Scientology darf in Frankreich weitermachen

Die Sekte wird in Frankreich nicht verboten. Allerdings muss sie wegen Betrugs eine Busse zahlen. Vier Mitglieder wurden zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Angeklagter Scientology-Gründer in Frankreich: Alain Rosenberg.

Angeklagter Scientology-Gründer in Frankreich: Alain Rosenberg.
Bild: Reuters

Die «Eglise de Scientologie-Celebrity Center» muss 400'000 Euro zahlen, die Scientology-Bibliothek SEL 200'000 Euro. Ausserdem wurden vier angeklagte Führungsmitglieder zu Bewährungsstrafen von zehn Monaten bis zwei Jahren verurteilt. Gegen zwei weitere Angeklagte wurden Geldstrafen von 1000 und 2000 Euro verhängt.

In dem Verfahren ging es um «Betrug in einer organisierten Bande». Der Staatsanwalt hatte am 15. Juni die Auflösung beider Organisationen sowie Geldstrafen von zwei Millionen Euro verlangt. Das Gericht verzichtete am Dienstag jedoch auf ein Verbot und erklärte, damit würde das Risiko entstehen, dass Scientology seine Aktivitäten «ausserhalb jedes gesetzlichen Rahmens» fortsetze.

«Reihe betrügerischer Manöver»

Die Scientology-Organisation steht in Frankreich seit Ende Mai wegen «organisierten gemeinschaftlichen Betruges» vor Gericht, nachdem vier ehemalige Mitglieder sie angezeigt hatten. Die Staatsanwaltschaft hatte im Frühling die Auflösung der umstrittenen Organisation gefordert. Die Gesellschaft habe mit «einer ganzen Reihe betrügerischer Manöver» neue Mitglieder angeworben und finanziell ausgenommen, erklärte die Anklagebehörde damals in Paris.

Deshalb müssten die Organisation und ihre Buchhandlung jeweils zwei Millionen Euro Strafe zahlen, forderte die Staatsanwaltschaft. Für den Gründer von Scientology in Frankreich, Alain Rosenberg, verlangte die Behörde vier Jahre Gefängnis auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von 150'000 Euro.

«Ketzerprozess»

«Das ganze Verfahren war schon von Beginn weg ein Ketzerprozess und eine moderne Inquisition. Das Urteil wird weitergezogen, wenn nötig bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Die Geschichte hat gezeigt, dass derartige Urteile zuletzt doch für Scientology ausgehen", kommentiert der Schweizer Scientology-Sprecher Jürg Stettler .»

(cpm)

Erstellt: 27.10.2009, 12:46 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

6 Kommentare

Gerhard Engler

28.10.2009, 16:44 Uhr
Melden

@ Tschäppeler: Da bin ich anderer Meinung. Wir würden uns nicht in einer Psychodiktatur wiederfinden. Die meisten Leute sind intelligent genug und lassen sich von solchen Sekten nicht beeinflussen. Da habe ich wesentlich mehr Vertrauen in die Staatsbürger als Sie. Antworten


Roland Tschäppeler

27.10.2009, 14:52 Uhr
Melden

Es ist richtig, dass der Staat aktiv wird.. Scientology, eine verfassungsfeindliche Bestrebung mit kriminogenen Elementen, muss das Handwerk gelegt werden. Würden wir solche Organisationen gewähren, wäre dies das Ende unserer freiheitlichen Demokratie. Wir würden uns alsbald in einer Psychodiktatur wiederfinden. Handlungsspielraum einschränken (z.B. Werbung auf öffentlichem Grund verbieten) etc. Antworten


Lorenz Preisser

27.10.2009, 13:59 Uhr
Melden

Natürlich soll der Staat und dessen Justizbehörden die Bürger in gewissem Masse vor deren eigenen Dummheit schützen. Es gibt aber eben immer noch eine Dummheit die das normale Mass bei weitem übersteigt. Scientology nutzt lediglich das wirtschaftliche Potenzial das in dieser Menschenschwäche steckt. Andere "Wirtschaftszweige" tun dies ja auch. Antworten


Jan Nordman

27.10.2009, 13:23 Uhr
Melden

Ich gehöre nicht zu der Gruppe und kenne auch nicht genau ihre Wege und Ziele, aber als Bürger eines demokratischen Land finde ich ein Verbot einer Gruppe, Kirche oder Verein undemokratisch. Wir sollten uns nicht immer von den Bilder der Medien hinreissen lassen. Antworten


Peter Bitterli

27.10.2009, 13:05 Uhr
Melden

Die christlichen Kirchen sind ja wohl ungleich mächtiger und intoleranter. Antworten


Peter Moser

27.10.2009, 11:44 Uhr
Melden

Im Mittelalter wären diese Scientologen nun wohl im Feuer verbrannt worden. Wenn man den Hintergrund der Geschichte kennt, dann kann man nur von einer Hexenjagd sprechen. Und wo bleiben die Kommentare der Scientology Kirche zum Fall? Es ist ja wohl sicher, dass der Fall weitergezogen wird! Antworten



Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Lokale Suche

Marktplatz

Meistgelesen in der Rubrik Ausland

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Frühlingsdeko
homegate Lassen Sie jetzt schon den Frühling ins Haus. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

ICT System Spezialist (m/w) planova human capital ag, Bern

ICT System Techniker (m/w) planova human capital ag, Biel

Teamleiter Support (m/w) planova human capital ag, Bern

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz