Ausland

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Wie Schweden das Atommüll-Problem gelöst hat

Von Andreas Stüdli, SDA. Aktualisiert am 17.09.2009

In der Schweiz dauert die Suche nach einem Standort für ein Endlager für hoch radioaktive Atomabfälle schon drei Jahrzehnte an. Schweden hat seine Hausaufgaben gemacht.

Versenken, wo der Atommüll entsteht: Kernkraftwerk Forsmark in Schweden.

Versenken, wo der Atommüll entsteht: Kernkraftwerk Forsmark in Schweden.
Bild: Keystone

Vor dem Sitzungszimmer im ersten Stock des Gebäudes der schwedischen Kernbrennstoff-Enstsorgungsgesellschaft (SKB) in Forsmark breitet sich ruhig die Baltische See aus, geteilt von Wellenbrechern aus Steinblöcken. Der Küste entlang reihen sich die Inseln an grün bewaldete Landzungen.

Ein idyllischer Ausblick, unter dem sich das Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle verbirgt. Die Wellenbrecher sind mit dem Aushub aus dem Lager in 50 Metern Tiefe aufgehäuft, das Platz für 63'000 Kubikmeter Abfälle bietet.

150'000 Kubikmeter

Seit der Inbetriebnahme sind über 31'000 Kubikmeter Abfälle eingelagert worden, wie die SKB auf einer vom Nuklearforum Schweiz organisierten Medienreise mitteilte. Halb voll ist das Endlager aber dennoch nicht.

Bis zur Abschaltung der schwedischen Atomkraftwerke fallen nach Schätzungen der SKB über 150'000 Kubikmeter schwach- und mittelaktive Abfälle an. Dem Lager steht deshalb eine Erweiterung bevor.

Endlager unter Meeresboden

Über eine Rampe fährt der Besucherbus langsam in das Lager hinunter. Personen werden akribisch kontrolliert. Fotografieren ist nur mit einer Bewilligung erlaubt. Nach einem Kilometer Fahrt tut sich nach rechts ein Seitenstollen auf.

Von dort aus sind die Eingänge von vier je 160 Meter langen Tunneln zu sehen, in denen die Abfälle gelagert werden. Die Tunnelwände sind uneben - nach schwedischer Methode wurde der Granit mit Sprengstoff durchbrochen. An vielen Stellen sickern kleine Rinnsale in den Stollen ein.

Grosse Akzeptanz bei Anwohnern

Dieses Wasser war 7000 Jahre im Granit eingeschlossen. Der Wassereinfluss ist im Lagerkonzept berücksichtigt. Eine Barriere aus Lehm, Beton und Bentonitmantel soll sicherstellen, das keine giftigen Stoffe in die Biosphäre gelangen können.

Neben der Landstrasse zum Atomkraftwerk Forsmark sind die Häuser dünn gesät. Autos sind wenige unterwegs, hie und da begegnet man einem Velofahrer. Die dunkelroten Häuser sind von Wald umgeben.

20 Jahre Standortsuche

Vier von fünf Bewohner der Standortgemeinde Östhammar haben sich für ein Endlager für hoch radioaktive Atomabfälle ausgesprochen, sagt Kaj Ahlbom, der für die SKB mögliche Standorte erforschte.

Das ergab eine Umfrage bei den gut 20'000 Einwohnern. Nach über 20 Jahren Standortsuche hat die SKB das Gestein in Forsmark im März als am besten geeignet für ein Lager für hoch radioaktive Abfälle befunden.

Bis in 450 Meter Tiefe hinunter

Der Bauantrag von über 8000 Seiten soll nächstes Jahr eingereicht werden. Knapp 500 Kilometer südlich von Östhammar liegt an der Küste das AKW Oskarshamn mit drei weiteren Siedewasserreaktoren.

In einer Spirale schraubt sich der Bus langsam bis in 450 Meter Tiefe hinunter. Der Tunnel ist hell erleuchtet, an den Seiten sind Experimente im Gang. Ein Zeitstrahl an der Wand beschreibt die Entstehung des radioaktiven Materials, begonnen beim Urknall.

Lagerungstechnik auf Prüfstand

Im Felslabor auf der Halbinsel Äspö steht die Tiefenlagerung auf dem Prüfstand. Die ausgedienten Brennelemente sollen in 5 Meter langen und bis zu 27 Tonnen schweren Kupferkanistern eingelagert werden. Diese sind von Bentonit ummantelt, das für Wasser undurchlässig ist.

Das schwedische Konzept sieht den Kupferkanister als Barriere vor, da der Granit keine absolute Sicherheit bietet. In der Schweiz ist ein Kupferkanister zwar eine Option, Favorit ist aus Kostengründen aber ein Stahlbehälter.

Schweizer Opalinuston

Im Jura und den Voralpen sollen die Brennelemente in den sogenannten Opalinuston eingelagert werden. Die Tonschicht und die darüberliegenden Decken schliessen die Strahlung für immer ein. In beiden Ländern muss das Material jederzeit rückholbar sein können. Schweden hat dies schon erfolgreich erprobt.

Mindestens 6000 Kupferkanister werden dereinst produziert. Die Endlagerung samt Rückbau kostet umgerechnet 15,7 Milliarden Franken. Finanziert wird das aus einem Entsorgungsfonds, in dem seit 1981 um 0,01 schwedische Kronen pro Kilowattstunde angehäuft wird.

Über dem Felslager ist ein Besucherzentrum mit Café eingerichtet. Die Anlage an der Oberfläche ist im klassischen schwedischen Baustil gehalten. Nichts erinnert an einen Bunker. Die Transparenz ist hoch, die Akzeptanz bei der Bevölkerung gross. Schweden hat erreicht, was in der Schweiz nahezu unmöglich scheint. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.09.2009, 08:29 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Sachbearbeiter/in Customer Service Manpower AG, Stans

SAP CRM Consultant Elan Computing Schweiz AG , Basel

Schulsozialarbeiterin/er FH (30 - 50 %) Primarschule Bülach, Bülach


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.