«Wir ergreifen jede ehrlich ausgestreckte Hand»

Aktualisiert am 29.10.2009

Im Atomstreit hat der Iran den Kompromissvorschlag der internationalen Gemeinschaft positiv aufgenommen. Er verlangt aber «wichtige technische und wirtschaftliche» Änderungen.

Er lässt den Westen warten: Mahmoud Ahmadinejad, Irans Präsident.

Er lässt den Westen warten: Mahmoud Ahmadinejad, Irans Präsident. (Bild: Keystone)

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Der Iran hat am Donnerstag seine Antwort auf einen Kompromissvorschlag zur Anreicherung iranischen Urans im Ausland vorgelegt. Der iranische Gesandte bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien, Ali Asghar Soltanieh, sagte der Agentur ISNA, dass Teheran positiv zu dem Vorschlag stehe, aber einige «wichtige technische und wirtschaftliche» Änderungen verlange. Der Kompromiss sieht eine kontrollierte Anreicherung eines Grossteils des iranischen Urans in Russland vor.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad erklärte am Donnerstag, der Iran begrüsse den Vorschlag und sei zur Zusammenarbeit bereit, doch müssten auch die ausländischen Partner ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Kompromiss sei auch ein Test für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), ob sie eine «wirkliche Rolle» dabei spiele, Ländern beim Aufbau einer zivilen Atomtechnologie zu helfen.

Die internationale Gemeinschaft habe lange von Teheran gefordert, das Atomprogramm einzustellen, sagte Ahmadinejad in einer Rede im nordostiranischen Mesched, die im Staatsfernsehen übertragen wurde. Mittlerweile habe das Ausland hinsichtlich des iranischen Atomprogramms aber «den Austausch von Brennstoff, die Beteiligung am Bau von Reaktoren und Atomanlagen» akzeptiert. Er begrüsse den Austausch von Brennstoff und die angebotene Atom-Zusammenarbeit. Die Beziehungen seines Landes zum Westen würden sich damit von «Konfrontation zur Kooperation» wandeln.

Warnung vor doppeltem Spiel

Zugleich bekräftigte Ahmadinejad den Anspruch seines Landes auf ein eigenes Programm zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Dies sei ein «absolutes Recht», von dem er «keinen Deut» abweichen werde.

Der iranische Staatschef warnte den Westen zudem vor einem doppelten Spiel. «Wir ergreifen jede ausgestreckte Hand, die uns ehrlich und im Vertrauen entgegengestreckt wird. Wenn das nicht der Fall sein sollte, werden wir die gleiche Antwort geben wie wir sie George W. Bush und seinen Komplizen gegeben haben», sagte Ahmadinejad.

Zwei Änderungen angestrebt

Im Laufe des Tages wurde die offizielle Antwort Teherans auf den Kompromissvorschlag erwartet, der unter Vermittlung der IAEA ausgehandelt worden war. Demnach soll der Iran bis zum Jahresende 1200 seiner 1500 Kilogramm niedrig angereicherten Urans zur weiteren Anreicherung für Forschungszwecke nach Russland und Frankreich liefern.

Nach Angaben der regierungstreuen iranischen Tageszeitung «Javan» will Teheran zwei Änderungen an diesem Vorschlag durchsetzen. Niedrig angereichertes Uran solle in mehreren Schritten aus dem Iran ins Ausland gebracht werden und nicht in einer Lieferung, schrieb «Javan» ohne Angabe von Quellen. Zudem wolle der Iran einen gleichzeitigen Tausch seines niedrig angereicherten Urans gegen Brennstoff für einen Forschungsreaktor in Teheran. Die iranischen Behörden lehnten einen Kommentar zu dem Bericht zunächst ab.

IAEA-Experten zurückgekehrt

Eine Expertengruppe der IAEA kehrte am Donnerstag aus Teheran nach Wien zurück. Die drei Männer und eine Frau waren am Sonntag in den Iran geflogen, um eine zweite im Bau befindliche Anlage zur Urananreicherung im Ort Fordo bei Ghom zu inspizieren. Die Existenz der Anlage war erst vor kurzem bekanntgeworden.

«Es war ein guter Besuch», sagte Delegationsleiter Herman Nackaerts bei der Ankunft in Österreich. Einzelheiten über die Ergebnisse der Inspektion wurden zunächst nicht bekannt und werden erst Mitte November in einem Bericht erwartet. (vin/sda)

Erstellt: 29.10.2009, 12:59 Uhr

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