweinegrippe in elf Tagen. «Am Zeitplan hat sich nichts geändert», sagt Jean-Louis Zurcher vom Bundesamt für Gesundheit. Verändern wird sich bis dahin allerdings der Stoff, der geimpft werden soll. Zumindest für Schwangere und Kinder. Bis anhin war geplant gewesen, allen Impfwilligen einen Impfstoff mit Wirkverstärker zu spritzen. So viel man heute weiss, droht diesen Winter keine ultragefährliche Welle der Schweinegrippe. Und damit rücken die Nebenwirkungen dieser zusätzlichen Wirkstoffe in den Vordergrund. Und darauf haben die Behörden nun reagiert. «Weil es bisher für die Impfstoffe erst unzureichende klinische Daten insbesondere für Kinder und Schwangere gibt, werden wir konkrete Impfempfehlungen machen», sagt Joachim Gross von Swissmedic. Die Idee, Impfstoff ohne Wirkverstärker zu verwenden, war diese Woche auch Thema bei einem Treffen von Personen aus dem Bundesamt für Gesundheit, der Impfkommission und der Zulassungsbehörde. Gegenwärtig prüft Swissmedic, ob der Vorschlag umgesetzt werden kann. Die Schweiz könnte neuen Impfstoff kaufen. Oder die Schweiz könnte auf jenen bereits bei Glaxo gekauften Impfstoff setzen, der in den nächsten Tagen in reiner Form geliefert wird. Bisher war geplant, ihn mit Wirkverstärker zu strecken. Noch ist nicht klar, ob Swissmedic eine höher dosierte Glaxo-Impfung ohne Wirkverstärker in kurzer Zeit bewilligen könnte.

«Die Schweinegrippe-Pandemie wird kommen», sagte am letzten Freitag BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher. Mit, oder besser noch vor der Pandemie kommt auch die Impfung gegen H1N1 in die Schweiz. In den USA, Grossbritannien und Frankreich haben die Impfkampagnen bereits diese Woche begonnen. Der Andrang war riesig, die ersten Rationen an Impfdosen schnell weg.

Deutschland startet seine grosse Impfaktion am nächsten Montag. Die Regierung in Berlin hat die Menschen aufgerufen, sich gegen die Schweinegrippe zu schützen. Alle Risikogruppen sollen sich impfen lassen. Was in Grossbritannien aber scheinbar glatt durchzugehen scheint, wird in Deutschland bereits zum Thema. Die Nachricht, dass Soldaten und Mitglieder der Bundesregierung einen angeblich besser verträglichen Impfstoff bekommen sollen als die restliche Bevölkerung, sorgt für Wirbel.

Nebenwirkungen bei Kindern stärker

Dass es offenbar bessere und schlechtere Impfstoffe gibt, wird nicht abgestritten. Genaues weiss aber noch keiner, weil es noch keine Erfahrungen gibt. Zu reden gibt vor allem ein Impfstoff mit Wirkverstärker.

Der Chefarzt des Kantonsspitals St. Gallen, Pietro Vernazza, hat genau diese Impfung in einem Selbsttest ausprobiert. «Das spürt man. Der Arm tut weh. Und in der Nacht schläft man schlecht. In einigen Fällen tritt Fieber auf. Und einige wenige Prozent der Geimpften dürften am Tag bei der Arbeit behindert sein», so Vernazza gestern zum «Tages-Anzeiger». Bisher wurde im Zusammenhang mit dem Impfstoff noch kein Guillain-Barré-Syndrom (Lähmungserscheinungen) beobachtet, doch diese sehr seltene Nebenwirkung kann nie ausgeschlossen werden. Bei Kindern treten die Nebenwirkungen tendenziell stärker auf. Die Schweizer Ämter überlegen sich darum, einen Impfstoff ohne Wirkverstärker zu verwenden.

Ämter versuchen zu beruhigen

Genau diese Debatte läuft auch in Deutschland. Das deutsche Gesundheitsministerium sowie die europäische Zulassungsbehörde versuchen inzwischen, alle Bedenken gegen die Impfstoffe zu zerstreuen. Zwar bestätigte ein hoher Beamter, dass es mit dem für die Bevölkerung bestellten Serum, das Verstärkerstoffe enthält, häufiger Impfreaktionen wie Fieber, Kopfschmerz oder Rötungen gebe als bei Seren ohne solche Stoffe. Diese Reaktionen zeigten aber nur, dass wie gewünscht das Immunsystem des Körpers aktiviert werde, sagte Löwer. Unerwünschte Nebenwirkungen im eigentlichen Sinne seien «nicht vorherzusehen». Sie würden im Verlauf der Impfaktion streng beobachtet.

Auch eine Vertreterin der europäischen Zulassungsbehörde versucht zu beruhigen. Es habe vor der Zulassung eine grosse Menge von Daten gegeben, sagte sie. Das Ergebnis sei eindeutig: «Der Nutzen übersteigt das mögliche Risiko.» Auch die Impfungen hätten daran nichts geändert: «Es ist alles nach wie vor sehr positiv.»

Hersteller lehnt Haftung ab

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die heutige Meldung der «Berliner Zeitung», wonach sich der Hersteller des umstrittenen Impfstoffs bei gesundheitlichen Schäden einen Haftungsausschluss ausbedungen hat. Alles in allem ziemlich viel Wirbel. «Die Massenimpfung gegen die Schweinegrippe droht in Chaos auszuarten», schreibt «Spiegel Online». (cpm)

Erstellt: 22.10.2009, 20:01 Uhr

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