Millionenstadt Mossul von 20-Meter-Flutwelle bedroht

Der Tigris-Staudamm im Irak ist marode. Die Gefahr, dass er bricht, wird grösser – auch weil der IS die Region kontrolliert.

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Die Worte des US-Generals im Irak sind mehr als eine Warnung. Sie klingen wie eine Drohung. Die Talsperre am Tigris erodiere und werde schlecht gewartet, erklärte Sean MacFarland am Donnerstag. Die Kriegskoalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Armee des Irak prüften noch, wie wahrscheinlich ein Zusammenbruch des Mossul-Dammes sei. Falls die Sperrwand einstürzen würde, könne dies katastrophale Folgen für die Umwelt haben, sagte MacFarland. «Wenn es passiert, wird es schnell gehen und das ist schlecht.»

Die eindringlichen Worte des Generals kommen nicht überraschend. Die ab Ende Februar zu erwartende Schneeschmelze aus der Türkei verschärft die Situation wesentlich. Dass der 3600 Meter lange und 135 Meter hohe Staudamm brechen könnte, haben schon amerikanische Ingenieurcorps vor neun Jahren heraus gefunden. Andere Wissenschaftler haben in der Folge nachgehakt und auf die Gefahren hingewiesen – ohne Erfolg. Die Warnungen von Experten fanden kein Gehör.

Geologisch komplexes Gebiet

Im Falle einer Katastrophe würde eine bis zu 20 Meter hohe Flutwelle die Millionenstadt Mossul, die vom IS kontrolliert wird, heimsuchen. Flussabwärts in der irakischen Hauptstadt Bagdad wäre die Flut immer noch rund vier Meter hoch. «Dazwischen, das nur nebenbei, steht in Baidschi die grösste Ölraffinerie des Landes», erinnert Spiegel online.

Der einheimische Experte Nadhir Al-Ansari weiss über die grösste irakische Talsperre sehr gut Bescheid. Im Staubecken befinden sich etwa elf Milliarden Kubikmeter Wasser. (Zum Vergleich: Der Sihlsee hat ein Speichervolumen von 96,5 Millionen Kubikmeter). Der Damm macht seit seinem Bau 1981 grosse Sorgen. Denn der Stausee liegt in einem geologisch gesehen sehr komplexen Gebiet, dessen Untergrund aus wasserlöslichen Gesteinen gebildet wird. Das Wasser fliesst schon seit Jahren unter dem Damm hindurch. Es erstaunt nicht, wenn Al-Ansari gegenüber Spiegel online erklärt: «Nur Gott weiss, wann der Damm brechen wird. Es könnte morgen sein, in einer Woche, in einem Jahr.»

Hilfe aus Italien angekündigt

Die Probleme mit der Bodenbeschaffenheit seien bekannt gewesen, schreibt das deutsche Nachrichten-Magazin weiter. Ein internationales Konsortium unter Führung des deutschen Hochtief-Konzerns baute den Damm, die Planungen stammten von Ingenieuren aus der Schweiz. Diktator Saddam Hussein wollte damals sein Land wirtschaftlich voran bringen und versprach mit der Erstellung der Talsperre ein Milliardengeschäft für die internationalen Partner. Ob diese allerdings mit dem Projekt je Gewinn gemacht haben, wird in Industriekreisen stark bezweifelt.

Regelmässige und vor allem exakte Unterhaltsarbeiten sind von Beginn weg geplant gewesen und auch mühevoll durchgeführt worden. Seit aber der IS im August 2014 die Talsperre eroberte, ruhen die Arbeiten. Und dies, obwohl der IS von kurdischen Rebellen und von amerikanischen Truppen nach wenigen Tagen wieder vertrieben wurde. Vom IS wird allerdings jenes Betonwerk kontrolliert, aus dem früher die Substanz zum Ausbessern stammte.

Der italienische Trevi-Konzern soll nun helfen, den Damm sichererer zu machen. Die Verhandlungen stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Die italienische Regierung beabsichtigt, 450 Soldaten in den Irak zu entsenden, damit die dringend notwendigen Arbeiten reibungslos durchgeführt werden können.

Aber die Zeit drängt. (fal/sda)

(Erstellt: 30.01.2016, 21:21 Uhr)

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