Polnischer Luftwaffenchef soll Pilot unter Druck gesetzt haben
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In langwieriger Arbeit haben polnische und russische Experten die Bruchteile der verunglückten polnischen Regierungsmaschine Tupolew 154 auf einem Nebengelände des Smolensker Flughafens wieder zusammengesetzt. Das Flugzeug als solches ist gerade noch zu erkennen. Auch über die Umstände des Unglücks konnten weitere Informationsbruchstücke präsentiert werden. Sie lassen sich jedoch noch zu keinem vollständigen Bild zusammenfügen.
Die polnische Regierungsmaschine Tupolew 154 stürzte am 10. April bei dichtem Nebel in einem Waldstück vor der Landebahn von Smolensk ab. Alle Insassen – Präsident Lech Kaczynski, seine Frau und 94 weitere Personen – kamen dabei um. Fest steht nun, dass ein Anschlag, Feuer oder ein Fehler in der Technik des Flugzeugs ausgeschlossen werden können. So lautet das Ergebnis der polnisch-russischen Untersuchungskommission MAK. Es bleibt das menschliche Versagen. Wie es zu gewichten ist, darüber herrscht laut der Moskauer Zeitung «Kommersant» Uneinigkeit zwischen russischen und polnischen Ermittlern.
Etwa 20 Minuten vor dem Landeanflug hat die Blackbox Stimmen von zwei Passagieren im Cockpit aufgezeichnet. Nach russischen Angaben gehörte die eine dem Chef der Luftstreitkräfte, Andrzek Blasik. Er sprach kurz nach der Meldung des russischen Towers, der Nebel lasse eine Landung nicht zu. Er habe wohl Druck auf die Piloten ausgeübt, zu landen, so die Russen. Lech Kaczynski wollte mit seiner Delegation die Gedenkstätte bei Katyn besuchen, wo 1940 Tausende von polnischen Offizieren und Beamten durch den sowjetischen Geheimdienst ermordet worden waren. Eine Landung auf einem Ausweichflugplatz wie Minsk in Weissrussland hätte die Feier stark verzögert.
Panik im Cockpit
Ausserdem weist die Kommission auf einen Fehler des 36-jährigen Piloten Arkadiusz Protasiek hin. Er habe fatalerweise auf Autopilot geschaltet. Durch eine Senkung, die sich vor der Landebahn befindet, wurde dann falsch gemessen, das Flugzeug zu tief gehalten. Die Kommission untersuchte auch das Verhalten des Navigationsoffiziers. Dieser sei wegen der Fehlangaben des Autopiloten in Panik geraten und habe befürchtet, den Anfang der Landebahn zu verpassen. Darum habe der Pilot das Flugzeug noch mehr gesenkt, bis ein Flügel mit einer Birke kollidierte.
Die polnischen Experten ihrerseits kritisieren, dass der russische Tower während des Sinkflugs zu spät gewarnt habe. Dieser Meinung ist auch Artur Wosztyl, der polnische Pilot der ersten Regierungsmaschine, die mit Journalisten an Bord anderthalb Stunden zuvor in Smolensk gelandet war. Der Pilot, der sich in der «Gazeta Wyborcza» gestern erstmals äusserte, meint, die Smolensker Fluglotsen hätten die Landung explizit verbieten müssen, die Sichtweite habe nur 200 Meter betragen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.05.2010, 22:56 Uhr
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