Schweizer Soldaten an die kosovarische Grenze beordert
Dringlichkeitssitzung in Belgrad
Nach der Eskalation der Lage an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo hat der serbische Ministerpräsident Vertreter der internationalen Gemeinschaft im Kosovo und albanische Behörden scharf kritisiert. Ziel sei es gewesen, «Serbien zu provozieren», sagte Mirko Cvetkovic bei einer Dringlichkeitssitzung des Parlaments. Nach einem Streit um die gegenseitige Anerkennung von Zollstempeln hatte sich die Lage in den vergangenen Tagen gefährlich aufgeschaukelt. Am Mittwoch hatten 200 aufgebrachte Serben einen Grenzposten in Brand gesetzt. Am Dienstag war ein kosovarischer Polizist bei gewalttätigen Auseinandersetzungen ums Leben gekommen. (dapd)
Bereit für den Einsatz: Schweizer Swisscoy-Soldaten. (Bild: Keystone )
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15 Soldaten seien heute im Kfor-Lager Novo Selo im Norden eingetroffen, sagte Swisscoy-Sprecher François Furer der Nachrichtenagentur sda. Dort warteten sie auf grünes Licht. Wann der Räumeinsatz beginnen soll, war noch unklar. Es gehe um Blockaden in den Orten Zubin Potok und Rudare.
Im nördlich von Mitrovica gelegenen Rudare hatte sich gestern die Lage derart zugespitzt, dass die Kfor ihre Soldaten wieder abzog. Sie standen etwa 2000 aufgebrachten Menschen gegenüber. Um Zusammenstösse zu vermeiden, befahl der Chef der Kosovo-Schutztruppe Kfor, Erhard Bühler, den Rückzug. Allerdings stellte die Kfor ein Ultimatum zur Räumung der Blockaden bis um 16 Uhr. Bühler drohte gemäss Agenturen, notfalls würden die Blockaden gewaltsam geräumt.
Heikle Räumung
Die Kfor fordere die Schweizer Pioniere oft für Spezialaufgaben an, sagte der Swisscoy-Sprecher. Die Pioniere - viele davon sind im Zivilleben Baggerfahrer - kämen zum Einsatz, wenn besonders schwere Materialien geräumt werden müssten oder wenn Zentimeterarbeit gefragt sei.
Bei ihrer jetzigen Aufgabe würden sie von anderen Soldaten der internationalen Truppe beschützt. Auch würden vor einer Räumung Minenspezialisten die Blockaden auf Sprengsätze untersuchen.
Schweres Gerät
Die Schweizer führen gemäss Furer neben einem Piranha-Panzer und einem gepanzerten Mannschaftswagen schweres Gerät mit sich: einen Schaufelbagger, einen Kipplader sowie einen LKW mit einem Kran für eine Last von 40 Tonnen. Zum Einsatz kämen auch Kettensägen und Schaufeln.
Die Blockaden seien «massiv». Die Kosovo-Serben hätten tonnenweise Kies und Baumstämme herbeigeschafft. Auch Fahrzeuge versperrten die Strassen, sagte der Sprecher. Bereits 2001 hatten Schweizer Pioniere im Kosovo eine schwierige Aufgabe: Damals hoben Freiwillige Massengräber mit Opfern des Krieges (1998/99) aus.
Nachttaugliche Helikopter
Gefordert sind derzeit auch die Besatzungen der beiden Schweizer Super Puma Helikopter. Einzig die Schweizer hätten noch nachttaugliche Helikopter bei der KFOR im Einsatz, begründete Furer dies. In den vergangenen Tagen noch wichtiger geworden sei zudem die Aufgabe der 16 Schweizer, die in zwei Teams seit längerem unter der Bevölkerung des Nordens Informationen beschaffen.
Insgesamt sind 21 Schweizer Soldaten dauerhaft im Nordkosovo. Angesprochen auf ihr Risiko sagte Furer: «Dieses ist nicht grösser als zu Beginn der Mission im Jahr 1999 oder bei den Ausschreitungen 2004.» Zudem seien die Soldaten für solche Situationen ausgebildet. Für das Gros der 216 SWISSCOY-Soldaten und Soldatinnen im Südkosovo habe sich «der Alltag nicht geändert». (jak/sda)
Erstellt: 30.07.2011, 15:49 Uhr
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