Ausland
Terroristen-Jäger spaziert mit Geheimdokument durch London
Aktualisiert am 09.04.2009 5 Kommentare
Geheime Daten nicht gebührend behandelt: Anti-Terrorchef Bob Quick. (Bild: Dailymail, heikler Text eingeschwärtzt)
Quick war am Mittwoch von Pressefotografen abgelichtet worden, wie er geheime Papiere über eine laufende Anti-Terror-Überwachung gut lesbar unter dem Arm trug. Zu erkennen waren dabei auch Angaben über geplante Festnahmen.
Razzia vorzeitig ausgelöst
Wegen des Fotos mussten Terrorfahnder eilig Razzien einleiten, bei denen zwölf Verdächtige festgenommen worden waren, die Kontakte zur Terrororganisation al-Qaida haben sollen. Mehrere hundert Ermittler waren bei den Razzien unter anderem in Manchester und Liverpool im Einsatz. Nähere Angaben machte die Polizei am Donnerstag nicht.
Nach unbestätigten Medienangaben hatten die festgenommenen Männer möglicherweise einen Nachtclub und ein Einkaufszentrum in Manchester als Anschlagsziel im Auge, auch wenn die Tat wohl nicht unmittelbar bevorstand. Zehn der Männer sollen in Pakistan geboren sein und über Studenten-Visa verfügen. Die Polizei fasste die Männer an insgesamt zehn verschiedenen Orten, unter anderem vor der Liverpooler Universität und einem Internet-Café in Manchester.
Veröffentlichung nicht zu verhindern
Zwar hatte das Verteidigungsministerium kurzfristig noch versucht, britischen Medien von der Veröffentlichung des Fotos von Quick abzuhalten. Weil es aber vielen Zeitungen vorlag und auch im Ausland verbreitet wurde, entschlossen sich die Ermittler wohl zu dem ungewöhnlichen Zugriff bei Tageslicht.
Quick hatte sich mit dem unverhüllten Dokument auf dem Weg zu Premierminister Gordon Brown und Innenministerin Jacqui Smith für Gespräche über eine Polizeireform befunden. Das Foto entstand, als er aus seinem Wagen vor dem Regierungssitz Downing Street Nummer 10 ausstieg.
Johnson nimmt Rücktritt mit Widerwillen an
Nach der Panne bot Quick den Rücktritt an. Er habe den Rücktritt des Anti-Terror-Chefs von Scotland Yard widerstrebend und mit Bedauern angenommen, sagte der Londoner Bürgermeister Boris Johnson.
In Grossbritannien wird die Terrorgefahr seit knapp zwei Jahren als «ernst» eingestuft. Das bedeutet, dass Terroranschläge in der Zukunft sehr wahrscheinlich sind, aber nicht unmittelbar bevorstehen. (cpm/ap/sda)
Erstellt: 09.04.2009, 12:19 Uhr
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5 Kommentare
Wie ernst kann man die Terrorabwehr nehmen, wenn sogar die obere Spitze so nachlässig handelt? Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass in GB mit vertraulichen oder geheimen Daten so nachlässig umgegangen wird (vergessene Geheimdienst-Laptops im Zug etc.), und das sind nur die bekannten Fälle. Wie es wohl bei uns aussieht? Und: "Ernste" Terrorgefahr seit 2 Jahren: da stumpfen die Leute doch ab. Antworten
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