Ausland

«Zeit, dass er abgelöst wird»

Aktualisiert am 01.02.2009

Papst Benedikt XVI. gerät zunehmend unter Druck. Von Israel und von einem ehemaligen Weggefährten, dem Schweizer Theologen Hans Küng.

Papst werde «abgeschirmt» sei der «realen Welt enthoben»: Theologe Hans Küng.

Papst werde «abgeschirmt» sei der «realen Welt enthoben»: Theologe Hans Küng. (Bild: Keystone)

Papst Benedikt XVI. gerät zunehmend unter Druck. Israel drohte am Wochenende wegen der Rehabilitierung des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Der Theologe Hans Küng sprach sich für eine Ablösung des Papstes aus. Derweil sorgte das katholische Kirchenoberhaupt erneut für massive Kritik, weil Benedikt den umstrittenen österreichischen Geistlichen Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz ernannte.

Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jizchak Cohen erklärte, er empfehle, «die Verbindungen mit einer Körperschaft, in der Holocaust-Leugner und Antisemiten Mitglied sind, vollständig abzubrechen». Der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, betonte allerdings den Wert der Beziehungen seines Landes zum Vatikan und drückte seine Hoffnung auf eine Klärung des Streits aus.

Der britische Bischof Williamson hatte in einem Interview erklärt, es gebe Beweismaterial, dass kein einziger Mensch während des Dritten Reichs vergast worden sei. Ungeachtet dessen hatte Benedikt XVI. am vergangenen Wochenende die Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der ultrakonservativen katholischen Bruderschaft Pius X. nach mehr als 20 Jahren aufgehoben und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Vatikan-Sprecher verurteilt Holocaust-Leugnung

Der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kardinal Walter Kasper erklärte, der Papst habe damit keine neuen Gräben aufreissen wollen. «Das war ein unglücklicher Zusammenfall von zwei Ereignissen, die an sich nichts miteinander zu tun haben», sagte Kasper und fügte an: «Sicher wollen wir jetzt nach diesem unglücklich Zusammenfall alles nur Mögliche tun, um den Dialog wieder flott zu machen.» Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, wer auch immer die Shoa leugne, behaupte historischen Unsinn und verstehe «nichts vom Mysterium Gottes».

In Deutschland ist die Empörung dennoch ungebrochen. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, bezeichnete es als unverzeihlich, dass ein Holocaust-Leugner gesellschaftsfähig gemacht werde.

Scharfe Kritik kam auch von Bundestagspräsident Norbert Lammert. «Solche Äusserungen und Vorkommnisse gefährden den vom heutigen Papst und seinem Vorgänger ausdrücklich für unverzichtbar erklärten Dialog mit den jüdischen Organisationen», sagte der CDU-Politiker.

Die Priesterbruderschaft Pius X. distanzierte sich mittlerweile von Williamson. «Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir ihn hier nicht mehr sehen wollen», sagte der Regens des St.-Pius-Priesterseminars in Zaitzkofen bei Regensburg, Stefan Frey.

«Es wird Zeit, dass er abgelöst wird»

Der Tübinger Theologe Küng, ein früherer Weggefährte des heutigen Papstes, erklärte, Benedikt XVI. sei im Vatikan offensichtlich «so abgeschirmt und der realen Welt enthoben, dass er sich keine Vorstellungen davon macht, wie verheerend sein Tun aufgenommen wird».

Benedikt XVI. laufe Gefahr, als Papst der Brüskierung in die Geschichte einzugehen - nach Protestanten und Muslimen habe er nun die Juden vor den Kopf geschlagen. Der Papst suche jeden Fettnapf, den es gebe. «Es wird Zeit, dass er abgelöst wird.»

Unmut über Ernennung Wagners

Mit der Erhebung Wagners zum Weihbischof von Linz sorgte Benedikt XVI. am Wochenende für neuen Unmut. Der 54-Jährige fiel unter anderem 2005 mit einer Bemerkung über den Hurrikan Katrina auf, der in New Orleans zahlreiche Menschen das Leben kostete. Dies sei eine Strafe für die Sünden in New Orleans, wurde Wagner damals zitiert. Dort seien nicht nur Nachtclubs und Bordelle, sondern auch Abtreibungskliniken zerstört worden. (sam/ap)

Erstellt: 01.02.2009, 23:19 Uhr


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