Österreich will Geld für seine deutsche Studenten
Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 25.11.2009
Er will Ausgleichszahlungen für die 20'000 deutschen Studenten: SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann. (Bild: Keystone)
Seit 34 Tagen ist das Auditorium Maximum, der grösste Hörsaal der Universität Wien, besetzt. Obwohl der Protest der Studenten gegen die Einführung von Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen etwas an Dynamik verloren hat, scheint kein Ende in Sicht. Unterstützung erhalten die Studenten weiterhin von Künstlern und Intellektuellen. So präsentierte gestern Abend im Audimax Jean Ziegler sein neustes Buch «Der Hass auf den Westen». Die Politik lenkt hingegen die Aufmerksamkeit der Medien weg von den Hörsälen zu einem beliebten Feindbild der Österreicher: den deutschen Studenten.
Von den 230 000 Studierenden an österreichischen Universitäten kommen in diesem Jahr fast 20'000 aus Deutschland (an Schweizer Universitäten studieren rund 11'000 Deutsche). Die Zahl dürfte im nächsten Jahr deutlich steigen, weil EU-Bürger ebenso wie Inländer an österreichischen Hochschulen keine Studiengebühren zahlen müssen und es an den meisten Fakultäten auch keine Aufnahmeprüfungen oder andere Zugangsbeschränkungen gibt. Die Folgen sind besonders in Wien spürbar, wo auf einen Professor 300 Studenten kommen und die Basisvorlesungen in den ersten Semestern regelrecht überrannt werden.
Vorbild Skandinavien
Studenten und Assistenten fordern von der Politik eine deutliche Erhöhung des Bildungsbudgets. Den von Wissenschaftsminister Johannes Hahn (von der konservativen ÖVP) versprochenen einmaligen Zuschuss von 34 Millionen Euro sehen sie höchstens als Tropfen auf den heissen Stein.
Mehr Geld will die Regierung von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) aber nicht in die Bildung investieren. Zumindest nicht aus dem eigenen Budget. Stattdessen würde sich Faymann das Geld gerne von den Nachbarn holen. In einem Interview mit dem «Standard» sagte er, dass er Ausgleichszahlungen für deutsche Studenten anstrebe und diese Möglichkeit nun prüfen lasse. Ideal wäre es, «wenn es in Europa überall eine optimale Zahl an Ausbildungsplätzen geben würde und der Verdrängungswettbewerb gar nicht eintritt. Aber so weit sind wir nicht.»
Nach dem gestrigen Ministerrat kündigte der Bundeskanzler die Aufnahme von Gesprächen mit Deutschland an und nannte Skandinavien als Beispiel: Dort hätte es ähnliche Probleme gegeben, die auf regionaler Ebene mit Ausgleichszahlungen gelöst worden seien. Auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) schloss sich der Forderung an, die deutsche Regierung für jeden exportierten Studenten zur Kasse zu bitten: Da viel mehr Deutsche in Österreich als Österreicher in Deutschland studierten, sei die Forderung legitim. (Der Bund)
Erstellt: 25.11.2009, 12:18 Uhr


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