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Waffenlobbyist Schreiber: Der Mann, der Millionen verteilte

Aktualisiert am 03.08.2009

Der 75-jährige Karlheinz Schreiber stürzte die CDU in die schwerste Krise ihrer Geschichte.

Der Deutsch-Kanadier soll ab den 80er Jahren Millionenbeträge der Rüstungsindustrie über Tarnkonten an Politiker und Industrielle verteilt haben.

Als das Geschäft mit den Panzern nicht mehr lief, sattelte er auf Pasta um. Dank gewiefter Anwälte gelang es ihm jahrelang, in Kanada der Übergabe an die deutsche Justiz zu entgehen.

Gesellige Art

Schreiber lebte dabei nicht schlecht. Er pendelte zwischen der Wirtschaftsmetropole Toronto und dem Regierungssitz Ottawa - und schuf sich mit seiner geselligen Art rasch einen neuen Freundeskreis.

Wie schon in Deutschland war Schreiber auch in Kanada als Lebemann bekannt, der gern zu Partys ging und mit seiner Frau Bärbel das Tanzbein schwang, wie er der Deutschen Presse-Agentur dpa erzählte.

Auf seiner Internetseite KarlheinzSchreiber.ca beschreibt er sich als lutheranisch, verheiratet mit zwei Kindern, fünf Enkeln und einem Urenkel. Dem biografischen Nachschlagewerk «Who's Who» zufolge verfügt er über ein Vermögen von geschätzt 250 Millionen kanadischen Dollar (250 Millionen Franken).

Tauschgeschäfte als Knirps

Schreiber wurde am 25. März 1934 geboren und wuchs im Harz auf. Sein Vater wurde zum Kriegsdienst einberufen, als der Junior gerade fünf war. Seiner Biografie nach unterstützte Schreiber die Familie von klein auf mit Einkünften aus Tauschgeschäften.

Nach dem Kriegsende wurde er in einem Textilhaus zum Verkäufer ausgebildet. Dabei entwickelte er einen ausgeprägten Geschäftssinn. Später wurde er in München Geschäftsführer einer Teppichfirma, ehe er nach dem Tod eines Freundes dessen Strassenmarkierungsfirma übernahm.

Vertrauter von FJS

Via Wirtschaftsbeirat der Union wurde er zum Vertrauten von CSU- Übervater Franz Josef Strauss. Legendär sind die feuchtfröhlichen Feste mit CSU-Prominenz in Schreibers Partykeller in Kaufering.

Als Waffenlobbyist begann Schreiber, Aufträge für Helikopter, Airbusse und Spürpanzer im In- und Ausland zu vermitteln. Er knüpfte Verbindungen zwischen dem Stahlriesen Thyssen und bayerischen Behörden. Selbst zum Bundesnachrichtendienst in Pullach soll er gute Kontakte gehabt haben.

Abstieg ab 1995

Als Augsburg 1995 ein Verfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung eröffnete, kamen auch die Schmiergelder ans Licht. Die Fahndungen ergaben, dass der ehemalige CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep von Schreiber auf einem Parkplatz in der Schweiz eine Million Mark im Koffer erhalten hatte, die dann in die Parteikasse der CDU flossen.

Kiep, zwei Thyssen-Manager und der frühere Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls wurden wegen Bestechlichkeit verurteilt. 2000 geriet der damalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble unter Verdacht, von Schreiber Geld angenommen zu haben, und gab deshalb schliesslich sein Amt auf. Selbst Politikersohn Max Strauss musste vor Gericht.

Flucht nach Kanada

Angesichts der Augsburger Ermittlungen wurde Schreiber das Pflaster in Deutschland zu heiss. 1996 setzte er sich zunächst in die Schweiz und – nach Räumung aller Konten – mit seinem kanadischen Pass nach Toronto ab.

Dort machte er bereits wieder Karriere als Unternehmer, als die Regierung in Ottawa beschloss, dem Haftbefehl der Augsburger zu folgen und Schreiber nach Deutschland abzuschieben. Zehn Jahre lang lieferte er sich eine Gerichtsschlacht mit der kanadischen Justiz, bis ihm jetzt endgültig das Aus erklärt wurde. (sda)

Erstellt: 03.08.2009, 12:38 Uhr

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