Youtube-Skandal in Österreich
Aktualisiert am 25.02.2009 17 Kommentare
«Missverständlich»? Telekom Austria-Vorstand Gernot Schieszler nahm kein Blatt vor den Mund.
«Die spinnen, die Ösis», mag man sich angesichts des neuesten Skandals im Nachbarland denken. Auslöser ist ein Video, in dem der stellvertretende Generaldirektor der Telekom Austria, Gernot Schieszler, erläutert, wie er überzähliges Personal – vor allem unkündbare Beamte – zu einem «freiwilligen» Abgang bewegen will. Bei einer Veranstaltung Ende Januar antwortete Schieszler auf die Frage eines Investors, ob es nicht klügere Wege gebe, um überschüssiges Personal abzubauen, als diese zu Hause rumsitzen zu lassen, in gebrochenem Englisch:
«Unsere Aufgabe ist es, ein Telekom-Unternehmen wertsteigernd zu führen, und nicht, in Gärten alter Damen zu graben.» Man habe darum entschieden, Mitarbeiter «aus dem Programm herauszunehmen». Sofern die Mitarbeiter nicht umgeschult oder versetzt werden könnten, werde man beginnen, «sie daheim sitzen zu lassen». Dieser Prozess dauere rund vier Monate.
«Wir werden Klagen folgen lassen»
In den ersten vier bis sechs Wochen könnten sich die Leute, «offen gesagt noch wohl fühlen», fuhr Schieszler weiter. Danach werde man sie kontaktieren und sie für ein paar Tage zur Arbeit rufen, «und wenn sie dann am Telefon erklären, dass sie krank sind, werden wir ihnen den Arzt schicken. Und wenn der feststellt, dass sie nicht krank sind, dann werden wir Klagen gegen diese Mitarbeiter folgen lassen». Und dann würden schon «ein paar die Golden Handshakes annehmen».
Belegschaft ist empört
Kurz nach der Veröffentlichung des Videos wandte sich Schieszler an die Mitarbeiter. In einer Intranet-Botschaft an die Belegschaft bezeichnete er seine Aussagen als «unglücklich und missverständlich». Er distanzierte sich von dem Videobeitrag, der «keinesfalls meine Meinung zur Personalsituation in unserem Unternehmen wiedergibt.» Zu spät: Die Belegschaft wirft dem Vorstand Mobbing vor.
Heute Mittwoch tagt der Betriebsrat der Telekom Austria zu den fragwürdigen Aussagen des Vorstands. Die teilstaatliche Telekom Austria ringt seit Monaten mit Politik und Gewerkschaft um den Abbau von 2500 «überschüssigen» Mitarbeitern. (reh)
Erstellt: 25.02.2009, 11:14 Uhr
WRITE A COMMENT
17 Kommentare
Hübsches Beispiel. Kommt leider selten vor, dass Verwaltungsratsgespräche per Video an die Öffentlichkeit gelangen. Solche Aussagen sind aber Alltag. Angestellte werden als Ware betrachtet, wichtig ist nur, dass die Millionen in die eigenen Taschen der Verwaltungsräte fliessen. Ist die Bude pleite, egal, die nächste Top Stelle wartet schon auf den Versager. Demokratie gilt nicht für die Firmen. Antworten
Viel eher ein Skandal ist, dass diejenigen Mitarbeiter von Telekom Austria, die den Beamtenstatus geniessen, praktisch unkündbar sind und so zum Teil ein Arbeitsleben lang dem Staat auf der Tasche liegen, obwohl sie schon längst nicht mehr gebraucht würden. Das ist extrem ineffizient und kostspielig und benachteiligt die Telekom im Wettbewerb mit anderen Anbietern massiv. Antworten
Und in der ganzen populistischen Propaganda gegen alles, was über 100'000 CHF verdient, spricht hier niemand an, dass es "vor allem unkündbare Beamte" treffen sollte. Unkündbarkeit dürfte es schlicht und einfach nicht geben, jeder soll so lange bleiben, wie er/sie die Leistung bringt. Ist genauso "Abzocke" wie Manager. Da ziehe ich das Bonussystem (in vernünftigen Massen natürlich!) jederzeit vor. Antworten
Schweiz letzte Woche. Der unfähige CEO, seit knapp zwei Jahren in der Firma, entlässt das ganze Kader, angeblich infolge eines Sparprogramms. Tatsache ist, dass er nur Mitarbeiter um sich haben kann die ihm immer Recht geben. Diese Firma wird es in einem Jahr nicht mehr geben. Bei seinem füheren Arbeitgeber, ein grosses Unternehmen, war er leider unbrauchbar und im gegenseitigen Einvernehmen...... Antworten
Ein hübsches Gesellenstücklein aus der modernen Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts mit seinen "flexibilisierten" Arbeitsmärkten! Und der Mensch wurde zur Ware- wie Karl Marx bereits schon vor über 150 Jahren festgestellt hat. Entsprechend wird er natürlich auch behandelt: Wie Ware eben. Eine Perversion sondergleichen! Das Problem sind nicht wir- sondern solche "Eliten", und zwar ein Gewaltiges! Antworten
das ist ein gängiger prozess, swisscom hat in den 90iger Jahren die einheiten in der schweiz rumgeschoben, plötzlich arbeitete ein zürcher in fribourg, ein berner in chur.. etc.. damit sind dann die guten Leute abgewandert, nach ein paar jahren waren dann die restlichen zürcher wieder in zürich und die berner in bern.. das thema ist ja verunsicherung man bringt bewegung ins gefüge.. Antworten
Die Banken können nicht ohne den Staat funktionieren, der Markt schreit nach Regulierung, die Schweiz will nicht mehr vom Geld anderer Staaten leben, der Rechtsstaat ist keinen Rappen wert, die direkte (und indirekte) Demokratie wird ausser Kraft gesetzt und jetzt noch der Milchbubi der zu dumm ist um zwischen Gedachtem und Gesagtem zu unterscheiden. Karl Marxs dürfte in Feierlaune sein! Antworten
ich weiss nicht, was daran falsch ist? A) das Video hat ein Schnitt mittendrin B) er sagt lediglich, dass kontrolliert wird, ob jemand zuhause arbeitet! Schliesslich geht es nicht, dass jemand zuhause rumsitzt und nichts tut. Und genau das ist das Problem. Er sagt, dass man ihnen aufgaben zukommen lässt und die Leute dann sagen "ich kann nicht, ich bin krank" und dann wird sofort kontrolliert. Antworten
"«überschüssigen» Mitarbeitern" - so so - der pervertierte Manager zeigt wieder mal sein Gesicht. übrigens, es gibt sehr viele solcher Typen auch in unseren CH-Betrieben! Mobbing ist an der Tagesordnung. Wen wundert es, wenn der Tschanun-Effekt eintrifft? In den USA heisst dies: are you going postal? Antworten




Jochen Schuk
Es ist bezeichnend, dass es immer ein paar Menschen gibt die mit ihrer "Arbeitgeberversteherei" ermöglichen dass die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen funktioniert. Das Geschrei wird erst groß wenn es Sie selber trifft - wenn Ihr eigener Arbeitsplatz, und damit Ihre bürgerliche Existenz, aus Gewinnsucht vernichtet wird. Also immer schön dem Kapitalismus nachrennen. Antworten