Walesa kratzt am Image Gorbatschows
Artikel zum Thema
«Spass beiseite, Gorbatschow wollte weder den Kommunismus noch die Mauer stürzen», sagte Walesa am Montag dem polnischen TV-Sender TVN24. Das sei eine Lüge, betonte Walesa, der 1980 die erste freie Gewerkschaft im damaligen Ostblock, «Solidarnosc», gründete, die massgeblichen Anteil am Zusammenbruch des Kommunismus hatte.
Wenn solche Menschen glorifiziert würden, «dann bauen wir Europa und die neue Wirklichkeit auf der Lüge auf», sagte Walesa. Für ihn hätten Papst Johannes Paul II. zu 50 Prozent und die von ihm geführte «Solidarnosc» zu 30 Prozent zur Überwindung der Mauer beigetragen. Der Anteil der übrigen Welt betrage weniger als 20 Prozent. «Das ist die Wahrheit über jene Tage», sagte Walesa dem TVN24.
Zehntausende feiern «Fest der Freiheit»
Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls haben tausende Menschen in Berlin bei strömenden Regen das «Fest der Freiheit» gefeiert. Gekommen waren am Montagabend auch über 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs sowie etliche Nobelpreisträger und Bürgerrechtler. Stardirigent Daniel Barenboim eröffnete das Fest mit der Staatskapelle Berlin und spielte Werke von Wagner, Schönberg und Beethoven. Höhepunkt sollte der Fall von 1000 überdimensionalen bemalten Dominosteinen entlang des ehemaligen Mauerverlaufs werden.
Neben den 27 Staats- und Regierungschefs der EU kamen der russische Präsident Dmitri Medwedew und US-Aussenministerin Hillary Clinton in Vertretung des wegen einer Asien-Reise verhinderten Präsidenten Barack Obama nach Berlin. Daneben zählten ehemalige Staatenlenker wie Michail Gorbatschow und der frühere polnische Staatschef Lech Walesa zu den Gästen. Jon Bon Jovi wollte ein selbst komponiertes Revolutionslied mit dem Titel «We weren't born to follow» (»Wir waren nicht zu Untertanen geboren») präsentieren. Reden halten sollten Gorbatschow und der frühere Aussenminister Hans-Dietrich Genscher. Zum Abschluss des Fests sollte eine Hymne aufgeführt werden, die Techno-DJ Paul von Dyk schrieb: «We are one», heisst sie.
Walesa stösst das Domino an
Die fast zwei Kilometer lange Reihe von riesigen, der Berliner Mauer nachempfundenen Dominosteinen sollte auf der einen Seize von Walesa angestossen werden, auf der anderen Seite von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek. 15.000 Jugendliche hatten die jeweils 2,50 Meter hohen und 40 Zentimeter tiefen Styropor-Steine künstlerisch gestaltet. Das Fallen der Steine sollte an den Dominoeffekt erinnern, den der Mauerfall in ganz Europa auslöste. (cpm/sda)
Erstellt: 09.11.2009, 19:30 Uhr



Die Welt in Bildern