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Wie die Ministergattin ihrem Mann ein Bein stellt

Von David Nauer, Berlin. Aktualisiert am 20.10.2010 47 Kommentare

Stephanie zu Guttenberg galt bisher als Geheimwaffe des deutschen Verteidigungsministers - doch jetzt gefährdet sie mit ihrer Fernsehshow «Tatort Internet» die Karriere ihres Mannes.

«Solche Schlagzeilen brauchen wir», meinte sie noch kürzlich: Stephanie zu Guttenerg an einer Pressekonferenz mit der «Bild»-Zeitung in der Hand.

«Solche Schlagzeilen brauchen wir», meinte sie noch kürzlich: Stephanie zu Guttenerg an einer Pressekonferenz mit der «Bild»-Zeitung in der Hand.
Bild: Keystone

Von wegen brave Ehefrau an der Seite des Verteidigungsministers. Seit Stephanie zu Guttenberg, 33, auf dem Privatsender RTL 2 eine brisante Show co-moderiert, steht sie ihrem Mann etwas vor der Sonne – zumindest, was die mediale Aufmerksamkeit betrifft. «Tatort Internet» heisst die Sendung, in der eine jugendliche Schauspielerin als Lockvogel im Internet potenzielle Pädophile anlockt. Die Männer und die vermeintlich 13-Jährige chatten in einschlägigen Foren – oft deutlich unter der Gürtellinie. Wenn es dann zum ersten Treffen kommt, ist ein TV-Team dabei und stellt «das Sex-Ekel» («Bild»-Zeitung). Zuletzt enttarnt: ein 33-jähriger Berufssoldat, Chatname «Knusperflocke», der mit einer Minderjährigen im Wald Sex haben wollte. Die Fensterscheiben seines Autos waren abgedunkelt.

Die Justizministerin warnt

Die Sendung ist hoch umstritten. RTL 2, sonst als Plattform für billige Serien bekannt, gebärdet sich wie Staatsanwalt, Richter und Vollzugsbeamter in einem. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat bereits vor einer Unterhöhlung des Rechtsstaates gewarnt. «Hier ist ganz besondere Vorsicht und Zurückhaltung geboten», sagte sie. Es besteht die Gefahr, dass Unschuldige angeprangert und grosse Schäden angerichtet werden.» Die «Süddeutsche Zeitung» mahnt vor einem «Missbrauch des Missbrauchs». Der Satz, dass der Zweck die Mittel heilige, lasse sich in diesem Fall nicht ins Feld führen.

Frau zu Guttenberg aber verteidigt «Tatort Internet». «Wir haben jahrelang versucht, das Thema ins Fernsehen zu bringen, und eine Absage nach der anderen erhalten.» RTL 2 beweise viel Mut mit der Sendung. Was man Stephanie zu Guttenberg abnimmt, ist ihr ehrliches Engagement gegen sexuelle Gewalt an Kindern. Sie hat bereits ein viel gelobtes Buch verfasst. Titel: «Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen». Zudem steht sie dem Verein «Innocence in Danger» vor, der sich mit dem Thema beschäftigt.

Ihr Mann ist der beliebteste Politiker Deutschlands

Gleichwohl ist die hitzige Debatte um «Tatort Internet» für die Ministergattin gefährlich – und für ihren Mann, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, erst recht. Die beiden haben viel zu verlieren. Seit Wochen schwelgt Deutschland in einer Guttenberg-Euphorie. Selbst seriöse Medien feiern die «fabelhaften Guttenbergs» als Traumpaar der deutschen Politik.

Dazu passen Spekulationen, wonach sich Karl-Theodor zu Guttenberg schon warm laufe, um die Nachfolge der Kanzlerin anzutreten. Sollte die CDU im Frühjahr die Wahlen in Baden-Württemberg verlieren, so die These, könnte es zu einem Putsch gegen Merkel kommen – und zu Guttenberg obenauf schwimmen. Die Umfragen sprechen für den smarten Adeligen: Er ist der beliebteste Politiker Deutschlands. Was der 38-jährige Minister auch anfasst, seiner Popularität tut es gut. Das hat wenig mit konkreten Resultaten und viel mit geschickter Inszenierung zu tun. Egal ob auf dem Times Square in New York, in einer Transportmaschine der Bundeswehr oder am Kabinettstisch: Der Freiherr macht stets gute Figur.

Bismarcks Ururenkelin

Ehefrau Stephanie galt bisher als Geheimwaffe des Verteidigungsministers: Mit ihrer noblen Herkunft – sie ist die Ururenkelin von Reichsgründer Otto von Bismarck – potenzierte sie den Glamourfaktor des CSU-Politikers. Die Regeln des Erfolgsmodells sind einfach: Die Guttenbergs, dank eines riesigen Familienbesitzes schwerreich, leben auf einem anderen Stern; sie schweben über dem gehässigen Gezanke des politischen Alltags, blieben aber dennoch auf dem Boden. Karl-Theodor und Stephanie passen mindestens so gut in ein Märchenschloss wie in ein Bierzelt.

Doch möglicherweise hat die «heimliche First Lady» nun einen Fehler gemacht. Die RTL-2-Jagd nach mutmasslichen Phädophilen könnte ihr erstes Opfer gefordert haben: einen 61-jährigen Kinderheim-Leiter der Caritas. Der Mann hatte sich mit dem TV-Lockvogel getroffen und war als potenzieller Kinderschänder enttarnt worden. Seit der Ausstrahlung der Sendung fehlt von ihm jede Spur, ein Suizid kann nicht ausgeschlossen werden.

Fällt Vorwurf auf zu Guttenberg zurück?

«Die Familie ist in grosser Sorge», sagt ein Caritas-Sprecher. Die Hilfsorganisation kritisiert den TV-Sender, weil er die Vorwürfe gegen den Mann vor der Sendung monatelang für sich behielt – und weder die Polizei noch den Arbeitgeber informierte. Da stelle sich die Frage, «ob es dem Sender wirklich um den Schutz der Kinder geht oder doch nur um die Einschaltquote».

Der Vorwurf dürfte auch auf Co-Moderatorin zu Guttenberg zurückfallen. Sie hat jüngst an einer Pressekonferenz ein Exemplar der «Bild»-Zeitung in die Höhe gehalten. «Stephanie zu Guttenberg jagt Kinderschänder», stand da in fetten Lettern. Der Kommentar der Ministergattin: «Solche Schlagzeilen brauchen wir.» Wen sie mit «wir» meinte, stellte sie nicht klar. Uns alle? Oder nur sich und ihren Mann? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2010, 21:48 Uhr

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47 Kommentare

Matthias Gartmann

20.10.2010, 11:14 Uhr
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Wenn die Sendung nur ein einziges Kind vor Missbrauch gerettet hat, ist ihr Zweck erfüllt. Wer in die Augen eines unschuldigen Kindes sieht weiss: Kein Zweck heiligt alle Mittel, aber manche Zwecke heiligen sehr viele Mittel. Antworten


Andreas Hentschel

20.10.2010, 10:04 Uhr
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@Pascal Fröhlich wahrscheinlich bleibt das der einzig vernünftige Kommentar hier zu dem Thema. Antworten



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