«So blöd sind wir»
Aktualisiert am 14.02.2012 16 Kommentare
Neuer Leitungskorridor in der Schweiz
Zwischen Airolo und Lavorgo TI ist eine rund 22 Kilometer lange 380 kV-Hochspannungsleitung geplant. Das Bundesamt für Energie (BFE) legt den Planungskorridor ab dem 20. Februar öffentlich auf, wie es am Dienstag mitteilte. Die geplante 380 kV-Leitung des Stromkonzerns Alpiq ist Teil der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen dem Genfersee und dem Tessin durch das Wallis mit Verbindungen nach Graubünden und nach Italien.
Der Bundesrat hat das Leitungsstück zwischen Airolo und Lavorgo deshalb 2009 im Sachplan Übertragungsleitungen (SÜL) als Teil des strategischen nationalen Übertragungsnetzes festgesetzt. Die heute bestehende 220 kV-Leitung auf der linken Talseite, im Bereich der «strada alta», soll abgebrochen und auf der touristisch weniger bedeutenden rechten Talflanke neu als 380 kV-Leitung erstellt werden. Sie soll ausserdem eine Leitung der SBB mitführen, die für den Betrieb des Gotthard-Basistunnels benötigt wird.
Widerstand im Wallis
Umstritten ist die geplante Hochspannungsleitung im französischsprachigen Mittelwallis umstritten. Der Widerstand konzentriert sich auf den 28 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen Chamoson und Chippis. Die Gegner verlangen, dass die Leitung unterirdisch verläuft. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dazu wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Durch mögliche Rekurse oder eine Volksabstimmung könnte ein definitiver Entscheid sogar erst 2014 gefällt werden. (sda)
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EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat ein «planloses Vorgehen» der 27 EU-Staaten im Energiebereich kritisiert. Beim heutigen EU-Energieministerrat in Brüssel beklagte Oettinger das nationale Denken und das Tempo, das so verloren gehe.
Mit «27 oder bald 28 parallelen Plänen in den altbekannten Fürstentümern werden wir nicht erfolgreich sein», erklärte Oettinger weiter. Der deutsche EU-Kommissar brandmarkte besonders das Vorgehen bei den Windparks in der Nordsee, «da gibt es noch kein Seekabel».
Niemand wäre «so blöd, dass in einem Industriegebiet ein Schlachthof gebaut wird, wenn es dort nicht Kühlanlagen und eine Industriestrasse gibt. Aber so blöd sind wir in der Energiepolitik», empörte sich der Kommissar während der Diskussion der Energieminister zum Ausbau der Energieinfrastruktur.
USA und China als Vorbilder
Er sei «schon etwas ernüchtert, wie schwer wir vorankommen». Mit verschiedenen Parallelstrukturen «verlieren wir gegenüber den USA und China an Geschwindigkeit». Noch immer hätten zahlreiche Länder nur einen Lieferanten für Gas, «weil es keine zweite Leitung gibt».
Er wolle China nicht als Vorbild hinstellen, doch seien Vergleiche angebracht. Im Nordwesten des Reichs der Mitte würden 35 Kohlekraftwerke und 25 Atomkraftwerke gebaut. Das alles passiere in fünf Jahren, und «da gibt es keinen Kompetenzstreit». Dagegen gebe es in der EU bald mehr Netzeigentümer als Stromverbraucher, ärgerte sich Oettinger.
«Dann geht Europa echt unter»
«Wir können Öl perfekt transportieren, auch Kohle, wir können Uranium perfekt transportieren, auch Biomasse. Aber bei Gas und Strom funktioniert das nur eingeschränkt.» Der Ausbau der Energieinfrastruktur sei aber unbedingt notwendig. «Ohne Übertragung gibt es keine Solidarität im Krisenfall», sagte Oettinger.
Und der Energiekommissar setzte noch einen drauf: «Wenn wir so arbeiten, geht Europa echt unter. Dann brauchen wir nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn aus der Eurokrise eine Energiekrise wird, das geschieht uns recht.»
Bessere Infrastruktur – mehr Effizienz
Bei den Leitlinien für die transeuropäische Energieinfrastruktur geht es unter anderem um die sogenannten Stromautobahnen. Zwar sind 12 prioritäre Energiekorridore festgelegt, wovon mindestens zwei teils auch durch die Schweiz führen sollen. Am Dienstag wurden zur Priorisierung einzelner Projekte oder Korridore keine Entschlüsse gefasst.
Thema war am Dienstag auch die EU-Richtlinie (Gesetz) für Energieeffizienz. Ziel der Richtlinie ist es, Verfahren beschleunigt genehmigen zu lassen. Inhaltlich geht es auch darum, bis 2020 die Energieeffizienz um 20 Prozent zu steigern. Das soll durch weniger Energieverbrauch, aber auch durch weniger Energieverlust erreicht werden. (rub/sda)
Erstellt: 14.02.2012, 16:05 Uhr
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