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Spuren der Roma-Mörder führen in rechtsextreme Szene

In Ungarn und Tschechien steht die Polizei vor der Aufklärung von Mord- und Brandanschlägen mit rassistischem Hintergrund.

Vor genau einer Woche verhaftete die ungarische Polizei vier Männer, die einer Mordserie an Roma beschuldigt werden. Nun gingen die Ermittler erstmals mit Beweisstücken an die Öffentlichkeit: In den Wohnungen der Männer wurden sechs Gewehre mit Munition sowie kleinkalibrige Waffen gefunden. Diese seien vom gleichen Typ wie jene, die bei den Anschlägen verwendet wurden, erklärte der Chef des ungarischen Bundesermittlungsbüros, Attila Petöfi, der Nachrichtenagentur MIT. Die Polizei gehe von einem rassistischen Motiv aus, den endgültigen Beweis dafür könne aber nur ein Geständnis der Beschuldigten bringen, sagte Petöfi.

Sicherheitskräfte verdächtigt

Die Ermittlungen der ungarischen Polizei betreffen neun Anschläge gegen Roma, bei denen 6 Menschen getötet und 55 verletzt wurden. Zuletzt war Anfang August in Nordostungarn eine 45-jährige Mutter erschossen und ihre 13-jährige Tochter schwer verletzt worden. Die vergangenen Freitag in einer Bar im ostungarischen Debrecen verhafteten Männer sind zwischen 28 und 42 Jahre alt, stammen aus der Region und gehören nicht zur Roma-Minderheit. Einer von ihnen war Zeitsoldat bei der ungarischen Armee und unter anderem im Auslandseinsatz in Kosovo. Der junge Mann hatte auch engen Kontakt zu seinem Schwager, der bei der ungarischen Polizei arbeitet.

Ungarische Medien fragen deshalb, ob es vielleicht Mitwisser bei den Sicherheitskräften gab und die Ermittlungen deshalb trotz einer ausgesetzten Prämie von 560'000 Franken so lange erfolglos blieben. Auch erschienen Berichte über Aktivitäten der Verdächtigen in der ungarischen Neonazi-Szene. Sie wurden von der Polizei aber nicht bestätigt.

Von den Verhafteten sollen zwei die Morde ausgeführt haben, ihre DNA-Spuren wurden an den Tatorten gefunden. Die beiden anderen sollen bei einzelnen Angriffen geholfen haben. Laut Polizei wurden für die Mordanschläge stets kleine Orte unweit von Schnellstrassen oder Autobahnen ausgewählt. Die Opfer waren immer Roma.

Als «Fehde unter Roma» bezeichnet

Im Dorf Tatarszentgyörgy wurde ein Haus angezündet und die aus den Flammen flüchtende Familie beschossen. Dabei starben der Vater und sein fünfjähriger Sohn. Auch ein Brandanschlag in der Gemeinde Tarnabod vergangenes Jahr wird jetzt den Verhafteten angelastet. Ungarische nationalistische Kreise hatten den Anschlag stets als «Fehde unter Roma» bezeichnet, und die Polizei hatte drei Roma-Jugendliche als mutmassliche Täter verhaftet. Sie wurden jedoch jetzt freigelassen und wollen den Staat auf Schadenersatz verklagen.

Auch in Tschechien nahm die Polizei vier Männer fest, die im April Molotow-Cocktails in ein von Roma bewohntes Haus geworfen haben sollen. Beim Brandanschlag wurden drei Menschen schwer verletzt. Die Verdächtigen gehören der tschechischen Neonazi-Szene an, in ihren Wohnungen fand die Polizei Propagandamaterial der rechtsextremen «Autonomen Nationalisten». Als Reaktion auf die Verhaftungen erschienen auf einer rechtsextremen Website Drohungen gegen Innenminister Martin Pecina, die von der Polizei sehr ernst genommen werden.

Anschlag auf slowakische Botschaft

In Ungarn richtet sich die Aggression der Nationalisten hingegen zurzeit vor allem gegen die slowakischen Nachbarn: In der Nacht auf Donnerstag wurden Molotow-Cocktails gegen die slowakische Botschaft in Budapest geworfen. Die Brandsätze konnten keinen Schaden anrichten. Die Slowakei hatte vor einer Woche dem ungarischen Präsidenten Laszlo Solyom die Einreise und die Teilnahme an einer Denkmalenthüllung in der Grenzstadt Komarno verweigert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2009, 23:27 Uhr

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1 Kommentar

dani kay

28.08.2009, 12:45 Uhr
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Ist Zeit, dass die Naziszene intensiver überwacht wird und Massnahmen gegen diese Form von physischer Gewalt und Drohung unternommen wird. Ich finde es toll, dass sich die Slowakei gegen die nationalsozialistischen Tendenzen in Ungarn stellt und die Courage hat auch ein Staatsoberhaupt die Einreise zu verweigern. Bravo Antworten



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