EU will Atomkraft massiv stärken

Bau neuer Atommeiler, Entwicklung neuer Technologien: Was hinter den Plänen der EU-Kommission steckt.

Steht wegen bedenklicher Risse unter Beobachtung: Das Atomkraftwerk im belgischen Tihange.

Steht wegen bedenklicher Risse unter Beobachtung: Das Atomkraftwerk im belgischen Tihange. Bild: Keystone

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Wie in der Schweiz wird auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern der komplette Ausstieg aus der Atomenergie vorangetrieben. Die neusten Pläne der EU überraschen deshalb umso mehr: Die umstrittene Technologie soll nicht zurückgefahren, sondern im Gegenteil gestärkt werden. Dies zeigt der Entwurf für ein Strategiepapier der EU-Kommission, welcher dem «Spiegel» vorliegt. Die EU müsse ihre technologische Vorherrschaft im Nuklearsektor verteidigen, heisst es darin.

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Die EU setzt auf Atomkraft: Soll die Schweiz beim Ausstieg bleiben?

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Im Papier wird unter anderem vorgeschlagen, dass die EU-Mitgliedsstaaten bei der Erforschung, Entwicklung, Finanzierung und beim Bau innovativer Reaktoren stärker kooperieren sollen. Die EU-Kommission will in neue Technologien investieren. So soll bis spätestens 2030 ein Meiler mit flexiblen Mini-Atomreaktoren gebaut werden. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessert werden. Laut «Spiegel» sind derzeit sind in 14 Ländern Atomkraftwerke in Planung.

Mit Atomkraft Klimaziele erreichen

Aus Sicht von Insidern gibt es für die Pläne der EU vor allem zwei Motive: Zum einen will die EU-Kommission auf diese Weise Europas Abhängigkeit von Russlands Gas verringern. Zum anderen steht sie in der Pflicht, ihre Klimaziele zu erreichen und den CO2-Ausstoss in der EU deutlich zu verringern. Atomkraftwerke sind im Gegensatz zu Kohle- und Gaskraftwerken fast CO2-neutral. In Deutschland erzeugen sie 32 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. Bei Kohlekraftwerken ist ein Ausstoss von bis zu 1153 Gramm zu verzeichnen.

Das Papier soll die Grundlage der künftigen Atompolitik der EU-Kommission sein. Es soll am Mittwoch von den für die Energieunion zuständigen Kommissaren verabschiedet und dann dem EU-Parlament vorgelegt werden. Allerdings gibt es schon jetzt scharfe Kritik an den Plänen. Befürworter des Atomausstieges fordern, dass zuerst alle bestehenden Reaktoren auf ihre Sicherheit geprüft werden. Forschungsergebnisse über Materialstress bei älteren Reaktoren liegen wohl erst 2025 vor. (wig.)

Erstellt: 17.05.2016, 09:17 Uhr

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