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Noch mehr Ekel-Rituale bei der Bundeswehr

Aktualisiert am 26.02.2010

Misshandlungen von Soldaten sind bei der deutschen Armee offenbar viel weiter verbreitet als bisher angekommen. Die Zahl der Verdachtsmeldungen ist stark angestiegen.

Negative Schlagzeilen: Bundeswehr.

Negative Schlagzeilen: Bundeswehr.

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Der deutsche Wehrbeauftragte Reinhold Robbe berichtete am Freitag in Berlin von aktuell «93 Zuschriften zu diesem Themenbereich». Noch vor wenigen Tagen hatten sich erst 54 betroffene Soldaten bei Robbe (SPD) gemeldet. Die Meldungen gingen ein, nachdem ein Gebirgsjäger aus Mittenwald über Misshandlung geklagt hatte.

Bei der abschliessenden Beratung über den Wehrbericht 2008 erklärte Robbe im Bundestag, die Zuschriften stammten von ehemaligen und aktiven Soldaten. Geschildert würden ähnlich «geschmacklose Rituale» wie das in Mittenwald. Dort hatte ein Soldat im Juni 2009 Rollmöpse mit Frischhefe essen müssen.

Die Bundeswehr sei aktiv um Aufklärung bemüht, sagte Robbe. Für ein Resümee oder grundsätzliche Aussagen sei es aber noch zu früh. Es werde auch nur teilweise gelingen, die Vorgänge ganz aufzuklären. Diese lägen teilweise schon Jahrzehnte zurück.

Generalverdacht nicht begründet

Er nehme «mit Sorge zur Kenntnis», dass sich die Rituale über Jahre entwickelt hätten und erst durch die Zuschrift eines einzelnen Soldaten bekannt geworden seien, sagte Robbe. Er finde es bedenklich, dass unmittelbare Vorgesetzte offenbar davon gewusst und trotzdem weggesehen hätten. Das sei inakzeptabel.

«Es wäre aber falsch, die gesamte Bundeswehr einem Generalverdacht auszusetzen», sagte Robbe. Die Soldaten müssten sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken.

Grüne nehmen Robbe in Schutz

Den Wehrbericht 2008 hatte Robbe bereits im März vergangenen Jahres vorgestellt. Der Bundestag hatte im April erstmals darüber beraten. In den nächsten Wochen wird bereits der Wehrbericht 2009 erwartet.

Bei der abschliessenden Debatte verwies Robbe erneut auf Missstände im Sanitätswesen der Bundeswehr. Der Ärztemangel sei weiterhin gravierend. Vor allem fehle es an qualifizierten Ärzten zur Behandlung posttraumatischer Störungen bei Soldaten. Der Bericht wurde mit grosser Mehrheit angenommen.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour lobte Robbes Arbeit. «Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, warum sie ihre Arbeit beenden sollten», sagte er. Er appelliere an die FDP, in der für die Bundeswehr unruhigen Zeiten hier für Stabilität zu sorgen. Nouripour reagierte damit auf Medienberichte, nach denen die Liberalen dem SPD-Mann Robbe keine weitere Amtszeit geben wollen. (vin/ddp)

Erstellt: 26.02.2010, 14:39 Uhr

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