Ausland
Tremonti plant Heimatschutz für italienische Firmen
Von René Lenzin, Mailand. Aktualisiert am 23.03.2011 2 Kommentare
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Das Schreckgespenst in Italien hat einen neuen Namen: Frankreich. Nicht nur schauen die italienischen Politiker mit einer Mischung aus Neid und Skepsis auf den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der die internationale Staatengemeinschaft in einen Krieg gegen Ghadhafi geführt hat. Sie müssen auch noch zuschauen, wie sich französische Konzerne italienische Firmen unter den Nagel reissen. Die Staatsbahnen SNCF sind mit 20 Prozent an der privaten Bahngesellschaft NTV beteiligt, die ab diesem Herbst aufs italienische Hochgeschwindigkeitsnetz drängt. Anfang März hat der Luxusgüterkonzern LVMH den italienischen Schmuck- und Uhrenproduzenten Bulgari übernommen. Und gestern schliesslich gab der Milchgigant Lactalis bekannt, dass er knapp 30 Prozent am italienischen Konkurrenten Parmalat kontrolliere.
Mit einem Umsatz von gut 10 Milliarden Euro ist Lactalis weltweit die Nummer 3 bei Milch- und Käseprodukten. Seine wichtigsten Marken sind Galbani und Président. In den letzten Wochen war der Konzern bereits zum grössten Einzelaktionär von Parmalat aufgestiegen. Und nun hat er für rund 750 Millionen Euro zusätzlich die Anteile von drei Investitionsfonds aus Kanada, Norwegen und Schweden übernommen, die zusammen 15 Prozent der Parmalat-Aktien halten.
Für einheimische Lösung starkgemacht
Um diese Anteile buhlte auch eine italienische Seilschaft, angeführt von der Grossbank Intesa Sanpaolo und unterstützt von der Regierung. Als potenzielle Partner galten der Milchproduzent Granarolo und Ferrero, der Hersteller von Nutella und Kinderschokolade. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hatte sich am Wochenende für eine einheimische Lösung starkgemacht und ein Gesetz angekündigt, mit dem er «strategische Industrien» vor ausländischer Übernahme schützen will.
Parmalat ist eine attraktive Beute. Nach dem Zusammenbruch im Jahr 2003 hat der Sanierer Enrico Bondi den norditalienischen Konzern wieder fit getrimmt. Heute ist dieser nicht nur schuldenfrei, sondern verfügt über liquide Mittel von über 1 Milliarde Euro. Der Umsatz beläuft sich auf rund 4,3 Milliarden Euro. Trotz seiner Erfolge ist Bondi allerdings umstritten. Bevor die drei Fonds ihre Anteile an Lactalis verkauft haben, hatten sie auf eine Absetzung des Chefs hingearbeitet und eine eigene Liste für die Verwaltungsratswahlen vom 12. April eingereicht.
Laut italienischen Medien will Lactalis an Bondi festhalten, ihn aber auf den Posten des Präsidenten ohne exekutive Funktionen abschieben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.03.2011, 23:05 Uhr
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2 Kommentare
Der Mann ist ein weiterer Sargnagel der EU und steht für eine kommende Welle des Nationalismus und Protektionismus innerhalb der Staatengemeinschaft. Dass er mit uns die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zerstört fällt da kaum noch ins Gewicht. Mit Ghadhafi lief es aber wie geschmiert noch vor kurzen. Antworten
Gut! Endlich mal eine Gegenstimme zum Neoliberalen Aktionärskapitalismus der in den vergangen +30 jahren alle Hindernisse für Investitionen aus dem Weg geräumt hat dabei aber die Ansprüche der Zivilgesellschaften mit Füssen getreten hat. Nicht nur die Arbeitslosen brauchen Unterstützung sondern auch, so lächerlich das auf den ersten Blick scheint, Börsenkotierte Unternehmen und deren Angestellte. Antworten
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