Mord wegen eines Like auf Facebook

Der Sohn eines mutmasslichen italienischen Mafia-Bosses hat seinen besten Freund erschossen, weil er sich auf dem sozialen Netzwerk begeistert von einem Mädchen zeigte.

Hat sich für dasselbe Mädchen wie sein Freund interessiert und wurde deswegen getötet: Francesco Prestia. Foto: Facebook

Hat sich für dasselbe Mädchen wie sein Freund interessiert und wurde deswegen getötet: Francesco Prestia. Foto: Facebook

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Francesco Prestia und Alex Pititto waren Freunde. Die beiden 15-Jährigen besuchten dieselbe Schule in Mileto, einer kleinen Stadt in Kalabrien. Ihre Facebook-Profile sind voll mit Fotos, die sie bei gemeinsamen Streifzügen durch Strassen und Lokale zeigen, beim Sport oder beim Besuch von Freunden. Eine dieser Aufnahmen hatte Alex mit den Worten kommentiert: «Die Freundschaft führen alle im Munde, aber nur wenige haben sie im Herzen.»

Bloss gehörte Alex zu einer Familie, für die nicht Freundschaft das Wichtigste ist im Leben, sondern Stolz und Ehre. Sein Vater Salvatore Pititto alias «der Onkel», seine Mutter Maria Antonia Mesiano, sein 21-jähriger Bruder Giuseppe und sein Cousin Pasquale wurden im vergangenen Januar bei einer grossen Anti-Mafia-Polizeiaktion verhaftet. Sie sind angeklagt, der kalabrischen ’Ndrangheta anzugehören. In Kolumbien beschlagnahmten die Ermittler im Zuge derselben Operation 8 Tonnen Kokain, das für den italienischen Markt bestimmt war und der kalabrischen Mafia rund 1,5 Milliarden Euro eingetragen hätte.

Alex hatte den Verdacht, dass Francesco demselben Mädchen nachstellte wie er selber. Als dieser ein Foto der Angebeteten mit einem «Like» versah, wurde der Verdacht für Alex zur Gewissheit. Er bat den Freund zu einer Aussprache in einem einsam gelegenen Olivenhain etwas ausserhalb von Mileto, zog eine Pistole, die er gemäss den Vermutungen der Polizei seinem Grossvater gestohlen hatte, und schoss dreimal. Francesco war sofort tot. Danach stellte sich der pausbäckige, dickliche Mörder, der auf einem auf Facebook geposteten Foto auch als Zwölfjähriger durchgehen könnte, der Polizei. Laut italienischen Medien bestehen noch Zweifel am genauen Ablauf des Verbrechens. Es sei seltsam, dass am Tatort keine Patronenhülsen und keine Blutspuren gefunden wurden. Vielleicht habe Alex seinen Freund an einem anderen Ort erschossen und seine Leiche, mit wessen Hilfe auch immer, in den Olivenhain gebracht.

Die Brutalität der Nachwuchs-Mafiosi

Sprösslinge von Mafia-Chefs nennt man in Italien «baby capos» oder «baby boss», in Mexiko bezeichnet man sie als «narcojuniors». Auf sozialen Netzwerken zelebrieren sie ihr wildes Leben, ihre Freundinnen, Waffen und Autos, ihren Luxus und ihre Unverfrorenheit. In Süditalien morden jugendliche Killerbanden, die laut dem Bericht einer italienischen Anti-Mafia-Behörde durch besondere Brutalität und ein Verhalten «ausserhalb aller Regeln» auffallen.

Der italienische Schriftsteller Roberto Saviano beschreibt die Nachwuchs-Mafiosi in seinem jüngsten Roman «La paranza dei bambini». Das Buch beginnt mit einer Szene, die an den Ehrenmord in Mileto erinnert: Ein Sechzehnjähriger wird von den Mitgliedern einer Gang grausam bestraft, weil er auf Facebook die Bilder des falschen Mädchens kommentiert und mit «Likes» versehen hat. In einem Interview mit der spanischen Zeitung «El País» sagt Saviano, die jugendlichen Mafia-Killer hätten keine Angst vor dem Gefängnis, zumal ihre Taten oft nach Jugendstrafrecht geahndet werden. «Sie sind jung und haben das ganze Leben vor sich. Das Gefängnis ist ihnen absolut egal.»

Am Begräbnis von Francesco Prestia haben dreitausend Personen teilgenommen. Die Familie hat den Jugendlichen auf Facebook mit folgenden Worten verabschiedet: «Du bist so perfekt, dass dich die Engel bei sich haben wollten. Wir vermissen dich. Gute Reise, Prinz.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2017, 17:04 Uhr

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