«Drohung Israels gegen Hizbollah und Iran»

Eine russische Radarstation registrierte Raketen im Mittelmeer. Israel und USA dementierten zunächst. Dann räumte Israel den Raketentest ein. Strategie-Experte Albert A. Stahel spricht von einer Eskalation im Syrien-Konflikt.


Größere Kartenansicht">Israel bestätigt: Eine Rakete wurde von einem Luftwaffenstützpunkt in Zentralisrael abgefeuert.

Israel bestätigt: Eine Rakete wurde von einem Luftwaffenstützpunkt in Zentralisrael abgefeuert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein von Russland heute Morgen gemeldeter Raketenstart im Mittelmeer war Teil einer Übung Israels und der USA. Wie das israelische Verteidigungsministerium inzwischen erklärte, wurde im Mittelmeer «erfolgreich» eine radargesteuerte Rakete vom Typ «Ankor» abgefeuert. Gelenkt wurde der Test demnach von einer Militärbasis im Zentrum Israels aus. In der Mitteilung war nur von einer Rakete die Rede.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor über den Start von zwei ballistischen Raketen im Mittelmeer berichtet. Ein russischer Militärvertreter sagte später, sie könnten von einem US-Schiff zur Wetteraufklärung abgefeuert worden sein. Die Raketen fielen offenbar ins Meer.

Warnung des israelischen Premiers Netanyahu

Israel teilte mit, das getestete Waffensystem habe sein «Ziel geortet und getroffen». Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu warnte nach dem Raketenversuch erneut vor Angriffen auf Israel. «Ich sage jedem, der uns weh tun möchte – das ist nicht empfehlenswert.» Israel werde hart zurückzuschlagen, betonte Netanyahu.

«Das ist eine Drohung Israels gegen die Hizbollah und den Iran», sagt Strategie-Experte Albert A. Stahel auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Und dies bedeute eine Eskalation im Syrien-Konflikt. Falls die Amerikaner den angekündigten Militärschlag gegen das Regime von Bashar al-Assad tatsächlich ausführen, besteht die Gefahr, dass die mit dem syrischen Regime verbündeten Schiiten-Miliz Hizbollah im Südlibanon sowie der Iran in den Krieg eingreifen, indem sie Israel unter Beschuss nehmen.

Israel und die USA dementierten zuerst

Die Situation um den heutigen Raketentest Israels war zunächst verwirrend. Denn laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Sprecher des israelischen Militärs, dieses habe keine Kenntnis von einem Raketenabschuss. Gleichzeitig liessen die Amerikaner verlauten, dass sie weder mit Flugzeugen noch mit Schiffen irgendwelche Raketen im Mittelmeer abgefeuert hätten, wie der TV-Sender CBS berichtete.

Der Raketenabschuss in Israel war gemäss Medienberichten durch das russische Frühwarnsystem in Armawir im Süden Russlands registriert worden. Russlands Verteidigungsminister Sergei Schoigu habe Präsident Wladimir Putin über den Vorfall informiert. Die Agentur Itar-Tass zitierte einen Nato-Sprecher mit den Worten, das Verteidigungsbündnis prüfe die Informationen über den Raketenversuch. Gemäss Medienberichten testete das israelische Militär auch das «Arrow»-Abwehrsystem. Dieses dient zum Abfangen von Kurz- und Mittelstreckenraketen.

Unruhe an den Finanzmärkten

Die Meldungen über einen Raketenabschuss im Mittelmeer haben heute Vormittag die Anleger erschreckt. In Frankfurt rutschte der deutsche Aktienindex Dax um 0,6 Prozent auf 8190 Punkte ab, der europäische Sammelindex Eurostoxx 50 gab um 0,7 Prozent nach. Auch der SMI rutschte kurzzeitig ins Minus.

Am Rohstoffmarkt zog der Ölpreis an, die europäische Sorte Brent kostete gut 115 Dollar und war damit 0,6 Prozent teurer als im späten Vortagesgeschäft. Das in unsicheren Zeiten gern als sicherer Hafen angelaufene Gold verteuerte sich ebenfalls und nahm wieder Kurs auf 1400 Dollar je Feinunze.

Am Morgen war noch unklar, ob die Raketenstarts im Zusammenhang mit dem Syrien-Konflikt stehen. «Das reicht, um die Märkte zu erschrecken», sagte dazu ein Händler. «Wenn der Konflikt eskaliert, kann man davon ausgehen, dass Anleger in Scharen aus als riskant empfundenen Anlagen aussteigen», sagte Analystin Brenda Kelly von IG.

US-Marschflugkörper ohne ballistische Flugbahn

Die USA und andere Staaten diskutieren über einen Militärschlag gegen Ziele in Syrien als Reaktion auf mutmassliche Giftgasangriffe der Regierung von Präsident Bashar al-Assad. Im Mittelmeer befinden sich unter anderem fünf amerikanische Zerstörer. Diese haben Marschflugkörper an Bord, die jedoch keine ballistische Flugbahn haben.

Experten sehen einen US-Raketenangriff als wahrscheinlich, sollte Präsident Barack Obama eine Strafaktion anordnen. Nach seinem Willen soll der Kongress in Washington über einen Einsatz entscheiden. (mw/vin/AFP/sda)

(Erstellt: 03.09.2013, 11:17 Uhr)

«Das ist eine Eskalation»: Strategie-Experte Albert A. Stahel.

Artikel zum Thema

Nato wählt die Zuschauerrolle

Hintergrund Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen plädiert für eine Strafaktion gegen Syrien und warnt das Assad-Regime vor einem Angriff auf die Türkei. Für das Bündnis sieht er aber keinen Handlungsbedarf. Mehr...

«Hollande hat Frankreich clever ins Spiel gebracht»

Interview Ist Frankreich letzter Verbündeter der USA bei einem Schlag gegen Syrien? Oder steht die Grande Nation doch plötzlich alleine da? Frankreich-Experte Stefan Seidendorf über die knifflige Situation von Präsident Hollande. Mehr...

«Dies kommt mehr und mehr einem Exodus gleich»

Ganze Familien flüchten aus Syrien: Auf Sizilien ist ein Schiff mit 175 Flüchtlingen gelandet. Bei der Ankunft im Hafen von Syrakus spielte sich eine bewegende Szene ab. Mehr...

Bildstrecke

Irsaelis rüsten sich für einen Krieg in Syrien

Irsaelis rüsten sich für einen Krieg in Syrien Die Sorge in Israel wächst, im Falle eines Militärschlages gegen das Assad-Regime selber zum Ziel syrischer Raketen zu werden.

Bildstrecke

Nach dem Giftgaseinsatz in Syrien

Nach dem Giftgaseinsatz in Syrien Die USA und Russland haben sich auf einen Plan zur Sicherung und Zerstörung syrischer Chemiewaffen geeinigt. Doch der Druck auf Damaskus bleibt hoch.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Werbung

Blogs

Sweet Home 10 Ideen für Weihnachtsbäume

Welttheater Unser Heimweh-Ausländer in Peking

Weiterbildung

Trainieren oder verlieren

Mit Gedächtnistrainings die Lernfähigkeit verbessern.

Die Welt in Bildern

Hart im Nehmen: Ein Schwimmer im chinesischen Shenyang nutzt eine aufgebrochene Stelle in einem zugefrorenen See, um ein paar Längen zu absolvieren. (9. Dezember 2016)
(Bild: Sheng Li) Mehr...