Wer ist Abu Talha, der sanfter Stimme Berlin mit Terror droht?
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Die jüngste Botschaft vom Sonntag
(Quelle: Reuters / IntelCenter)
Binnen weniger Tage sind gleich zwei Videos der al-Qaida im Internet aufgetaucht, in denen sich vermutlich erneut der Bonner Islamist Bekkay Harrach in deutscher Sprache direkt an die Bundesrepublik Deutschland wendet. Der redegewandte Deutsch-Marokkaner mit bemerkenswerten Kenntnissen der deutschen Innen- und Aussenpolitik ist für manche Beobachter damit zu einer Art Sprachrohr des Terrornetzwerks für Deutschland geworden.
Seine erste Videobotschaft war im Januar veröffentlicht worden, im Februar seine zweite. Seitdem ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen den Mann, der sich inzwischen «Abu Talha, der Deutsche» nennt, wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terroristischen Vereinigung. Die Sicherheitsbehörden sprechen seither von einer neuen Qualität der Bedrohung Deutschlands.
Wirtschaftsmathematik studiert
Zur Person des jungen Mannes Anfang 30 ist offiziell nur wenig bekannt. Sicher ist nur, dass er lange Zeit in Bonn lebte und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Nach unbestätigten Presseberichten soll er von 2002 bis 2004 an der Fachhochschule Koblenz Lasertechnik und Wirtschaftsmathematik studiert haben, bis er sich im Jahr 2004 erst in den Irak und dann nach Syrien abgesetzt habe, wo er vorübergehend in Haft gewesen sei.
In einem der neuen Videos nimmt Harrach möglicherweise darauf Bezug, denn er bedankt sich bei der Bundesregierung für «ihre schnelle Hilfe aus meiner Haft in Syrien». Zudem bedankt er sich für die schnelle Hilfe der Regierung «nach meiner Schussverletzung in Hebron/Palästina» und dafür, dass seine Frau nach seiner Reise nach Afghanistan nicht belästigt und später auch nicht an der eigenen Ausreise gehindert worden sei.
Verbindungen zur Al-Qaida-Führung?
Laut Bundesanwaltschaft wurde Harrach wohl in Deutschland von dem inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilten hochrangigen Al-Qaida-Mitglied Aleem N. für das Terrornetzwerk angeworben. Seit 2007 soll er sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten und Verbindungen zur Al-Qaida-Führungsriege haben.
Mit dem glatt rasierten Gesicht, mit dem er sich in einem der beiden jüngsten Videos zeigt, dürfte er dort allerdings auffallen. Überhaupt ist sein Auftritt darin völlig anders als diejenigen von Anfang des Jahres. Bei dem ersten, am 17. Januar aufgetauchten Video hatte er mit einer Panzerfaust posiert und sie abgefeuert. Bei der Aufnahme in einem abgedunkelten Raum steht dann ein Gewehr neben ihm, und er erklärt: «Mich für Allah in die Luft zu sprengen ist mein Wunsch seit 1993.» Das BKA hatte von einer «erheblichen Drohkulisse» gesprochen.
Akzentfreies Deutsch
Nun erscheint er seriös in dunklem Anzug, weissem Hemd und hellblauer Krawatte vor einem roten Vorhang. Er spricht mit sanfter, leiser Stimme fast akzentfreies Deutsch. Wegen der Hilfe, die ihm die Bundesrepublik persönlich habe zuteil werden lassen, wolle er sich «erkenntlich zeigen», sagt er.
Doch die Drohung ist dennoch klar: al-Qaida gebe dem deutschen Volk die Möglichkeit, das Bevorstehende zu verhindern. «Sollte allerdings das deutsche Volks seine zur Auswahl stehenden Parteien mehrheitlich nicht dazu bewegen wollen, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, dann wird es nach den Wahlen ein böses Erwachen gebe», erklärt er. In dem erst am heutigen Sonntag bekanntgewordenen Video spricht nach Einschätzung der Ermittler vermutlich erneut Harrach. Ob er auch auf dem Standbild zu sehen ist, das einen bis auf die Augen vermummten Mann zeigt, war zunächst unklar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.09.2009, 23:21 Uhr



