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Warum Assange in Ecuador willkommen ist

Aktualisiert am 17.08.2012 58 Kommentare

Mit dem Entscheid, Julian Assange Asyl zu gewähren, hat Ecuador den Zorn der Briten und Schweden auf sich gezogen. Weshalb sich die Aktion für den Präsidenten Rafael Correa trotzdem lohnen könnte.

Mit Assange auf Stimmenfang? Ecuadors Präsident Rafael Correa während eines TV-Interviews in Quito. (13. August 2012)

Mit Assange auf Stimmenfang? Ecuadors Präsident Rafael Correa während eines TV-Interviews in Quito. (13. August 2012)
Bild: AFP

USA wollen sich nicht einmischen

Im diplomatischen Gezerre zwischen Ecuador und Grossbritannien um den Wikileaks-Gründer Julian Assange wollen sich die USA offenbar zunächst zurückhalten. «Das ist eine Angelegenheit zwischen den Ecuadorianern, den Briten und den Schweden», sagte die Sprecherin des US-Aussenministeriums, Victoria Nuland, auf einer Pressekonferenz.

Zuvor hatte Ecuador Assange Asyl gewährt, der sich in die Londoner Botschaft des südamerikanischen Landes abgesetzt hatte, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort soll der 41-Jährige unter anderem zu Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden. Assange befürchtet allerdings, weiter in die USA überstellt zu werden, wo ihm wegen der Veröffentlichung von geheimen Dokumenten der Prozess gemacht werden könnte. (dapd)

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Die unklare Zukunft von Julian Assange

Die unklare Zukunft von Julian Assange
Ecuador hat bekannt gegeben, Julian Assange diplomatisches Asyl zu gewähren. Zwei Tage später trat der Wikileaks-Gründer selbst vor die Medien.

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Zwei, die sich gut verstehen: Rafael Correa zu Besuch in der TV-Show von Julian Assange. (Video: Youtube)

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Lieferung für Julian Assange? Dieser Pizza-Kurier hatte keine leichte Aufgabe, als er eine Bestellung in der Botschaft von Ecuador abgeben wollte. (Video: Youtube)

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Obwohl er damit gegen seine Kaution verstiess, verliess Julian Assange am 19. Juni sein vorübergehendes Zuhause im britischen Norfolk und machte sich auf den Weg zur ecuadorianischen Botschaft in London, um dort einen Asylantrag zu stellen. Heute hat das Land bekannt gegeben, dass es den Antrag des Wikileaks-Gründers annimmt.

Doch warum steuerte Assange gerade die ecuadorianische Botschaft an? Weil ihn mit dem Präsidenten Ecuadors, Rafael Correa, laut einem Bericht von CNN einiges verbindet: «Correa und Assange haben gemeinsame Interessen», erläutert Robert Amsterdam, Anwalt für internationales Recht, gegenüber dem Nachrichtenportal. So vertreten beide die Einstellung, dass die USA über eine «imperiale Macht» verfügt, die kontrolliert werden müsse.

Nicht die erste Provokation Correas

Der linksgerichtete Correa hat laut Amsterdam schon oft öffentlich gegen die USA Stimmung gemacht, und zwar im Chor mit anderen sozialistischen Kritikern wie Venezuelas Hugo Chávez oder Boliviens Evo Morales. Correa habe ausserdem auch schon gezeigt, dass es ihm nichts ausmache, die Briten zu verärgern: So forderte er im Februar Sanktionen gegen Grossbritannien wegen des andauernden Streits um die Falkland-Inseln mit Argentinien.

Im April 2011 hat Correa zudem die amerikanische Vertreterin in Ecuador des Landes verwiesen. Der Grund waren Korruptionsvorwürfe seitens der amerikanischen Botschaft an die Adresse Ecuadors – die Vorwürfe gründeten wohlbemerkt auf Enthüllungen, die Wikileaks damals öffentlich gemacht hatte. Washington verwies in der Folge auch den ecuadorianischen Botschafter in den USA des Landes.

«Aus lateinamerikanischer Sicht wäre es eine herrliche Sache, Assange Asyl anbieten zu dürfen», so Amsterdam weiter. Denn die Feindschaft gegenüber den USA werde im südlichen Amerika teilweise immer noch sehr offen ausgelebt. Correa müsse sich noch nicht einmal als Anti-Amerikaner entlarven, wenn er Assange Asyl gewähre. Der ecuadorianische Aussenminister verwies in der heutigen Erklärung denn auch darauf, dass Ecuador den Asylantrag aus «menschenrechtlichen Gründen» angenommen habe, denn Assange drohe «politische Verfolgung».

Mit Assange auf Wählerfang

Auch aus innenpolitischer Sicht könnte es Correa nützen, Assange im Land willkommen zu heissen. Dies vor allem im Hinblick auf die ecuadorianischen Präsidentschaftswahlen vom nächsten Februar: «Ein grosser Teil von Correas Wählerbasis ist linksgerichtet», erläutert der Politikwissenschaftler Jorge Leon gegenüber CNN. Mit dem bewilligten Asylgesuch stärke Correa sein linkes Image bei diesen Wählern.

Und schliesslich verbindet Correa und Assange offenbar eine grosse Sympathie. So war der ecuadorianische Präsident im Mai Interview-Gast in Assanges TV-Show «The World Tomorrow» (zum Video auf Youtube), die auf einem von Russland finanzierten englischsprachigen Fernsehkanal ausgestrahlt wurde. Assange stellte seinen Gast als «Neugestalter» vor, der seinem Land viel Fortschritt gebracht habe. «Dein Wikileaks hat uns stärker gemacht», sagte Correa zu Assange.

Ecuador hatte am Nachmittag bekanntgegeben, dem Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks politisches Asyl gewähren zu wollen. Die Entscheidung wurde von Assange-Anhängern mit Beifall begrüsst und von den Regierungen Grossbritanniens und Schwedens mit Enttäuschung aufgenommen. Assange hatte sich vor zwei Monaten in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Dort soll er unter anderem wegen Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden. (fko)

Erstellt: 16.08.2012, 22:54 Uhr

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58 Kommentare

Pascal Luca

16.08.2012, 23:05 Uhr
Melden 179 Empfehlung 0

Es wird langsam alles nur noch peinlich. Hätte die sehr spezielle Staatsanwältin in Schweden einfach zugestimmt, Assange erstmal in GB zu befragen, statt direkt einen internationalen Haftbefehl zu erlassen (es gibt noch nicht einmal eine Anzeige gegen Assange,nur Vorwürfe), hätte man alles normal klären können. So muss man ja fast glauben, dass da mehr dahinter steckt (USA). Antworten


Marc Cathomen

17.08.2012, 02:06 Uhr
Melden 140 Empfehlung 0

Ob nun Assange mutmasslich sexuell belästigt hat steht in einem direktem Vergleich zur Tatsache dass er es ermöglicht hat, tausende Dokumente zu veröffentlichen welche Heuchlerei, Korruption und weltweite Monopole entlarven. Dass die USA ihn ausgeliefert haben wollen, weist eindeutig darauf hin, dass Vergewaltigung nicht im Zentrum steht, sondern ein Präventivschlag gegen jede Kritik am System. Antworten



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