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Mutmassliche Opfer wollten Assange nicht anzeigen

Aktualisiert am 08.12.2010

Die Frauen wollten lediglich, dass sich Wikileaks-Gründer Julian Assange auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lässt. Weil er ihnen nicht antwortete, gingen sie zur Polizei.

1/8 14. August 2010: Julian Assange spricht an einem Seminar im Hauptquartier der Schwedischen Gewerkschaft in Stockholm.
Bild: Reuters

   

Die beiden mutmasslichen Opfer des inhaftierten Wikileaks-Chefs Julian Assange wollten den 39-Jährigen ursprünglich nicht anzeigen. Der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Australier sollte sich nach ihrem Willen nur auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen.

Nachdem mehrere Versuche der Kontaktaufnahme gescheitert waren, gingen die Frauen schliesslich gemeinsam zur Polizei, wie mehrere Vertraute Assanges sagten. Seit Dienstag sitzt Assange in England in Haft. Er hat die Vorwürfe stets bestritten.

Assange hat sich mit der Veröffentlichung von Geheimdokumenten auf seinem Enthüllungsportal Wikileaks viele Bewunderer, aber auch viele Feinde gemacht. Nach den Worten seines Anwaltes bekommt er Todesdrohungen.

Assange hat keinen festen Wohnsitz, reist viel, übernachtet bei Freunden und soll sich sehr vorsichtig verhalten. Diese Geheimniskrämerei könnte mit dazu geführt haben, dass schwedische Behörden gegen ihn wegen Vergewaltigung ermitteln.

Einmal mit beschädigtem Kondom

Die mutmasslichen Straftaten sollen sich im August zugetragen haben, als sich Assange in Schweden aufhielt. Ursprünglich wollte der frühere Hacker das Land als Basis für Wikileaks nutzen, weil es dort besonders strenge Gesetze zum Schutz der Pressefreiheit gibt.

Bei einer der Frauen, die in Gerichtsakten als «Frau A» bezeichnet wird, handelt es sich offenbar um eine Sprecherin für eine Gruppe, die Assange in Schweden empfing. Vertrauten zufolge übernachtete Assange bei ihr zu Hause, woraus sich eine sexuelle Beziehung entwickelte.

Bei einer der Begegnungen wurde nach Aussage der Frau das Kondom beschädigt. Trotzdem gab es in den folgenden Tagen wenige oder gar keine Anzeichen für Spannungen zwischen den beiden, wie mehrere Personen sagten.

... und einmal ohne Kondom

Wenige Tage später lernte Assange eine weitere Frau kennen, die in Gerichtsakten als «Frau W» bezeichnet wird. Einen Tag nach dem ersten Treffen übernachtete Assange demnach in der Wohnung von W und die beiden hatten nach Aussage von Vertrauten Assanges geschützten Verkehr.

Was am folgenden Morgen geschah, ist nicht ganz geklärt. Assange und W sollen wieder Sex gehabt haben, diesmal ohne Kondom. Sie sollen freundschaftlich auseinander gegangen sein.

W soll aber zunehmend besorgt gewesen sein, dass sie sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt haben könnte. Versuche, Assange zu kontaktieren und ihn zu einer Untersuchung zu bewegen, scheiterten, weil er sein Telefon abgeschaltet hatte.

Frauen wollten Untersuchung fordern

Bei ihren Recherchen kam W schliesslich in Kontakt mit A. Beide sollen sich einig gewesen sein, von Assange eine Untersuchung zu fordern. Wie eine Person sagte, die den Fall aufmerksam verfolgte, konnten sie Assange schliesslich kontaktieren und ihn überzeugen. An diesem Freitagabend seien aber Praxen und Kliniken geschlossen gewesen.

W sei offensichtlich über Assanges ausweichendes Verhalten verärgert gewesen und habe sich entschieden, zur Polizei zu gehen. Ursprünglich wollte sie aber keine Ermittlungen, wie die Person sagte. Nach einem Bericht der Zeitung «Guardian» ging A als moralische Unterstützung mit zur Polizei, wollte aber auch keine Anzeige.

Die Aussagen der Frauen wurden an einen diensthabenden Staatsanwalt weitergereicht, der noch am selben Abend einen Haftbefehl wegen Vergewaltigung erwirkte. Am nächsten Morgen wurde diese Entscheidung von einem anderen Staatsanwalt zurückgenommen.

Er entschied, das Verfahren unter dem Vorwurf der Belästigung weiterzuführen. In den folgenden Tagen deutete die Staatsanwaltschaft an, das Verfahren schnell abschliessen zu wollen. Eine Einstellung schien wahrscheinlich.

Prominenter Anwalt bracht Bewegung in den Fall

Bewegung kam in den Fall, als W und A den prominenten Anwalt und sozialdemokratischen Gleichstellungspolitiker Claes Borgström engagierten. Er setzte sich dafür ein, dass der Vorwurf der Vergewaltigung nicht fallengelassen wird.

Eine der ranghöchsten Staatsanwältinnen Schwedens geht ebenfalls von Vergewaltigung aus. In einem minderschweren Fall - wie er Assange vorgeworfen wird - drohen in Schweden bis zu vier Jahre Haft.

Noch gibt es keine Anklage gegen den Wikileaks-Chef. Die Behörden wollen seine Auslieferung erreichen, um ihn zu befragen. Ein Gesprächspartner Assanges, der im August Kontakt zu ihm hatte, sagte, der 39-Jährige habe damals von dem Wunsch der Behörden gewusst. Er reiste demnach aber aus Schweden aus, um genau den Medienrummel zu vermeiden, den es jetzt gibt. (miw/sda)

Erstellt: 08.12.2010, 17:29 Uhr

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