Nach Afrika wütet Aids nun in Osteuropa

Von Samuel Reber. Aktualisiert am 17.07.2010

In Osteuropa und Zentralasien breitet sich Aids laut Unicef besonders unter Kindern, Jugendlichen und Frauen weiter aus. Es sind die zwei einzigen Weltregion mit noch wachsender Aids-Rate.

Infiziert: Rumänische Kinder in einem Heim in Bukarest.

Infiziert: Rumänische Kinder in einem Heim in Bukarest.
Bild: AFP

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Betroffen seien vor allem junge Menschen am Rande der Gesellschaft, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" anlässlich der am Sonntag in Wien beginnenden Welt-Aids-Konferenz. Als Beispiel nannte er "Heranwachsende, die ihr ganzes Leben im Heim verbracht haben und nicht auf ein normales Leben vorbereitet wurden sowie Strassenkinder, minderjährige Prostituierte und Drogenabhängige, die oft schon im Jugendalter ihre Hoffnungslosigkeit mit der Spritze betäuben".

Schneider warnte zudem vor einer Stigmatisierung der Betroffenen. "Diese Kinder und Jugendlichen brauchen Hilfe und Verständnis statt Schuldzuweisungen", sagte er der "FAS". Angst, Stigmatisierung und Kriminalisierung erschwerten den Kampf gegen die Epidemie. "Sie führen dazu, dass sich die Betroffenen und ihre Angehörigen verstecken müssen, sich nicht testen lassen und Beratung sie nicht erreicht", sagte Schneider.

80 Prozent sind jünger als 30 Jahre alt

Osteuropa und Zentralasien sind Unicef zufolge die einzigen Weltregionen, in denen die Rate der Neuinfektionen mit dem HI-Virus weiter steigt. 80 Prozent der Infizierten seien jünger als 30 Jahre alt. Seit 2006 verzeichneten einige Regionen Russlands einen Anstieg der Rate um bis zu 700 Prozent, heisst es der "FAS" zufolge in einer neuen Unicef-Studie.

An der sechstägigen Aids-Konferenz in Wien nehmen mehr als 20.000 Forscher, Ärzte, Politiker und Vertreter von Organisationen teil. Es geht um den weiteren Kampf gegen die Krankheit. Die Fachleute wollen unter anderem darüber beraten, wie der Einsatz von sogenannten Virenhemmern verbessert werden kann, damit möglichst viele Patienten mit Hilfe der Medikamente überleben. Derzeit sind mehr als 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, allein 22 Millionen davon im südlichen Afrika. Jährlich sterben rund zwei Millionen Menschen an der Krankheit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2010, 21:23 Uhr

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