Ägyptens Polizei will Islamisten-Lager einkesseln

Die Polizei will in Kairo die Protestcamps der Mursi-Unterstützer einkesseln und räumen. Diese sind jedoch vorbereitet. Die Angst vor gewaltsamen Zusammenstössen wächst.

Bereiten sich auf Räumung vor: Mursi-Unterstützer in Kairo. (9. August 2013)

Bereiten sich auf Räumung vor: Mursi-Unterstützer in Kairo. (9. August 2013) Bild: AFP

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Der Machtkampf zwischen Übergangsregierung und Islamisten in Ägypten geht weiter. Tausende Anhänger des gestürzten Präsident Mohammed Mursi harrten in der Nacht zum Montag ungeachtet des Räumungsbeschlusses der Übergangsregierung weiter in ihren Protestlagern in Kairo aus.

Die Islamisten verstärkten als Vorbereitung auf eine Polizeiaktion ihre Barrikaden rund um ihr Zeltlager bei der Rabea-al-Adawija-Moschee. Der Polizeieinsatz war am Sonntag im Innenministerium der Übergangsregierung beschlossen worden.

Die Sicherheitskräfte würden die Blockade der Lager vorbereiten, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Jazeera in der Nacht zum Montag. Bis zum frühen Montagmorgen wurde jedoch keine Polizeiaktion gemeldet.

Die Dauerproteste sollen ohne Blutvergiessen beendet werden, berichtete die arabische Zeitung «Al-Sharq Al-Awsat» am Samstag unter Berufung auf einen Verantwortlichen. Der Informant sagte, die Umsetzung des Plans könne bis zu drei Monate in Anspruch nehmen.

Zugang zu Lagern blockieren

Danach soll in den nächsten Tagen zunächst der Zugang zu dem Protestlager rund um die Rabea-al-Adawija-Moschee blockiert werden. Anschliessend werde die Polizei das Zeltlager der Anhänger Mursis mit Tränengas und Wasserwerfern angreifen. Ausserdem wolle man den Protestierenden das Wasser abdrehen und dafür sorgen, dass keine Lebensmittel mehr in die Zeltstadt gelangen.

Zahlreiche ausländische Diplomaten hatten die Übergangsregierung in den vergangenen Wochen vor einem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten gewarnt, die in Kairo nicht nur die Strassen rund um die Moschee, sondern auch den Al-Nahdha-Platz besetzt haben.

Die Islamisten fordern die Wiedereinsetzung Mursis, der am 3. Juli nach Massenprotesten von der Armee abgesetzt worden war. Sie wollen nach eigener Aussage so lange in ihrer Zeltstadt ausharren, bis diese Forderung erfüllt ist.

Eskalation im Sinai

Während die Augen der Welt vor allem auf die Proteste in Kairo gerichtet sind, wird der Norden der Sinai-Halbinsel allmählich zum Schlachtfeld. In Al-Dschura nahe der Provinzhauptstadt Al-Arisch wurden am Freitag vier Kämpfer der Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis bei einem Raketenangriff getötet. Obwohl das ägyptische Militär widerspricht, wird der Angriff Israel zugeschrieben.

Am Sonntag meldeten Anwohner, mehrere Ziele in der Ortschaft Al-Tuma östlich von Al-Arisch seien in der Nacht von ägyptischen «Apache«-Helikoptern aus beschossen worden. Laut Armeesprecher wurden bei der Operation 25 Terroristen getötet oder verletzt. Kurz nach der Attacke griffen Dschihadisten eine Polizeistation in Al-Arisch an.

Im Gebiet werden Islamisten vermutet, die an der Tötung von 16 Soldaten in Rafah vor einem Jahr beteiligt gewesen sein sollen. Übergangsministerpräsident Hasem al-Biblawi betonte am Sonntag, die Regierung stehe hinter den Operationen der Armee gegen Terroristen auf dem Sinai. (kle/chk/sda)

(Erstellt: 12.08.2013, 05:44 Uhr)

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