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«Wenn möglich, das Haus nicht verlassen»

Aktualisiert am 09.02.2012 8 Kommentare

Die Italiener sind gewarnt: Es bleibt klirrend kalt, und es wird nochmals heftig schneien. Es sind aber nicht nur Kälte und Schnee, die den Italienern zu schaffen machen, sondern auch die teureren Lebensmittel.

1/22 Der Verkehr steht still: Busse und Autos kommen wegen des Neuschnees nicht mehr vorwärts. (10. Februar 2012)
Bild: Reuters

   

Verrücktes Winterwetter in Europa: Schneebedeckter Vulkan Ätna bricht aus, Gefrierender Wasserfall in Kroatien, Roter Teppich der Berlinale wird geräumt, Obdachlose suchen Schutz vor Kälte. (Video: Reuters )

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Der Winter hat Italien im Griff. Rom zum Beispiel, wo Schulen und andere staatliche Einrichtungen bereits geschlossen sind, erwartet am Freitag bis zu 30 Zentimeter Neuschnee. Noch mehr Schnee sollte es in anderen Teilen Mittelitaliens geben, insbesondere in der Region Marche. Wie die «Repubblica» berichtet, rechnen die Wettervorhersagen für die Region Marche mit bis zu 50 Zentimeter Neuschnee. Neben den Abruzzen, Kampanien, Latium, Molise und Basilikata gehört Marche zu den Regionen, die das extreme Winterwetter am stärksten getroffen hat.

«Die nächsten Tage werden sehr schwierig», sagte Gian Mario Spacca, Präsident der Region Marche, in einem Aufruf an die Bevölkerung. Er empfahl, das Auto nicht oder nur in dringenden Fällen zu benutzen. Ausserdem appellierte Spacca an seine Mitbürger, «wenn möglich, das Haus nicht zu verlassen». In den Ortschaften der Marche sind die Strassen vereist und die Hausdächer mit Schnee überladen, die Räumungsarbeiten von Zivilschützern und Mitarbeitenden der öffentlichen Dienste laufen auf Hochtouren. In Teilen von Mittelitalien sind auch Rettungsspezialisten und Armeeangehörige im Einsatz.

Immer mehr Noteinkäufe

Das extreme Winterwetter bringt manche Erschwernisse in den Alltag der Italiener. Nicht zuletzt müssen sie tiefer in die Tasche greifen, weil viele Lebensmittel teurer geworden sind. Es gibt Produkte, die knapper geworden sind, weil der Nachschub der Lieferanten teilweise blockiert ist, aber vor allem weil immer mehr Kunden Käufe auf Vorrat tätigen. Das italienische Innenministerium berichtete von Preisaufschlägen von 20 Prozent. In Medienberichten hiess es, dass in einzelnen Ortschaften die Preise für Früchte und frisches Gemüse um bis zu 200 Prozent gestiegen seien. Es besteht der Verdacht, dass einzelne Händler ungerechtfertigte Preiserhöhungen vorgenommen haben – in diesen Fällen werden die Behörden gemäss eigenen Aussagen einschreiten.

Wie die «Repubblica» berichtet, gehen Konsumentenschutzorganisationen davon aus, dass ein italienischer Haushalt im Durchschnitt etwa 20 Euro mehr pro Monat für alltägliche Nahrungsmittel ausgeben muss. Und dies könnte erst der Anfang der Preisaufschläge sein, falls das extreme Winterwetter längere Zeit andauert und die Notkäufe der Kunden in den Supermärkten unkontrollierbare Ausmasse annehmen. In diesem Fall würden die monatlichen Ausgaben eines italienischen Haushalts um 40 Prozent steigen, also um knapp 133 Euro. Dazu kommt, dass auch die Heizrechnungen höher ausfallen werden. Bei den bescheidenen Einkommen und Renten der einfachen Italiener sind solche Mehrausgaben keine Peanuts.

Solche Kälte alle 30 Jahre

Das Unwetter belastet auch diverse Wirtschaftszweige. So vermeldet die Landwirtschaft inklusive Viehwirtschaft Schäden von bislang rund 350 Millionen Euro. Und die Transportbranche beklagt Ausfälle v0n etwa 150 Millionen.

Der Kältewelle sind in Italien seit Anfang Februar mehr als 40 Menschen zum Opfer gefallen. Gefährdet sind in erster Linie Obdachlose, Verkehrsteilnehmer sowie alte, kranke Menschen. Solches Winterwetter ist in Italien sehr selten. Vergleichbare Kälteperioden gibt es ungefähr alle 30 Jahre – zuletzt im Januar 1985 und im Februar 1956. (vin)

Erstellt: 09.02.2012, 17:03 Uhr

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8 Kommentare

Peter Brunold

09.02.2012, 19:25 Uhr
Melden 11 Empfehlung

für den italiener eröffnet sich damit eine neue Dimension; bis anhin blieb man nur bei Streiks zuhause, jetzt kann man dies sogar bei jeglichem Schlechtwetter anwenden. Antworten


Werner Wüest

09.02.2012, 20:17 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Wenn man diese Aufrufe liest, so fragt man sicht, wie weit wir es gebracht haben? Eigenverantwortung oder ein bisschen Verstand scheint nicht mehr gefragt zu sein. Alles müssen die Behörden empfehlen oder vorschreiben, sonst gibts Futter für "Rechts"-Anwälte. Wir, in der Schweiz, sind da fast gleich weit! Antworten



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