Unheilige Praktiken der Vatikanbank
Mehr Saulus als Paulus: Papst Johannes Paul II tolerierte die Machenschaften der Vatikan-Bank.
Info-Box
Gianluigi Nuzzi: «Vatikan AG», Ecowin Verlag, 2010.
ISBN: 978-3-902404-89-3
Es sind nicht nur Pädophilie-Skandale, welche die katholische Kirche gerade erschüttern: Das neu erschienene Buch «Vatikan AG» gewährt Einblick hinter die Kulissen der Vatikanbank – und zeigt Sauereien von biblischem Ausmass auf: Milliarden von Euro sind mit dem Wissen von Päpsten und Kardinälen in den heiligen Hallen weissgewaschen worden. Hohe Mafiabosse hätten genauso auf der Kundenliste gestanden wie italienische Ministerpräsidenten.
Bereits die Entstehungsgeschichte des Sachbuchs liest sich wie ein Thriller: Renato Dardozzi, ein hochrangiger Manager der Vatikanbank vererbt tausende von Belegen, Briefen und Dokumenten dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi. Abgeholt hat der Journalist die Unterlagen in Begleitung zweier Bodyguards. Zwei Jahre lang sichtete er die Dokumente unter strengster Geheimhaltung.
Schmiergelder, Beziehungen zur Mafia
Der Autor beschreibt die Drehscheibenfunktion der Vatikanbank: Mit seinem Vater sei Nuzzis Informant jeweils nach Rom in den Vatikan gereist, um dort Schmiergelder einzuzahlen. Nur so habe man sich Aufträge im heimischen Sizilien sichern können. Nuzzi beweist anhand der Dokumente unter anderem, dass 20 Prozent solcher Schmiergelder direkt an die Mafiapaten Toto Riina und Bernardo Provenzano geflossen sind.
Der siebenfache ehemalige Ministerpräsident Giulio Andreotti habe rund sechzig Millionen Euro über die Bank gewaschen – selbstverständlich unter einem Codenamen. «Omissis» sei sein Deckname gewesen. Und Papst Johannes Paul II, mit bürgerlichem Namen Karl Wojtyla, habe dieses System wissentlich gedeckt. Erst sein Nachfolger, Papst Benedikt XVI habe die Chefetage der Vatikanskirche aus moralischen Gründen ohne grosses Aufheben ausgewechselt.
Eine Hand wäscht die andere
Die Vatikanskirche, schreibt der ORF zum Thema, sei für Geldwäscherei derart ideal gewesen, weil sie ausserhalb jeder Kontrolle durch internationale Behörden stand. Der Vorteil für die katholische Kirche sei ebenfalls evident gewesen: Man weiss von den verbrecherischen Verstrickungen der Kundschaft – und kann so, falls es vonnöten ist, ebenfalls Druck auf diese ausüben. Hinter den Wänden des Vatikans wurde also nicht nur Geld gewaschen; eine Hand wusch auch die andere.
(tss)
Erstellt: 25.03.2010, 17:58 Uhr
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