Ausland

Steinbrück ist zurück

Von Judith Wittwer. Aktualisiert am 14.09.2010 5 Kommentare

Peer Steinbrück? Der deutsche Ex-Finanzminister und Bankgeheimnis-Kritiker hat sein Krisentagebuch veröffentlicht. Darin zeigt sich: Es gab auch heitere Momente.

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Eines von mehreren Rencontres mit der Schweiz: Der damalige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und Deutschlands damaliger Finanzminister Peer Steinbrück trafen sich im Juni 2009 in Berlin.
Bild: Keystone

   

Zwei Jahre ist es her, seit die Finanzkrise ihrem Höhepunkt zustrebte – und Peer Steinbrück zur Höchstform auflief. Überall bebten die Banken. Doch Deutschlands damaliger Finanzminister behielt die Ruhe und den Überblick. Entschlossen band er die Banker zurück. Engagiert garantierten er und Kanzlerin Angela Merkel den Deutschen ihre Sparguthaben und verhinderten so eine Massenpanik.

Steinbrück erkannte in der Krise die Chance. So nutzte er die Schwäche der Geldhäuser auch aus, um einen Angriff auf das Bankgeheimnis zu eröffnen: Der Norddeutsche drohte den Schweizern mit der Peitsche, um sie später mit Indianern zu vergleichen, die vor der Finanzkavallerie kuschen. Seine ungezügelte Wildwest-Rhetorik machte ihn zeitweise zum Lieblingsfeind der Schweizer. Seine Kampfansage warf Schatten auf das Verhältnis der beiden Nachbarländer. Bremsen konnte das den Rauflustigen freilich nicht.

Niemand lobt ihn mehr

Erst die Niederlage seiner SPD bei den Bundestagswahlen 2009 stoppte Steinbrück. Plötzlich ist der Mann der Exekutive in Berlin ein einfacher Parlamentsabgeordneter. Deutschland hängt nicht mehr an seinen Lippen. Niemand lobt den 63-jährigen Spitzenpolitiker mehr für sein erfolgreiches Krisenmanagement. Was macht ein Peer Steinbrück da? Er schreibt ein Buch.

Offenbar spiele er mit seiner Frau Gertrud, einer Lehrerin, zu Hause in Nordrhein-Westfalen heute zwar gerne Scrabble und verliere dabei meist, weiss die «Frankfurter Allgemeine». Dass er auch das Schachbrett liebt und einmal 37 Züge gegen Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik zu bestehen vermochte, ist bekannt.

Räumt Fehler ein

Das Spiel der Finanzmärkte lässt den Ökonomen aber offensichtlich auch nicht los – und so erscheint am Donnerstag nun sein Krisentagebuch «Unterm Strich». Steinbrück zieht darin Bilanz über seine Zeit als Finanzminister. Er rechnet ab.

Wer in seinem Rückblick wie wegkommt – darüber schweigt sich Steinbrück noch weitgehend aus. In einem Vorabdruck des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» zeigt er sich aber schon einmal überraschend selbstkritisch, räumt etwa im Umgang mit den Landesbanken Fehler ein.

Es war auch lustig

Und Steinbrück beschreibt, dass es selbst in der Krise heitere Momente gab, etwa als seine französische Amtskollegin Christine Lagarde ihm in einer der vielen internationalen Sitzungen einen Zettel zusteckte, auf dem stand: «Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus: Im Kommunismus werden die Banken erst verstaatlicht, und dann gehen sie bankrott. Im Kapitalismus gehen die Banken bankrott, und dann werden sie verstaatlicht. Treffen Sie Ihre Wahl.»

In zahlreichen Lesungen und TV-Auftritten wird Steinbrück in den nächsten Wochen nun Zeit haben, seine Wahl zu erläutern. Er wird mit trockenem Humor wieder fesselnd reden, pointiert argumentieren, und zwischendurch wird wohl auch sein einzigartiges Haifischlachen ertönen.

«Uneingeschränktes Misstrauen»

Dass sein Buch so grosse Schlagzeilen machen wird wie jenes von Ex-Bundesbanker und Parteikollege Thilo Sarrazin zur Integration von Ausländern, ist dennoch zu bezweifeln. Zur SPD hat aber auch Steinbrück ein zwiespältiges Verhältnis. Nicht wenige Deutsche finden, dass der Parteirechte eher in die CDU gehöre.

In der SPD genoss Steinbrück jahrelang das «uneingeschränkte Misstrauen der Linken», wie es ein Genosse einst formulierte. Daran dürfte auch dieses Buch nichts ändern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2010, 12:48 Uhr

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5 Kommentare

Andi Maier

14.09.2010, 14:02 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Endlich mal ein Politiker, der die Wahrheit gesagt hat !!! Antworten


leo schale

14.09.2010, 14:06 Uhr
Melden 1 Empfehlung

"Stoni" zurück - u. zwar mit einer eigenen/neuen Partei! Am besten: "Stoni" for Präsi! «Er wird mit trockenem Humor wieder fesselnd reden,pointiert argumentieren,u.zwischendurch wird wohl auch sein einzigartiges Haifischlachen ertönen.»Richtig,sein Kompetenz,sein Witz,sein norddeutscher Trocken-Humor u. seine klaren Ansagen sind noch heute populär,bzw. sind genau das,was heute fehlt in der Politik Antworten




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