Franzosen in Übersee haben schon gewählt

47 Millionen Franzosen sind aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu bestimmen. Die ersten Wähler haben dies bereits getan - auch in New York, wo ein Bombenalarm beim Konsulat für Aufruhr sorgte.

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Die Bürger der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der Ostküste Kanadas waren die ersten der knapp 47 Millionen französischen Wahlberechtigten. Die Wahllokale dort öffneten am Samstag um 12 Uhr MESZ.

Nach Saint-Pierre und Miquelon war Französisch-Guyana in Südamerika an der Reihe, ausserdem die französischen Inseln in der Karibik wie Guadeloupe und Martinique sowie im Südpazifik.

Auf den Inseln La Réunion und Mayotte im Indischen Ozean werden die Wahlberechtigten wie in Frankreich selbst ab Sonntagmorgen zu den Urnen gerufen.

Alle Ergebnisse gleichzeitig

Mit dem frühen Beginn der Abstimmung in den Überseegebieten soll verhindert werden, dass die knapp eine Million dort lebenden Wahlberechtigten erst dann wählen, wenn durch die Zeitverschiebung die Ergebnisse im Kernland bereits feststehen. Ihre Ergebnisse werden aber genauso wie die Ergebnisse in Frankreich erst am Sonntag nach der Schliessung der letzten Wahllokale bekannt gegeben. Diese erfolgt um 20 Uhr, danach werden erste Hochrechnungen erwartet.

Die Veröffentlichung von Ergebnissen vor 20 Uhr ist in Frankreich verboten, die Frist wurde in den vergangenen Jahren allerdings immer wieder durchbrochen, insbesondere im umliegenden Ausland, darunter in Belgien und der Schweiz.

Zwischenfall in New York

Ein Bombenalarm führte am Samstag zur vorübergehenden Räumung des französischen Konsulats in New York geführt, wo hunderte im Ausland lebende Franzosen ihr Stimme bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl abgeben sollten.

Wie Konsulin Anne-Claire Legendre sagte, liess die Polizei das Gebäude an der Fifth Avenue gegen 17 Uhr (23 Uhr MESZ) evakuieren. Grund war ein verdächtiges Fahrzeug. Nach etwa 50 Minuten wurde der Alarm wieder aufgehoben. Das Wahllokal sollte regulär um 19 Uhr schliessen.

Rund 28'500 Wähler in den US-Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut sind auf den Wahllisten des Konsulats verzeichnet. Sie konnten aber auch in 15 weiteren Wahllokalen ihre Stimme abgeben.

Grosse Sicherheitsvorkehrungen

Die Wahlen finden erstmals unter Bedingungen des Ausnahmezustands statt, der nach den Pariser Terrorattacken im November 2015 verhängt worden war. Mehr als 50'000 Polizisten und 7000 Soldaten werden eingesetzt, um Kandidierende und die Bevölkerung zu schützen. Das Sicherheitsaufgebot war nach der Terrorattacke auf den Pariser Champs-Élysées am Donnerstagabend noch aufgestockt worden.

Die entscheidende Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidierenden ist am 7. Mai geplant.

Macron knapp vor Le Pen

In Europa richtete sich das Interesse vor allem auf das Abschneiden der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone führen will, den Linksaussen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls heftig Brüssel attackiert, und auf den Europafreund Emmanuel Macron.

In Umfragen für den ersten Wahlgang lag Ex-Wirtschaftsminister Macron zuletzt knapp vor oder auf Augenhöhe mit Le Pen. Aber auch der Konservative François Fillon und Mélenchon können sich Hoffnungen machen, sich für das Endduell in zwei Wochen zu qualifizieren.

EU-Kommissar hofft auf «weisen» Entscheid

Nach dem Schock über das Brexit-Votum und die US-Wahl rechnet EU-Kommissar Maros Sefcovic mit dem Sieg eines europafreundlichen Kandidaten in Frankreich. «Nach all der Unsicherheit, die diese Abstimmungen brachten, werden die französischen Wähler weise entscheiden und die europäische Zusammenarbeit weiter mittragen», sagte der aus Slowakei stammende Sefcovic der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.

Der offizielle Wahlkampf war am Freitagabend zu Ende gegangen. Mehrere Kandidaten hatten wegen der Pariser Terrorattacke letzte Auftritte oder Kundgebungen abgesagt.

Terror überschattet Abstimmung

Ein 39-Jähriger hatte am Donnerstagabend in Paris mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Passantin wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Bluttat für sich.

Drei Personen aus dem Umfeld des Täters, die zunächst in Polizeigewahrsam genommen wurden, kamen wieder auf freien Fuss, bestätigten Justizkreise der Nachrichtenagentur dpa. Die beiden zu Wochenbeginn in Marseille festgenommenen Männer, die laut Behörden vor der Wahl einen Anschlag verüben wollten, wurden hingegen weiter festgehalten. (roy/sda/afp)

Erstellt: 23.04.2017, 03:44 Uhr

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