«Russland kann das Baltikum in zwei, drei Tagen besetzen»

Wegen der Spannungen zwischen Nato und Russland sind Kriegsszenarien für Europa ein Thema. Das Pentagon ist besorgt.

Soll westlichen Modellen überlegen sein: Der neue russische Panzer T-14 Armata, vorgeführt an der Siegesparade am letzten 9. Mai in Moskau.

Soll westlichen Modellen überlegen sein: Der neue russische Panzer T-14 Armata, vorgeführt an der Siegesparade am letzten 9. Mai in Moskau. Bild: AFP

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Seit der Krim-Annexion und dem Krieg in der Ostukraine geht in Europa wieder die Angst um vor einem grösseren Krieg mit Russland. In den Verteidigungsministerien in Europa und den USA macht man sich längst Gedanken über neue Bedrohungsszenarien, man stellt Vergleiche an zwischen den Armeen von Nato und Russland. Gemäss einem Bericht der US-Zeitschrift «Forbes» kommt das Pentagon zu einer düsteren Analyse für den Fall eines neuen Krieges im Osten Europas. «Das russische Militär könnte die baltischen Staaten in zwei, drei Tagen besetzen – noch bevor die Nato eine kohärente Reaktion organisieren könnte», schreibt «Forbes» unter Berufung auf Gespräche mit hohen US-Militärs.

Der «Forbes»-Bericht gefällt der russischen Propaganda: «US-Magazin: Nato nicht reif für Sieg über Russland», jubelt die Kreml-gesteuerte Nachrichtenwebsite «Sputnik News».

Russlands Vorteile gegenüber der Nato

In einem hypothetischen Krieg hätte Russland verschiedene Vorteile gegenüber der Nato, heisst es in der Analyse von «Forbes»-Sicherheitsexperte Loren Thompson. Die US-Armee, die bei einem Krieg die grössten Lasten tragen müsste, würde nicht in der Lage sein, einen schnellen Vorstoss Russlands in Richtung Westen abzuwehren. Russland habe im Westen seines Landes Truppen stationiert, die sehr rasch mobilisiert und bewegt werden könnten. Ausserdem habe Russland eine derart wirksame Luftabwehr, dass den Flugzeugen der Nato Grenzen gesetzt seien. So lägen weite Teile des polnischen Luftraums in Reichweite der Luftabwehr Russlands. Gemäss dem «Forbes»-Bericht sind sich die US-Armeeplaner nicht sicher, dass Nato-Flugzeuge in der Lage sein würden, die eigenen Bodentruppen zu unterstützen.

Dem Pentagon zufolge hat die Nato und mit ihr die US-Armee in Europa weitere Schwächen, zum Beispiel eine ungenügende Vorbereitung auf Hightech-Bedrohungen oder auch einen Rückstand in Sachen hybrider Kriegsführung. Dazu kommt, dass Russland die Nato punkto Waffen offenbar nicht zu fürchten braucht, wie es in einem Bericht des US-Magazins «Business Insider» steht. Russische Jagdflugzeuge, Bomber, Panzer, Flugabwehrsysteme und Schützenwaffen seien teilweise besser als die der Nato. Russland hat sehr viel Geld in die Modernisierung seiner Streitkräfte investiert. Einen Teil seiner Militärtechnik zeigt es an der Siegesparade jeweils im Mai.

US-Präsenz in Europa wie im Kalten Krieg

Manche Sicherheitsexperten in den USA, wie zum Beispiel Daniel Gouré vom Lexington-Institut, fordern eine starke, permanente Stationierung amerikanischer Truppen und Waffen in Europa wie zur Zeit des Kalten Krieges: einerseits, um die aggressive Politik Russlands einzudämmen, andererseits, um rasch intervenieren zu können. Denn, so der «Forbes»-Kommentar: «Niemand kann wissen, was Wladimir Putin zu tun gedenkt, wenn er glaubt, dass Washington nicht achtsam ist.» (vin)

(Erstellt: 14.12.2015, 18:15 Uhr)

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