Panik nach fiktivem Kriegsbericht in Georgien

Aktualisiert am 14.03.2010

Einmarsch der Russen und Tod des Präsidenten: Ein TV-Sender hat die Georgier in Angst und Schrecken versetzt.

TV-Bericht verurteilt: Demonstranten in Tiflis kritisieren die Regierung.

TV-Bericht verurteilt: Demonstranten in Tiflis kritisieren die Regierung.
Bild: Keystone

Ein Fernsehbericht über einen angeblichen neuen Einmarsch russischer Truppen in der Südkaukasusrepublik hat am Samstag Panik ausgelöst in Georgien. Der von Präsident Michail Saakaschwili kontrollierte Fernsehsender Imedi erklärte erst am Ende der Sendung, dass es keinen neuen Krieg gebe. Es sei nur eine mögliche Entwicklung gezeigt worden, hiess es. Gemäss dem fiktiven TV-Bericht wurde der georgische Präsident Opfer der einmarschierenden Russen.

Medien berichteten von chaotischen Zuständen unter der Bevölkerung mit Panikkäufen etwa von Benzin. Gross war die Aufregung in der Stadt Gori, die russische Truppen während des Krieges im August 2008 besetzt hatten.

Tod aus Schreck

Notdienste mussten Dauereinsätze fahren. Die Mutter eines georgischen Soldaten, die die Fernsehsendung gesehen hatte, sei an einem Herzinfarkt gestorben, teilte der Parlamentsabgeordnete Dmitri Lortkipanidse mit. Die russische Nachrichtenagentur Interfax hatte zunächst auf Grundlage der Imedi-Sendung vom angeblichen Kriegsbeginn berichtet, zugleich aber darauf hingewiesen, dass nur dieser Sender die Information verbreite.

Imedi gab mit Kriegsbildern vor, dass russische Truppen Georgien besetzt und Saakaschwili getötet hätten. Die georgische Opposition bildete dem Bericht zufolge nach dem Putsch eine neue Regierung. Alles ein Scherz, hiess es erst am Ende. In spontanen Strassenprotesten forderten Demonstranten in der georgischen Hauptstadt Tiflis eine Bestrafung der Verantwortlichen. Der Fernsehsender entschuldigte sich in einem Laufband bei den Zuschauern.

Vorwürfe von der Opposition

Auch Regierungsvertreter verurteilten den Vorfall. Ein Sprecher von Saakaschwili sagte dem Fernsehsender Imedi, der Beitrag hätte deutlicher als Simulation gekennzeichnet werden müssen und habe nicht journalistischen Standards entsprochen.

In dem gefälschten Bericht war zudem gemeldet worden, dass Oppositionsführerin Nino Burdschanadse zu einer Meuterei in der Armee aufgerufen habe. Die Opposition warf der Regierung vor, nationale Fernsehsender und den von einem Verbündeten Saakaschwilis betriebenen Sender Imedi zu missbrauchen, um ihre Kritiker in Misskredit zu bringen.

Russische Politiker warfen Saakaschwili vor, die Bürger in Angst versetzt zu haben. «Er ist ein schwer kranker und gefährlicher Mensch, er handelt wie ein Verbrecher», sagte der russische Nato Botschafter Dmitri Rogosin der Agentur Interfax.

Nach dem Südkaukasuskrieg 2008 hatte Georgien die Kontrolle über seine abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien verloren. Russland wirft Georgien vor, mit einer Aufrüstung und verlogener Staatspropaganda eine Rückeroberung der Gebiete vorzubereiten. (vin/sda)

Erstellt: 14.03.2010, 16:15 Uhr

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