Die Kinder von Putins Wählern

Eine neue Generation wächst heran, die Putins Macht gefährlich sein könnte.

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Busweise hat die russische Polizei Demonstranten verhaftet, die den Nationalfeiertag auf ihre Art begehen und gegen Korruption in den obersten Regierungskreisen demonstrieren wollten. Oppositionspolitiker Alexei Nawalny hatte in 200 Städten zu Protesten aufgerufen. Von Wladiwostok im Osten bis nach Petersburg im Westen folgten Menschen seinem Aufruf, an manchen Orten kam eine Handvoll, an ­anderen Hunderte oder gar Tausende. Unter ihnen waren viele junge Leute, manche nicht mehr als 16 Jahre alt – so alt wie Wladimir Putins Herrschaft.

Isolierte Jungen und Mädchen

Dank dem Aufmucken dieser Jungen und Mädchen, die schon bei den Protesten im März an vorderster Front standen, hat die russische Opposition erstmals seit Jahren wieder die Bevölkerung erreicht. Man kann die jungen Russen verstehen. Wie ihre Gleichaltrigen im Westen verbringen sie ihr Leben mit dem Smartphone in der Hand, das keine Grenzen kennt. Gleichzeitig leben sie in der engen und mitunter reaktionären Welt des heutigen Russland, isoliert, ohne wirkliche Zukunftsperspektiven. Diese kleine Rebellion der Putin-Kinder gibt Hoffnung, dass nun eine neue Generation heranwächst. Eine, die von ihrer Führung Rechenschaft verlangt und die es nicht mehr mit einem Schulterzucken abtut, dass die Elite sich nicht um das Volk schert und sich stattdessen schamlos bereichert.

Während allein in Moskau Hunderte verhaftet wurden, sprach Wladimir Putin zum Festtag von der Zukunft, von Stabilität und verteilte Orden. Für die Eltern und Grosseltern der Demonstranten, die den Zusammenbruch der Sowjetunion und die folgende Zeit der Wirren durchlitten haben, sind Stabilität und Sicherheit das höchste Gut. Die paar jungen Rebellen können Putins Macht deshalb nichts anhaben – gefährlich werden könnten sie ihm trotzdem. Denn sollten die Proteste anhalten und die unzimperliche russische Polizei dazu übergehen, die Kinder von Putins Wählern zu verprügeln, wäre es mit dem Gefühl von Stabilität und Sicherheit schnell vorbei. Und das könnte den Präsidenten, der nächstes Jahr wieder­gewählt werden will, hart treffen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2017, 21:15 Uhr

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