Polizei muss May vor wütenden Bürgern retten

Die Angehörigen der Opfer des Hochhausbrandes sind wütend. Auch auf Theresa May. Die Premierministerin hat bislang kein Versagen der Behörden eingeräumt.

Gerät unter Druck: Theresa May trifft auf wütende Bürger. (Video: Tamedia/AFP)

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Theresa May steht wegen ihrer Reaktion auf den Grossbrand mit mindestens 30 Toten unter Druck. Nach einem Besuch in der Nachbarschaft des ausgebrannten Hochhauses in London hat die Polizei die britische Premierministerin vor wütenden Demonstranten in Sicherheit bringen müssen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, zornige Menschen seien am Freitag Mays Auto hinterher gelaufen und hätten sie angebrüllt.

Die Polizei versucht die wütende Menge im Zaun zu halten. Quelle: Screenshot Facebook/AssedBaig

May hatte sich mit Opfern des Brandes und Anwohnern getroffen. Sie kündigte fünf Millionen Pfund an Hilfen an. Dies scheint für die Betroffenen jedoch kein Trost zu sein. Im Stadtteil Kensington stürmten Demonstranten das Bürgermeisteramt. «Wir wollen Gerechtigkeit», skandierten sie. Die Menschen bahnten sich ihren Weg durch die automatische Tür des Gebäudes und versuchten, auch in die oberen Stockwerke gelangen. Die Polizei hielt sie auf. Die Katastrophe hatte Fragen über ein mögliches Versagen der Behören aufgeworfen.

«Absolut schrecklich»

Noch am selben Tag gab May BBC ein Interview. Dadurch gestaltete sich die Situation für die Premierministerin nicht gerade besser, wie sich im Nachhinein herausstellte. Sie sagte, das Feuer im Grenfell-Tower sei ein «absoluter Horror», «eine schreckliche Erfahrung». Fragen, bei denen sie die allgemeine Stimmung beurteilen sollte, wich sie jedoch aus.

BBC-Interviewerin, Emily Maitlis, hatte vorgeschlagen, dass es für die Öffentlichkeit wohl tröstlich zu hören wäre, etwas sei furchtbar schief gelaufen und dass die Behörden die Verantwortung übernehmen würden.

Auf die Frage, ob sie die Wut der Bürger nicht verstehen würde, antwortete May: «Was ich als erstes getan habe, ist sicherzustellen, dass die öffentlichen Dienste weiterhin in der Lage sind, ihre Arbeit zu machen. Das haben sie auch in unmittelbarer Folge getan.»

Erneut konfrontierte Maitlis sie mit der Frage, ob sie es versäumte habe, Verständnis für die öffentliche Wut zu zeigen. «Dies ist eine schreckliche Tragödie. Menschen haben ihr Leben, ihr Besitztum, einfach alles verloren», sagte May dazu.

Verzweifelt: Viele suchen nach Angehörigen, die im Grenfell Tower lebten. (Video: Tamedia/AP)

Kritik in den Sozialen Medien

Für ihr Ausweichen erntet die Premierministerin scharfe Kritik. «Theresa May sollte von ihrem roboterhaften Interview-Stil wegkommen – doch das geschah nicht», meint etwa ein Twitterer.

Ein anderer schreibt:« May weigert sich Fragen zu beantworten und drescht einstudierte Phrasen runter. Sie sieht nervös aus. Schmerzhaft mit anzusehen.»

«Theresa May wiederholt dieselben Sätze immer und immer wieder mit wilder Panik in den Augen», lautet ein weiterer Twitter-Eintrag. Eine Userin spricht zudem das an, worauf Interviewerin Emily Maitlis die Premierministerin bereits hingewiesen hatte. «Wer ist ihr Berater? Merkt sie nicht, dass es hilfreich wäre zuzugeben, dass etwas schief gelaufen ist?»

Auch Mitglieder von Mays eigener Partei erheben Vorwürfe gegen sie. May habe sich unter anderem zu spät mit den Opfern des Brandes getroffen. Diese wurden von dem Oppositionsführer Jeremy Corbyn, Bürgermeister Sadiq Khan und der 91-jährigen Königin Elizabeth II. besucht.

Infolge der heftigen Kritik empfängt die Premierministerin Überlebende der Katastrophe in ihrem Amtssitz in der Downing Street. Verletzte Opfer des zerstörten Grenfell Tower, freiwillige Helfer und Vertreter der Gemeinde sollten bei dem Treffen am Samstagnachmittag dabei sein, teilte ein Sprecher Mays in der britischen Hauptstadt mit.

(kaf/sda/afp)

Erstellt: 17.06.2017, 10:46 Uhr

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