Ausland

Rupert Murdoch zieht die Reissleine

Aktualisiert am 08.07.2011

Der Skandal um illegal abgehörte Telefonate hat die traditionsreiche britische Boulevardzeitung «News of the World» in den Abgrund gezogen. Nach 168 Jahren stellt Medienmogul Rupert Murdoch das Blatt ein.

Seine Zeitung «News of the World» soll Tausende Briten abgehört haben: Rupert Murdoch.

Seine Zeitung «News of the World» soll Tausende Briten abgehört haben: Rupert Murdoch.
Bild: Reuters

Verschrien, aber gern gelesen

Die Sonntagszeitung «News of the World» ist das Schwesterblatt der britischen Boulevardzeitung «The Sun» und gehörte bisher zu den meistgelesenen Blättern in Grossbritannien. Die Zeitung aus dem Murdoch-Imperium ist eines der aggressivsten Boulevardblätter im Land und hat sich auf Skandale um Prominente spezialisiert.

Das Blatt gehört zum Verlag News International, dem britischen Ableger von Rupert Murdochs News Corporation, in dem auch die «Times» und die «Sunday Times» erscheinen. Die als «Revolverblatt» verschriene Zeitung ist seit 168 Jahren am Markt. Online müssen Leser mittlerweile für das Blatt bezahlen.

Die Zeitung ist bekannt für mehr oder weniger wahre Spekulationen. Sie hat aber immer wieder auch exklusive Geschichten publik gemacht, darunter die vorübergehende Trennung von Prinz William und seiner damaligen Freundin Kate Middleton. Einst fiel Sophie Wessex, die Frau von Prinz Edward, auf einen als Scheich verkleideten Reporter der «News of the World» herein. Ihre abfälligen Äusserungen über Mitglieder der Königsfamilien lösten einen Skandal aus, den «Sophiegate»-Skandal.

Im Jahr 2000 sorgte das Blatt mit einer umstrittenen Kampagne gegen Kinderschänder für Aufsehen. «News of the World» hatte Fotos, Namen und Adressen von Tätern veröffentlicht, die nach Verbüssung ihrer Strafe wieder frei waren. Die Aktion wurde gestoppt. 2008 veröffentlichte das Blatt umstrittene Videos des damaligen Präsidenten des Internationalen Automobilverbands FIA, Max Mosley. Der Streit um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten ging bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. (sda)

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Die letzte Ausgabe britische Boulevardzeitung «News of the World» soll am Sonntag erscheinen. Das «wiederholte Fehlverhalten» von Missetätern sei in der Redaktion nicht angemessen verfolgt worden, erklärte das Unternehmen in London.

Mitarbeiter der Zeitung sollen Handys von Entführungsopfern sowie Angehörige der Opfer der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn 2005 abgehört haben. Auch Hinterbliebene von im Einsatz getöteten britischen Soldaten sollen bespitzelt worden sein.

Bis zu 4000 Opfer

Die britische Polizei teilte am Donnerstag mit, möglicherweise seien 4000 Menschen von der Abhöraffäre betroffen. Rund 11'000 Seiten Beweismaterial müssten geprüft werden.

Sollten die Vorwürfe wahr sein, hätten sich die Journalisten «unmenschlich» verhalten, erklärte der Präsident des britischen Ablegers von Murdochs Mediengruppe News Corp, James Murdoch. «Zum Geschäft der News of the World gehört, andere zur Rechenschaft zu ziehen. Aber als es um sie selbst ging, ist sie gescheitert», erklärte der Sohn von Rupert Murdoch.

«Missetäter haben eine gute Redaktion schlecht gemacht», sagte Murdoch. Die Einnahmen aus der letzten Ausgabe am Sonntag sollen demnach wohltätigen Zwecken zu Gute kommen.

Skandal noch nicht zu Ende

Politiker und Medienexperten betonten am Donnerstag, dies sei noch lange nicht das Ende des Skandals. «Es ist ein grosser Schritt aber ich glaube nicht, dass die wahren Probleme gelöst sind», sagte Ed Miliband, Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei. Premierminister David Cameron betonte, er werde weiter dafür kämpfen, das es eine öffentliche Untersuchung der Vorwürfe gebe.

Wegen seiner engen Beziehungen zu den Murdoch-Medien gerät Cameron zunehmend in die Kritik. Oppositionsführer David Miliband forderte Cameron auf, sich von der Medienmanagerin Rebekah Brooks, die zur Zeit der Abhöraktionen Chefredakteurin bei «News of the World» war, und anderen Verantwortlichen des Konzerns zu distanzieren.

Sturm der Entrüstung

Die Affäre beschäftigt Grossbritannien seit Jahren. Im Jahr 2007 waren bereits ein Journalist und ein Privatermittler der Zeitung dafür verurteilt worden, die Telefone von Prominenten und Mitgliedern des Königshauses angezapft zu haben.

Die neuen Vorwürfe in den vergangenen Tagen hatten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Zahlreiche grosse Anzeigenkunden wie die Supermarktkette Sainsbury's, das Mobilfunkunternehmen O2 oder der Autokonzern Ford kündigten der «News of the World» die Zusammenarbeit auf.

Übernahme von BSkyB gefährdet

Der Skandal gefährdet auch die Übernahme des Satellitensenders BSkyB durch Murdochs Medienimperium. Wie die «Financial Times» berichtete, könnte die Regierung in London eine Entscheidung darüber auf September verschieben.

Kritiker hatten zuvor vor den Gefahren einer Übernahme gewarnt, mit der Murdoch seine Medienmacht weiter verstärken würde. Sein Konzern kontrolliert bereits mehr als ein Drittel der britischen Informationspresse. (pbe/sda)

Erstellt: 08.07.2011, 00:00 Uhr

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