Studentenproteste überrollen Europa

In Deutschland protestieren Tag für Tag mehr Studierende gegen Missstände im Bildungssystem – wie schon seit Wochen in Österreich. Schon über 50 Universitäten sind besetzt. Auch in der Schweiz regt sich Widerstand.

Seit bald drei Wochen besetzt: Audimax der Uni Wien.

Seit bald drei Wochen besetzt: Audimax der Uni Wien.

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In 22 deutschen Städten wurden inzwischen Hörsäle und Räume von Hochschulen besetzt. Die Studierenden begründen ihre Proteste mit überlasteten Studiengängen, sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem, der chronischer Unterfinanzierung der Unis sowie Mängeln bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse. Zum Teil wurden die Örtlichkeiten schon wieder geräumt.

An der Humboldt-Universität in Berlin besetzten am Mittwochabend rund 800 Studierende den Hörsaal Audimax. Die Leitung der Hochschule engagierte einen Wachdienst, der bis Mitternacht den Zutritt zum Hauptgebäude unterband. Auch die Polizei war vor Ort, griff aber nach Angaben eines Sprechers nicht ein. An der Berliner Freien Universität (FU) halten Studierende den grössten Hörsaal seit Mittwoch besetzt.

Einsatz von Polizeikräften in München

In München hielten rund 250 Studierende am Mittwochabend den Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität besetzt, der grössten Universität in Bayern. In Würzburg harrten rund 50 Studierende über Nacht im Audimax der Julius-Maximilians-Universität aus. Dagegen räumten in Tübingen rund 200 Studenten am frühen Donnerstagmorgen den grössten Hörsaal der Universität. Um Mitternacht war ein entsprechendes Ultimatum der Universitätsleitung abgelaufen. Als die Studierenden am Morgen den Saal immer noch besetzten, wurde die Polizei hinzugezogen. Die Studierenden verliessen das Gebäude schliesslich freiwillig.

Koordination mit Studierenden in ganz Europa

Die Aula der Universität Basel bleibt auch am Donnerstag besetzt. Dies hat am Mittwochabend eine Versammlung, bestehend aus Studierenden, Lehrern verschiedener Fakultäten und Sympathisanten, entschieden.

Man sei bestrebt, den Kontakt mit anderen europäischen Universitäten zu intensivieren und sich auf internationaler Ebene auszutauschen, hiess es in einer Mitteilung, die in der Nacht auf Donnerstag von den Besetzern veröffentlicht wurde. Die Versammlung bildete zudem rund 20 Arbeitsgruppen, welche die Diskussionen in den nächsten Tagen vertiefen sollen. Diese Gruppen wollen sich auch um die Instandhaltung des besetzten Raums kümmern.

Eine Protestflut mit Beginn in Wien

Die Proteste hatten vor 21 Tagen in Wien begonnen und sich von dort aus international ausgeweitet, ohne im eigenen Land nachzulassen. In ganz Österreich sind mittlerweile 34 Hochschulen besetzt – und ein Ende ist nicht abzusehen. Für den 17. November kündigten Studentenorganisationen einen Protesttag an hundert Hochschulen an.

(se/raa/sda)

(Erstellt: 18.11.2009, 13:41 Uhr)

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