Unbekannte werfen Brandsätze auf Flüchtlingszelte

Auf der griechischen Insel Chios haben erneut Unbekannte ein Lager des UN-Flüchtlingshilfswerks angegriffen und Zelte in Brand gesteckt. Dahinter sollen Rechtsextreme stecken.

Brandangriff: UNHCR hat dieses Bild des zerstörten Zeltes gewittert. (18. November 2016) Bild: Twitter/UNHCR

Brandangriff: UNHCR hat dieses Bild des zerstörten Zeltes gewittert. (18. November 2016) Bild: Twitter/UNHCR

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Auf der Ägäis-Insel Chios haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern und Flüchtlingen verschärft. Ein syrischer Flüchtling wurde am Freitag nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) schwer am Kopf verletzt, als Unbekannte von der Festung am Hafen einen Stein auf das dortige Flüchtlingslager Souda warfen. Zuvor hatten bereits unbekannte Angreifer Brandsätze auf das Flüchtlingslager geworfen. Menschenrechtsaktivisten vermuten, dass Mitglieder der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte hinter den Angriffen stecken.

Schon seit Tagen gibt es auf Chios Spannungen. Das Flüchtlingslager ist eigentlich nur für 1100 Menschen ausgelegt, allerdings sind dort derzeit mehr als 4000 Menschen untergebracht.

Aktivisten beschuldigen Neonazi-Partei

In der Nacht zu Donnerstag gab es gewalttätige Auseinandersetzungen, nachdem zwei kleine Gruppen von Flüchtlingen laut Polizeiangaben einen Schnapsladen auf der Insel ausgeräumt und Feuerwerkskörper aus einem weiteren Laden gestohlen hatten, mit denen sie dann Häuser und Autos bewarfen.

Nach griechischen Medienberichten warfen Rechtsextreme daraufhin in einer Racheaktion von einer Anhöhe aus grosse Steine auf mehrere Zelte in dem Lager. Gemäss einem Journalisten der «Huffington Post» soll es sich dabei um Mitglieder der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte gehandelt haben. Auch der Basler Baschi Seelhofer bestätigt diesen Bericht, wie die «Tageswoche» schreibt. Seelhofer betreibt mit seiner NGO «Be Aware and Share» (Baas) zwei Schulen für Flüchtlinge auf Chios. Die Polizei nahm nach dem Vorfall drei jugendliche Algerier und einen Iraner fest.

Die Menschenrechtsorganisation «Amnesty International» vermutet, dass auch die letzte Angriffswelle von Rechtsextremen ausging. Amnesty und weiteren Aktivisten beschuldigen die Polizei, ungenügend oder gar nicht reagiert zu haben. «Diese schockierenden Attacken gegen Flüchtlinge können nicht ungestraft weitergehen. Die Polizei und die Justiz müssen dringend Sofortmassnahmen ergreifen, um diese Hassverbrechen zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu bringen. In der heutigen Nacht muss zudem die Sicherheit der Flüchtlinge auf der Insel garantiert werden», so die Vizedirektorin von Amnesty International Europa, Gauri van Gulik.

«Hochkochende Spannungen»

In der Nacht zu Freitag wurden zwei Unterstützer der Flüchtlinge nahe dem Lager angegriffen. Nach Informationen der griechischen Nachrichtenagentur Ana wurden zwei Zelte zerstört. Daraufhin verliessen 150 Menschen das Lager. Laut UNHCR waren rund hundert Flüchtlinge obdachlos.

Ein Behördenvertreter sprach von «hochkochenden Spannungen» zwischen der Bevölkerung von Chios und den Flüchtlingen in dem Lager. Es sei nicht auszuschliessen, dass rechtsextreme Gruppen den Unmut der Einwohner über die Lage anheizten. Insgesamt werden auf den griechischen Ägäis-Inseln mehr als 16'000 Geflüchtete festgehalten.

Das Festland ist keine Alternative

Der Bürgermeister von Chios, Manolis Vournous, hat den griechischen Migrationsminister Ioannis Mouzalas gebeten, das Auffanglager innerhalb von 24 Stunden zu schliessen.

Allerdings gebe es für die Flüchtlinge und Migranten auf der Insel keine alternativen Unterbringungsmöglichkeiten, berichtete die Athener Tageszeitung «Kathimerini». Zwar stünden Gelder dafür bereit, doch die Bewohner wehrten sich gegen den Bau eines neuen «Hotspots».

Sie verlangten vielmehr, dass die Flüchtlinge aufs Festland gebracht werden. Das aber ist gemäss dem Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei nicht möglich; die Menschen sollen auf den Inseln ausharren, bis ihre Asylanträge bearbeitet wurden. Wird kein Asyl gewährt, sollen sie zurück in die Türkei geschickt werden.

Asylanträge schneller bearbeiten

Migrationsminister Mouzalas will den Berichten zufolge in Brüssel nochmals um personelle Unterstützung bitten, damit die Asylanträge schneller bearbeitet werden können und sich die Lage entspannt.

(mch/afp/sda)

Erstellt: 18.11.2016, 18:22 Uhr

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