«Richter wollen unsere kulturelle Identität ausradieren»

Aktualisiert am 03.11.2009

Kreuze sollen aus italienischen Klassenzimmern verschwinden, fordert der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Rom reagiert empört.

Für Unterrichtsministerin Maria Stella Gelmini ist das Kreuz Symbol der italienischen Tradition. Die Strassburger Richter waren jedoch der Ansicht, dass mit einem Kreuz an der Wand das Recht der Schüler auf Religionsfreiheit verletzt wird. Richter Nicola Lettieri, der Italien vor dem Strassburger Gericht verteidigt, kündigte nach Angaben italienischer Medien vom Dienstag an, dass Italien gegen den Entscheid vorgehen werde.

Das europäische Gericht gab mit seinem Entscheid einer Mutter Recht, die sich zuvor durch alle italienischen Instanzen geklagt hatte und stets gescheitert war. Italien muss der Klägerin nun 5000 Euro Entschädigung zahlen.

Das italienische Bildungsministerium reagierte empört und verbat sich die Verurteilung. «Das Kreuz in den italienischen Schulklassen ist ein Symbol unserer Tradition. Niemand, nicht einmal ein ideologisch beeinflusstes Gericht, wird uns unserer Traditionen berauben und unsere Identität auslöschen», sagte Unterrichtsministerin Gelmini.

Vatikan hat sich noch nicht geäussert

Der christdemokratische Politiker Rocco Buttiglione sprach von einem «skandalösen Urteil», das Italien entschieden ablehnen müsse. «Italien hat ein Recht auf seine Kultur, seine Tradition und seine Geschichte. Die Strassburger Richter wollen unsere kulturelle Identität ausradieren», so Buttiglione.

Der Vatikan will den Fall noch genauer anschauen: «Wir müssen das Urteil des Strassburger Gerichts überprüfen, bevor wir uns dazu äussern können», meinte Pressesprecher, Pater Federico Lombardi. Die EU-Abgeordnete Alessandra Mussolini meinte, Italien müsse einen Bezug auf seine katholischen Wurzeln in der Verfassung verankern.

Der Vorsitzende der altkommunistischen Partei «Rifondazione Comunista», Paolo Ferrero, begrüsste das Urteil aus Strassburg. «Ein laizistischer Staat muss alle Religionen respektieren und sich mit keiner identifizieren», erklärte Ferrero. (tan/sda)

Erstellt: 03.11.2009, 20:21 Uhr

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